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Im nationalen Eishockey wird nicht nur auf dem Eis gekämpft

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Analyse
07/24/2020

Chaos im Eishockeyverband - wie die tiefen Gräben entstanden

Seit der Präsidentenwahl Ende Juni wird gestritten. Warum es zur Neuwahl kommen könnte.

von Peter Karlik

Das österreichische Eishockey ist tief gespalten. Im Eishockeyverband herrscht seit der 75. Generalversammlung am 27. Juni Chaos. Und die Gräben werden tiefer. Immer mehr Klubs beklagen sich über die vermeintlich neue Führung. Was ist geschehen?

Das bisherige Präsidium um den ehemaligen Vorstand der Erste Bank, Gernot Mittendorfer, verlor die Wahl gegen die Liste Klaus Hartmann mit 133:121 Stimmen. Mittendorfer und seine Kollegen hatten die Unzufriedenheit vieler kleiner Vereine unterschätzt.

Doch auch die vermeintlichen Wahlgewinner machen Fehler. Vermeintlich deshalb, weil sie laut Rechtsexperten keinen gültigen Wahlantrag stellten. Der Antrag des Kärntner Eishockeyverbandes wurde von Landesverbandspräsident Herbert Hohenberger gar nicht unterschrieben, auf jenem des niederösterreichischen Verbandes fehlt eine zweite Unterschrift. Nur der Wahlantrag des oberösterreichischen Verbandes ist statutenkonform vom Präsidenten, von der Schriftführerin und vom Finanzreferenten unterzeichnet. Dieser Wahlantrag schlug Gernot Mittendorfer vor.

Neuwahl?

Ein Schiedsgericht muss jetzt entscheiden, ob bei der Wahl nur die Liste Mittendorfer wahlberechtigt war, oder die Wahl zu wiederholen ist.

Auch da gibt es Konflikte. Denn das vermeintlich neue Präsidium will sein eigenes Schiedsgericht am 30. Juli im Holiday Inn in Villach tagen lassen. Das Gremium des alten Präsidiums tagt am 14. August. In diesem ist Rechtsanwalt Klaus Ainedter der Vorsitzende. Der Jurist sieht die Lage gelassen: „Unabhängig von der Zuständigkeit des ’alten’ oder des ’neuen’ Schiedsgerichts ist die Entscheidung über die Wahlanfechtungen aufgrund der offensichtlichen Formfehler vorhersehbar, weshalb auch das neue Schiedsgericht, dessen Mitglieder Tomanek und Klump mir über viele Jahre bestens bekannt sind und die ich selbstredend sehr schätze, zu derselben Beurteilung kommen muss, wie im Übrigen jeder andere auch, der in Kenntnis des Inhalts der Wahlanfechtungen ist, ohne jedoch der Entscheidung des Schiedsgerichts vorgreifen zu wollen. Ungeachtet dessen halte ich trotz eines anderslautenden Schreibens des neuen Präsidiums die Zuständigkeit des „alten“ Schiedsgerichts für gegeben, da es wohl im Sinne einer objektiven Entscheidungsfindung, unabhängig einer allfälligen Berücksichtigung eigener Interessen, nicht sein kann, dass Mitglieder eines Schiedsgerichts über die Gültigkeit eines Wahlvorschlags entscheiden, bei der sie sich im Falle der Feststellung der Nichtigkeit bzw Ungültigkeit selbst wieder ihres Amtes entheben werden würden. Außerdem anerkennen die die Wahlvorschläge anfechtenden Vereine und Verbände ausdrücklich das neue Schiedsgericht nicht an."

Dass trotz dieser Unsicherheiten das neue Präsidium den langjährigen Geschäftsführer Christian Hartl entlassen hat, rundet das Bild ab. Ob allen Präsidiumsmitgliedern bewusst ist, dass sie mit ihrem Privatvermögen haftbar sind, ist unwahrscheinlich. Sonst hätten sie nicht eine solche Kündigung, die Schadenersatzansprüche nach sich ziehen wird, ausgesprochen.

Fortsetzung der Geschichte

Übrigens war der Eishockeyverband bis Donnerstag, 14 Uhr, laut Vereinsregister ohne Führung. Zwar wurde vom neuen Präsidium bei der Vereinsbehörde die Anzeige für den Eintrag gestellt, doch es fehlte etwas. Richtig, die Unterschrift. Ein vollständiger Antrag wurde am Nachmittag nachgereicht.