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17.01.2018

Causa Sailer: Nicht viel Neues in einem alten Fall

Anschuldigungen aus dem Jahr 1974 gegen den ehemaligen österreichischen Skistar wurden wieder aufgerollt.

Es war 1974 ein Skandal, über den damals natürlich auch der KURIER berichtete, über den aber längst der Schleier des Vergessens gefallen ist: Gegen den damaligen ÖSV-Alpinchef Toni Sailer war Anfang März in Zakopane von einer Polin Anzeige wegen einer "Gewalttätigkeit" erstattet worden.

Der Ex-Skistar war danach vorübergehend festgenommen, ihm außerdem der Pass abgenommen worden. Dieser wurde erst zurückgegeben, nachdem von der österreichischen Botschaft in Warschau 5000 Dollar als Kaution hinterlegt wurden.

Kein Verfahren

Die polnische und österreichische Staatsanwaltschaften ermittelten. Zu einem Gerichtsverfahren kam es aber nicht, obwohl es laut medizinischer Gutachten, die ebenfalls schon 1975 öffentlich bekannt waren, eindeutige Anzeichen für Gewalttätigkeiten gegeben hatte. "Das Verfahren gegen Sailer wurde wegen Fehlens eines strafbaren Tatbestandes eingestellt", erklärte der damalige ÖSV-Präsident Kurt Schlick dem KURIER.

Was aber vor fast 44 Jahren im Hintergrund in der Causa alles ablief, war jetzt Gegenstand einer Recherche von Standard, Dossier und Ö1, deren Ergebnisse nun veröffentlicht wurden. Die Bundesregierung hatte laut eines Akt des Justizministerium interveniert, um, wie der Standard schreibt, "den Volkshelden vor den Folgen einer im Akt beschriebenen Gewalttätigkeit zu bewahren".

Bekannte Einmischung

Wirklich neu ist diese Erkenntnis aber nicht. Schon 1975 rollte das deutsche Magazin Stern die Causa Sailer erneut auf. Der KURIER berichtete daraufhin noch einmal darüber. Martin Maier schrieb am 9. März 1975 in seiner Kolumne "Tagebuch": "Selbst Bundeskanzler Kreisky hat sich der Sache annehmen müssen". Der Stern wusste sogar, wo die Akten waren. Es wurde geschrieben, dass diese "... in einer gelben Bene-Mappe mit der Aufschrift ’Causa Toni Sailer’ am Ballhausplatz liegen".

Sailer, der 2009 verstorben ist, betonte damals im KURIER: "Ich bin schuldlos."