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Sport Wintersport
09/19/2021

Biathlon-Weltmeisterin Hauser: "Habe das große Lebensziel erreicht"

Die Tirolerin schrieb letzten Winter Sportgeschichte. Was sie antreibt, warum sie schon ein alter Hase ist und weshalb immer seltener Tränen fließen.

von Christoph Geiler

Am Freitag fand Lisa Theresa Hauser Aufnahme in einen elitären Männerbund. Als erste Frau überhaupt erhielt die 27-Jährige eine Gondel bei der Hahnenkammbahn. Diese Ehre wird normalerweise nur den Siegern der berühmten Hahnenkammrennen und Goldmedaillengewinnern des Kitzbüheler Skiclubs (K.S.C) zuteil.

Dank ihres WM-Titels im Massenstartbewerb, der ersten Goldmedaille einer österreichischen Biathletin überhaupt, fährt nun auch eine Gondel von K.S.C.-Mitglied Hauser zum Start der Streif. „Cool. Das haben sie extra für mich gemacht.“

KURIER: Wie sehr hat sich Ihr Leben als Weltmeisterin denn verändert?

Lisa Hauser: Dieser Sommer war anders als die vergangenen Jahre. Nicht wegen Corona, sondern weil ich einfach mehr zu tun hatte. Es gab immer wieder Termine und Auftritte. Manchmal musste ich auch Nein sagen, weil’s mir sonst zu viel geworden wäre. Grundsätzlich empfinde ich es aber als Riesenehre, dass ich so gefragt bin.

Wann hatten Sie Zeit, Ihre erfolgreiche Saison in Ruhe Revue passieren zu lassen?

Es war brutal, weil sich so viel getan hat. Und ich hatte das Gefühl, dass jede Woche wieder etwas dazu gekommen ist: Das erste Podium, der erste Weltcupsieg, die erste WM-Medaille, dann noch der Titel – es ist im letzten Winter Schlag auf Schlag gegangen. Wissen Sie, wann ich Zeit hatte, das erste Mal über meine Goldmedaille in Ruhe nachzudenken?

Wann und wo denn?

Bei der Heimreise. Nach dem Rennen ist dafür ja keine Zeit. Man muss zur Siegerehrung, man wird von Interview zu Interview gereicht, muss ständig von Deutsch auf Englisch wechseln. Ich bin dann allein mit dem Auto von Pokljuka heimgefahren und das war wirklich fein und angenehm. Nach all dem Trubel hatte ich endlich Zeit für mich allein. Während der Fahrt bin ich richtig in Gedanken versunken. Nach der Saison habe ich mir dann in aller Ruhe noch einmal die wichtigsten Rennen angeschaut.

Wie geht’s Ihnen dabei, sich selbst beim Gewinnen zuzusehen?

Ich werde da schon richtig emotional, da steigt der Puls daheim auf der Couch.

Manche Sportler fallen nach so großen Erfolgen in ein kleines Loch. Wie ist’s Ihnen ergangen?

Es stimmt schon: Das große Ziel, das ich all die Jahre verfolgt habe, ist jetzt weg. Aber das heißt ja nicht, dass ich nicht neue Ziele habe. Im Training musste ich oft daran denken, was ich im letzten Winter alles erreicht habe. Wie cool das doch ist. Das war für mich fast eine zusätzliche Motivation. Ich musste mich nicht aufraffen, um den inneren Schweinehund zu überwinden.

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Ist es ein Vorteil, dass Sie bereits so viele Erfolge eingefahren haben, oder steigt dadurch der Druck?

Klar wird es in diesem Winter, wenn ich am Start bin, heißen: Das ist die Hauser Lisa, die Weltmeisterin im Massenstart. Mir ist bewusst, dass ich oft so angekündigt werde. Aber irgendwie macht es das Ganze auch einfacher. Ich kann sagen, ich habe das große Lebensziel erreicht und kann alles, was noch kommt, genießen. Wenn ich zum Beispiel einmal ein schlechtes Rennen haben sollte – mein Gott, ist halt passiert. Ich habe es bewiesen, dass ich es kann. Ich habe das Gefühl, dass ich es lockerer angehen kann.

Wie präsent ist Olympia?

Die Winterspiele sind noch relativ weit weg. Ich habe mich wegen Peking auch nicht anders vorbereitet, sondern versucht, so zu trainieren wie im letzten Sommer. Ich freue mich auf alle Rennen, Olympia hat bei mir nicht die oberste Priorität.

Ist es denn ein Problem, dass Sie und Ihre Kollegen Neuland betreten und die Loipen und den Schießstand nicht kennen?

Das ist eigentlich egal, weil es für alle gleich ist. Man muss auch dort fit und gut drauf sein, und dann spielt es keine Rolle, wie die Loipe ist. Wenn du nicht in Form bist, dann wird’s so oder so überall ein Krampf.

Aus Ihnen spricht die Gelassenheit einer routinierten Biathletin.

Ich werde inzwischen manchmal schon als alter Hase bezeichnet, weil ich seit 2013 dabei bin. Ich selbst fühle mich nicht so. In Wahrheit kommt man mit 26, 27 erst ins beste Biathlon-Alter.

Gehen Sie heute anders in einen Wettkampf als noch vor einigen Jahren?

Ganz bestimmt. Ich grüble heute nach einem schlechten Rennen zwar auch noch einige Zeit herum, aber ich kann es viel leichter verkraften. Früher sind schon noch öfter Tränen geflossen.

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