In der Weltspitze angekommen: Lisa Hauser

© APA/AFP/TOBIAS SCHWARZ

Sport
02/16/2021

Biathletin Lisa Hauser, seltsame Wege und schöne Erfolge

Die Tirolerin spricht vor ihrem vierten WM-Einsatz über ihren Höhenflug im Jahr 2021 und die Ursachen für diese Serie

von Christoph Geiler

Die aktuell erfolgreichste Sportlerin des berühmten Kitzbühler Ski Clubs ist ... eine Biathletin. Lisa Hauser feiert in diesem Winter ein Schützenfest nach dem anderen: Der Tirolerin gelang nicht nur ihr erster Weltcupsieg, bei der WM in Pokljuka gewann sie Silber in der Mixed-Staffel und am Sonntag in der Verfolgung. „Dabei wollte ich in diesem Winter eigentlich nur endlich einmal auf das Podest laufen“, sagt die 27-Jährige vor dem heutigen WM-Einzelrennen über 15 Kilometer (12.05 Uhr). „Und jetzt gelingt mir das auf einmal so oft. Alles, was jetzt noch kommt, ist nur mehr eine Draufgabe.“

KURIER: Sind Sie gerade im berühmten Flow?
Lisa Hauser:
Ich weiß nur, dass ich mit einem ganz anderen Gefühl am Start stehe. Mit einem ganz anderen Selbstvertrauen und viel mehr Sicherheit. Wenn man weiß, dass man all seine Saisonziele nicht nur erreicht, sondern in Wahrheit voll übertroffen hat, geht man viel lockerer ins Rennen. Trotzdem darf man das nicht als Selbstläufer sehen. Im Biathlon hat’s schon Leute gegeben, die an einem Tag gewonnen haben und am nächsten Tag nicht mehr in den Top 60 waren.

Aber gerade das erscheint bei Ihnen unmöglich. Sie sind in diesem Winter die Konstanz in Person.
Genau das macht mich auch so glücklich. Dass es eben nicht eine Eintagsfliege war. Natürlich war das schönste Gefühl der Sieg in Antholz, aber mir persönlich ist es fast noch mehr wert, dass ich so oft auf das Podium gelaufen bin.

Ihre Trainer haben gemeint, mit Ihrem ersten Podestplatz habe es bei Ihnen klick gemacht.
Ich würde jetzt gar nicht unbedingt sagen, dass es da klick gemacht hat. Konstant war ich in den letzten Jahren schon, halt zwischen Platz 10 und 20. Jetzt hat sich das halt nach vorne geschoben. Ich weiß jetzt: Wenn es beim Schießen läuft und ich einen guten Tag in der Loipe habe, dann kann es passen. Das tut gut.

In der Vergangenheit haben Sie in der Loipe oft viel Zeit verloren. Wie groß war der Druck, zu wissen, dass Sie am Schießstand fehlerfrei bleiben müssen, um ein Top-Ergebnis zu erreichen?
Ganz ehrlich: Ich glaube, dass mir der Druck sogar geholfen hat.

Inwiefern?
Mich hat dieser Druck im Kopf stärker gemacht. Ich habe in den ersten Jahren im Weltcup gewusst: Ich muss beim Schießen zwei Mal die Null haben, damit ich unter die Top 20 komme. Ich denke, das hat mir einiges gebracht, davon profitiere ich heute noch. Ich habe gelernt, dieses Können abzurufen, wenn’s wichtig ist. Und was wirklich angenehmer ist als früher: In der Loipe geht’s im Moment so gut, dass ich für ein Top-Ergebnis nicht unbedingt fehlerfrei sein muss.

Sind die beiden neuen Trainer aus Deutschland verantwortlich für Ihre Fortschritte im Langlauf?
Ich hatte in den vergangenen vier Jahren vier verschiedene Trainer. Das war nicht so einfach, es ist mir schwer gefallen, mich immer wieder auf neue Sachen einzulassen. Und wenn es so viele Wechsel gibt, dann weiß man schlussendlich auch nicht, welche Auswirkungen welches Training hatte. Ich bin aber eine, die mit sehr vielen Trainern und Athleten spricht, ich habe versucht, viel aufzusaugen und mir viele Meinungen einzuholen. Es läuft so gut, da muss man nicht herumdoktern.

Sie gehen Ihren eigenen Weg?
Das kann man so sagen. Ich habe schon immer sehr auf mein Körpergefühl gehorcht und im Training nicht immer alles mitgemacht. Ich glaube, das alles ist der Mix, der mich besser gemacht hat. Und ich werde das auch so beibehalten. Zu mir hat ein guter Freund einmal gesagt: Wenn’s einmal passt, dann soll man nicht so viele Rädchen wieder verstellen.

Auffällig ist, dass sich in Ihrem Sog das ganze Damen-Team stark präsentiert.
Unser Team ist definitiv im Aufschwung. Es waren Jahre dabei, in denen ich praktisch alleine dagestanden bin. So ist es viel schöner, weil auch viel mehr Freude in der Mannschaft ist. Und ich glaube, dass die Entwicklung noch nicht zu Ende ist.

Sie haben 2019 traurige Berühmtheit erlangt, als Sie bei der WM auf dem Weg zu einer Medaille auf die falschen Scheiben gezielt haben. Was hat dieses Malheur mit Ihnen gemacht?
Ich habe aufgehört, mich darüber zu ärgern. Das belastet mich auch nicht mehr. Ich denk’ mir heute nur manchmal: Vielleicht musste ich diesen Weg gehen. Vielleicht habe ich spüren müssen, dass der Sport manchmal auch richtig wehtun kann. In Wahrheit kann man darüber ja lachen. Und es kommt gar nicht einmal so selten vor. Aber es kriegen nicht alle mit, weil es nicht immer einem passiert, der gerade in einer guten Position ist. Von dem her hätte ich es gescheiter bei einem anderen Rennen machen sollen, da hätte es nicht so viel Aufmerksamkeit gegeben.

Sie haben das Missgeschick dann Monate später beim Heimweltcup in Hochfilzen wiederholt.
Das war auch nicht viel besser, weil in Hochfilzen alle Freunde dabei waren. Dort habe ich es aber schon besser gemacht und nur mehr auf drei falsche Scheiben geschossen. Natürlich werde ich heute noch aufgezogen. Dann heißt es: ,Weißt du eh, auf welche Scheiben du schießen musst?‘

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