Der Österreicher Simon Eder ist der schnellste Schütze unter den Biathleten und immer auf der Jagd nach Volltreffern.

© APA/SERGEI CHIRIKOV

Biathlon
12/08/2013

Mit 30 ist Simon Eder gesünder denn je

Auf dem Treffpunkt der Karriere: Der Meisterschütze nimmt Olympia ins Visier.

von Christoph Geiler

Was muss das nur für ein Leben gewesen sein, was für eine Tortur? All die Jahre, in denen Simon Eder von den Viren und Bazillen dieser Welt nur so unter Beschuss genommen worden war. „Irgendwas habe ich fast immer ausgebrütet“, erinnert sich der Biathlet, der 30 Jahre alt werden musste, um endlich auf seine Krankengeschichte husten können zu dürfen. „So kenn’ ich das ja gar nicht. Jetzt bin ich zum ersten Mal in meinem Leben richtig gesund.“

Das neue Lebensgefühl schlägt sich auch schon in den Resultaten nieder. Beim Saisonauftakt in Östersund brillierte Eder nicht nur wie gehabt als Meisterschütze, der Saalfeldner hinterließ bei seinem zweiten Platz über 20 Kilometer auch in der Loipe seine Spuren. „Ich kann jetzt mehr trainieren, ich verkrafte die Rennen besser und stehe beim Schießen auch nicht mehr so unter Druck wie früher, weil auch im Langlauf etwas vorwärts geht. So kann ich den Sport jetzt richtig genießen“, sagt er.

Image-Problem

Viele hatten in Eder lange nur das Treff-Ass gesehen und ihn auf seinen gekonnten Umgang mit der Waffe reduziert. So sehr das Lob Eder auch schmeichelte, das wie Trommelfeuer von allen Seiten auf ihn einprasselte, der Schuss ging mitunter nach hinten los. „Am Anfang habe ich noch oft geglaubt, dass ich am Schießstand meinem Image unbedingt gerecht werden muss“, erinnert sich Eder. Immer schneller wollte er ans Ziel kommen – mit 16,4 Sekunden von der Ankunft am Stand bis zum Weglaufen hält Eder den Weltrekord im Stehend-Anschlag – immer öfter verlor er am Schießstand auf der Jagd nach Superlativen das Wesentliche aus den Augen und schoss übers Ziel hinaus.

Heute weiß er: Gut Ding braucht nicht immer Eile. „Schnell schießen funktioniert einfach nicht bei jeder Witterung“, erklärt Eder, „du musst intuitiv reagieren und dir manchmal jeden Schuss zwei Mal überlegen.“

Vor allem, wenn es schneit und stürmt wie dieser Tage in Hochfilzen, wo heute das Verfolgungsrennen auf dem Programm steht.

Familienangelegenheit

Beim Heimweltcup steht Simon Eder wieder sein Vater Alfred Gewehr bei Fuß. Auch wenn der langjährige Cheftrainer der ÖSV-Biathleten mittlerweile beim Skiverband kein offizielles Amt mehr bekleidet, ist er für Eder der wichtigste Ratgeber, Mentor und Coach geblieben. Anfänglich war dieses enge Vater-Sohn-Verhältnis von der ÖSV-Führung rund um Sportdirektor Markus Gandler und Cheftrainer Remo Krug noch argwöhnisch betrachtet worden, doch mittlerweile haben sie sich in der großen Biathlon-Familie mit dieser Situation arrangiert. „Ich brauche meinen Vater und will nicht auf seinen Rat verzichten. Aber er und Cheftrainer Remo Krug haben einen guten Dialog.“

Der Erfolg gibt dem Familienmodell jedenfalls recht. Doch geht es nach Simon Eder, dann soll der zweite Platz von Östersund erst der Startschuss für eine erfolgreiche Jagdsaison gewesen sein, in der die Biathleten vor allem die Olympischen Spiele ins Visier nehmen.

Je näher das Saison-Highlight rückt, umso mehr ziehen sich die anfälligen Ausdauersportler zurück und versuchen den Viren und Bakterien aus dem Weg zu gehen. Manche hypersensiblen Athleten meiden in dieser Zeit sogar den Kontakt mit ihren Kindern. „Vor einem Großereignis“, sagt Simon Eder, „werden wir alle gerne ein bisschen sonderbar.“

Wenn der Vater zum Coach wird

Simon Eder ist nicht der einzige Sportler in der ÖSV-Familie, dem der Vater mit Rat und Tat zur Seite steht. Der Papa als Coach – dieses Modell macht Schule.

Die Hirschers: Papa Ferdinand ist für Marcel Hirscher einer der wichtigsten Ansprechpartner vor und während der Saison. Oft holt sich der Weltcup-Gesamtsieger noch kurz vor dem Start Ratschläge von seinem Vater ein, der die Rennen von der Piste aus verfolgt. Bei den Überseerennen ist der Vater nicht dabei, er leidet unter Flugangst, hält zwischen den Durchgängen aber telefonisch Kontakt mit Marcel.

Die Stadlobers: Dass Teresa Stadlober in diesem Jahr als erste österreichische Langläuferin einen Junioren-WM-Titel bejubeln durfte, hat sie auch dem Ehrgeiz und dem Einsatz ihres Vaters zu verdanken. Alois Stadlober, selbst ein Weltmeister seines Faches, betreute seine Tochter im Alleingang, weil ihm das Training im ÖSV nicht behagte. Im Vorjahr war das Riesen-Talent deshalb aus dem ÖSV verbannt worden. Nun sind die Wogen geglättet, Papa Alois begleitet seine Tochter offiziell zu den Rennen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.