Sport | Wintersport
10.12.2017

Biathlon: Alarmstufe Rot nach Hochfilzen-Schmach

Die Überrundung der ÖSV-Staffel beim Heimweltcup offenbart die Schwächen im heimischen Biathlon.

Vielleicht hätte man den österreichischen Biathleten an diesem Sonntag besser Schrotflinten aushändigen sollen. Zur größeren Treffsicherheit. Vielleicht hätten sich die ÖSV-Herren aber auch nur ein Beispiel an ihren Kolleginnen nehmen sollen. Die ÖSV-Damen verzichteten am letzten Tag des Heimweltcups in Hochfilzen auf ein Antreten im Staffelrennen – und damit blieb zumindest ihnen die Höchststrafe erspart, die Biathleten widerfahren kann.

Normalerweise jubeln die Biathlon-Fans den Sportlern frenetisch zu, wenn sie vor der Haupttribüne vorbei laufen. Doch als der österreichische Schlussläufer Julian Eberhard vom Schießstand daher getrottet kam, als Allerletzter, allein und mit sechs Minuten Rückstand, herrschte auf den Rängen betretenes Schweigen. Streckenposten baten den Lokalmatador, der kurz zuvor vom späteren norwegischen Sieger überrundet worden war, zur Seite und zur Aufgabe. Eine größere Schmach kann es bei einem Heimweltcup nicht geben.

Völlig von der Rolle

Wie sich die Zeiten ändern. Es ist erst wenige Monate her, dass die österreichische Herren-Staffel bei der Heim-WM mit dem Gewinn der Bronzemedaille für ein Schützenfest gesorgt hatte. Gestern nun wurden die Österreicher in Hochfilzen vorzeitig aus dem Rennen genommen, nachdem aber auch schon gar nichts geklappt hatte. Das begann schon mit Startläufer Daniel Mesotitsch, der zwei Strafrunden drehte, das setzte sich fort mit Simon Eder, der vier Nachlader benötigte und in der Loipe viel Zeit verlor, und das ging weiter mit Felix Leitner (2 Strafrunden). "Die Verhältnisse waren am Limit, das war eine Lotterie", meinte Routinier Simon Eder.

Großer Aufholbedarf

Es wäre freilich viel zu billig, die Schuld am desolaten Abschneiden der österreichischen Biathleten nur dem Wind und der Kälte in die Schuhe zu schieben. Tatsächlich offenbarten die Österreicher beim Heimweltcup eklatante Schwächen – am Schießstand, vor allem aber in der Loipe. So kamen etwa die Schweizer, die sogar fünf Strafrunden hatten, als Siebente ins Ziel. Und so wurden zum Beispiel die Österreicher sogar von den Biathlon-Großmächten Belgien oder Rumänien klar distanziert. "Wir haben einfach überall zu viel Zeit verloren", bilanzierte Chefcoach Reinhard Gösweiner.

Ein Problem der Österreicher ist die dünne Personaldecke. Es fehlt schlicht an Alternativen und an weltcuptauglichen Athleten. In anderen Nationen hätte Daniel Mesotitsch die Flinte wohl längst ins Korn werfen müssen, in Österreich muss der 41-Jährige hingegen immer noch Gewehr bei Fuß stehen. Seine Empfehlung für die Staffel war unter anderem ein 103. Platz beim Saisonstart in Östersund.