Wayne Gretzky bei seinem tränenreichen Abschied

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Sport Wintersport
04/18/2020

18. April 1999 - als Eishockey seinen größten Spieler verlor

Es war ein trauriger Tag für alle Eishockeyfans. Vor 21 Jahren endete die großartige Karriere von Wayne Gretzky.

von Peter Karlik

Es ist ein übliches Ritual von Eishockey-Spielern, dass sie sich vor einer Partie ein paar Schläger herrichten – also auf die richtige Länge zurechtschneiden, die Schaufel mit einem Tape umwickeln und manche bearbeiten auch den Schaft, damit er nicht rutscht. Thomas Vanek zum Beispiel sprayte seine Schläger schwarz an, weil ihn der Aufdruck irritierte.

Am Nachmittag des 18. April 1999 brauchte Wayne Gretzky Stunden dafür. Denn er richtete 52 Schläger her. Alle paar Sekunden seiner Eiszeit wechselte er dann den Schläger, damit alle 52 gespielt waren und er sie danach an Teamkollegen und Betreuer verschenken konnte. Wieder dachte er an seine Kollegen, obwohl er selbst im Mittelpunkt stand.

Es war Gretzkys letztes Spiel an diesem Abend. Die Pittsburgh Penguins waren in den Madison Square Garden der New York Rangers gekommen, wo zum letzten Mal eine Nummer 99 in der National Hockey League zu sehen war. Diese Rückennummer darf in der gesamten Liga nicht mehr vergeben werden.

Die große Nummer

Die 99 ist zurecht die größtmögliche Nummer im Eishockey. Wer die Karriere von Wayne Gretzky in seinen 20 Jahren in der NHL betrachtet, der kann getrost sagen, er war der Größte aller Zeiten. Auch, wenn das die Zukunft einschließt. Denn einen besseren Eishockeyspieler wird es nie geben. Das ist so. Keine Diskussion. Nicht umsonst wird Gretzky auch schlicht "The Great One" gennant. 

61 Rekorde stellte er in der National Hockey League auf. 2857 Punkte scorte Gretzky in 1487 NHL-Spielen. in 14 seiner 20 NHL-Saisonen kam er über 100 Scorerpunkte, viermal sogar über 200. Die 215 von 1986 sind immer noch Bestleistung. Und mit den Edmonton Oilers gewann er viermal den Stanley Cup.

Zur Nummer 99 war er zufällig gekommen. Mit 16 Jahren wollte er bei den Sault-Sainte-Marie Greyhounds mit der Nummer 9 seines Vorbilds Gordie Howe spielen. Doch die war schon vergeben. Also nahm sich Gretzky die 99. Bei seinem ersten Spiel traf er drei Mal – an diesem Tag begann die lange Erfolgsgeschichte der Nummer 99.

Der letzte Punkt

Der Pass zum Rangers-Treffer gegen Pittsburgh war am 18. April sein 2.857 Scorerpunkt. Und sein letzter. Jaromir Jagr erzielte in der Verlängerung das 2:1 für die Gäste.  Doch das war an diesem Abend nebensächlich. Jetzt begann der tränenreiche Abschied.

Schon bei den Hymnen davor war improvisiert worden: Bei Star Spangled Banner wurde das „Land of Gretzky“ besungen, bei O Canada hieß es „We gonna miss you Wayne Gretzky“.

Papa wollte ihn umstimmen

Der damals 38-jährige Kanadier genoss diese Momente der Huldigung. Von seinen Mitspielern bekam er einen für damals riesigen Fernseher, von den Rangers erhielt er zum Abschied einen Mercedes. Diesen brachte Papa Gretzky auf das Eis. Dieser hatte ihn noch versucht umzustimmen. Wayne Gretzky erzählt: „Mein Vater hat mich zu meinem ersten Spiel gebracht. Also dachte ich, es wäre cool, wenn wir auch zu meinem letzten Spiel gemeinsam fahren würden. Auf einmal klopft er mir auf die Knie und fragte, ob ich nicht noch eine Saison anhängen will.“ Doch die Entscheidung war gefallen. „Es ging nicht um das Spiel oder das Training, das ich immer liebte. Ich wusste, dass ich nicht mehr bereit war im Sommertraining so viel zu investieren, damit ich in der nächsten Saison wieder bereit bin.“

Der schnelle Abgang

Nach dem letzten Spiel war alles anders. Gretzky war üblicherweise jener Spieler, der schon geduscht und umgezogen die Reporter in der Spielerkabine empfing. Es ging damals sogar der Scherz um, dass Gretzky wohl mit dem Anzug unter dem Dress spielte, weil er immer so schnell fertig war. Doch am 18. April 1999 war alles anders. Er zog nur die Schuhe aus und kam in voller Montur zur offiziellen Pressekonferenz. "Vielleicht wollte ich die Dress unterbewusst nicht ausziehen. Ich werde sie ja nie wieder tragen", sagte Gretzky.  

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