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Sport
06/16/2019

Teamchef Warm: "Man meinte, Österreicher können nicht Volleyball spielen"

Als der Deutsche 2010 Teamchef wurde, war Österreich im Volleyball ein Niemandsland. Im Herbst nimmt das Team nun an der EM teil.

von Christoph Geiler

Österreichs Volleyballer haben sich erstmals aus eigener Kraft für eine EM-Endrunde qualifizieren können. Teamchef Michael Warm stimmt die Nationalmannschaft gerade auf das Turnier im September ein. Als der Deutsche vor neun Jahren das Amt übernommen hatte, war Österreich noch ein Niemandsland im Volleyball. „Das war mehr oder weniger Ball über die Schnur“, erinnert sich Michael Warm im KURIER-Interview.

War die Ausgangslage wirklich so schlimm?

Es war halt einfach so, dass es fast keinen Spieler gegeben hat, der Volleyballer als Berufsbild hatte und überhaupt professionell spielen wollte. Klar, sie waren alle mit viel Liebe, viel Engagement und auch mit viel Kampf bei der Sache, aber nicht mit der entscheidenden Qualität, die im internationalen Bereich üblich ist. Das Problem ist: Mit Kampf allein kannst du im Volleyball nicht gewinnen, das funktioniert in diesem Sport einfach nicht. Wenn man das technische Rüstzeug nicht hat, dann ist man im Spitzenbereich verloren.

Österreich hat dann auch bei der Heim-EM 2010 keinen einzigen Satz gewonnen.

Stimmt. Aber es war der Startschuss unserer Entwicklung. Damals haben wir dem Nationalteam eine Idee eingepflanzt, und von dem Zeitpunkt an haben sich die ersten jungen Österreicher auf den Weg ins Ausland gemacht. Und das sind dann immer mehr geworden. Insofern ist das Bild heute ein ganz anderes: Österreich hat inzwischen Volleyballer, die in ganz Europa etabliert sind und sich einen Namen gemacht haben. Man spürt das auch sofort, wenn sie zum Nationalteam kommen.

Tatsächlich?

Die sind es gewohnt, unter Profibedingungen zu arbeiten. Man merkt, wie sie mit jeder Auslandserfahrung als Persönlichkeit wachsen und selbstbewusster werden. Das überträgt sich längst auch auf die jungen Spieler, die in diese Kultur mit lauter Profis kommen. Die lernen sofort, worauf es ankommt. Wenn man in eine Musikerfamilie hineingeboren wird, dann weiß man auch sehr schnell, um was es geht. Unsere jungen Spieler profitieren extrem und saugen diese Profimentalität auf.

Was zeichnet die österreichische Mannschaft aus?

Auf jeden Fall die Breite, die der Kader inzwischen hat. Man darf nicht vergessen: Wir haben uns für die EM qualifiziert, obwohl mit Berger und Buchegger unsere beiden besten Spieler gefehlt haben. Und unsere Gegner Portugal und Kroatien waren jetzt keine Gammeltruppen. Dieser Erfolg hat die Mentalität im Team noch einmal verändert und besser gemacht.

Inwiefern?

Weil unsere jungen Spieler dadurch die Erfahrung gemacht haben, dass sie erfolgreich sein können. Die treten selbstbewusster auf. Selbstbewusstsein entsteht ja nicht dadurch, dass ich es mir ständig einrede oder vielleicht über heiße Kohlen laufe. Es entsteht genau durch solche Erfolge. Dafür muss ich miteinander etwas gewinnen und solche Erfolgserlebnisse haben.

Wie wird denn der österreichische Volleyball heute im Ausland wahrgenommen?

Ganz anders als vor vielen Jahren. Österreich hatte ja international schon lange den Ruf, in der Organisation von Veranstaltungen sehr gute Arbeit zu leisten. Ich denke da an die EM 2010, die Beachevents oder zuletzt auch Snowvolley.  In dieser Hinsicht ist der Ruf im Ausland erstaunlicherweise sogar besser als in Österreich. Im Inland wird gesudert über vieles, dabei genießt man wirklich große Anerkennung im Ausland. Das ist sicher auch das Verdienst von Peter Kleinmann.

Und wie hat sich das Ansehen der Nationalspieler verbessert?

Vor einigen Jahren herrschte noch die gängige Meinung, dass jeder Volleyballer, der aus Tschechien oder Serbien kommt, ein Wunderspieler ist. Weil diese Länder eben als Volleyball-Nationen anerkannt waren. Umgekehrt waren viele der Meinung, dass ein Österreicher nicht Volleyball spielen kann. Dieses Bild hat sich extrem gewandelt. Man muss ja nur einmal schauen, bei welchen Vereinen unsere Spieler unter Vertrag sind, welche Rollen sie dort auch einnehmen. Und trotzdem...

...und trotzdem?

Trotzdem sind wir bei der EM im September in der Außenseiterrolle. Auch in der Wahrnehmung der anderen Mannschaften. Ich denke, das ist als Ausgangsposition auch ganz gut so. Denen werden wir’s schon zeigen.

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