Sport
04.09.2018

US-Open-Viertelfinale: Was für Thiem spricht, was für Nadal

Wie der Österreicher in der Nacht auf Mittwoch die spanische Nummer eins fordern kann.

Es gibt auch im Tennis eine Elferfrage. Zehn Mal haben Thiem und Nadal gegeneinander gespielt. 7:3 lautet die Bilanz für den spanischen Weltranglisten-Ersten, beim bislang letzten Duell sah die ganze Tennis-Welt zu, im French-Open-Finale siegte der 32-Jährige klar.

Und dennoch ist alles ganz anders. Während die beiden einander schon zehn Mal über diverse Sandplätze gejagt haben, treffen sie in der Nacht auf Mittwoch (2. Spiel nach 1.00 Uhr MESZ/live ORFeins) erstmals auf einem Hartplatz aufeinander. Die Sandplatz-Könige im Viertelfinale der US Open erneut im Fokus. In einem Spiel, das aus österreichischer und spanischer Sicht ein bisserl was von einem heiß ersehnten Duell hat.

Das Vorspiel

Thiem gab im Verlauf des Turniers drei, Nadal zwei Sätze ab. Der Niederösterreicher, der gestern 25 wurde, brillierte im Achtelfinale, schoss Kevin Anderson mit 7:5, 6:2, 7:6(2) vom Platz und sprach danach zurecht „von einem meiner besten Matches überhaupt“. Nadal indes brauchte gegen den aufstrebenden Georgier Nikolozs Basilaschwili vier Sätze und weiß: „Wenn ich gegen Thiem eine Chance haben will, muss ich mein bestes Match spielen.“ Das sieht auch Eurosport-Kommentator Alex Antonitsch so. „Nadal hatte in den zwei jüngsten Partien immer wieder Hänger.“ Ein Punkt für Thiem.

1:0 für Thiem

Die Jahresbilanz

Thiem wusste vor zwei Wochen nach einer Viruserkrankung gar nicht, ob er spielen kann, der Sommer war bislang sehr durchwachsen. Dank einer famosen Sandplatz-Saison hat Thiem eine Jahresbilanz von 42:14-Siegen. Nichts gegen jene von Nadal, der bei 44 Siegen, jedoch nur bei drei Niederlagen hält. Bei den Australian Open musste er im Viertelfinale gegen den Kroaten Marin Cilic aufgeben, in Wimbledon unterlag er im Semifinale im vielleicht besten Tennismatch heuer Novak Djokovic. Auch, wenn der dritte Herr im Bunde Dominic Thiem war (im Viertelfinale von Madrid), geht dieser Punkt an klar Nadal. 1:1

Der Schauplatz

Nadal weiß, wie man in New York gewinnt, er tat es 2010, 2013 und im Vorjahr. Für Thiem ist es hingegen das erste Viertelfinale auf einem anderen Court als bei den French Open. Hier spricht die Erfahrung für den Spanier.

2:1 Nadal

Der Belag

Nadal hat zwar schon vier Grand-Slam-Turniere auf Hartplatz gewonnen (obendrein einmal die Australian Open), aber, wie Antonitsch sagt: „Den Nimbus der Unschlagbarkeit wie bei den French Open hat er hier keineswegs.“ Thiem sagt ebenso: „Auf Sand ist es eine der größten Herausforderungen im Sport überhaupt, gegen ihn anzutreten. Ich hoffe, dass es auf Hartplatz ein bisschen angenehmer ist“, sagt Thiem. Vorteile: Auf Hartplatz kommt sein Aufschlag noch besser (gegen Anderson machte er 91 Prozent der Punkte mit dem ersten Service), andererseits fühlt er sich auf Sand wohler (acht von zehn Turniersiegen auf diesem Belag). „Sein enormer Drall beziehungsweise sein enormer Spin auf der Vorhand zermürbt die Gegner auf Sand“, sagt Antonitsch. Punkt für beide.

3:2 Nadal

Das Spiel

„Wichtig wird sein, wie Dominic mit seiner Rückhand dagegen halten kann. Denn auf diese wird Nadal vorzugsweise spielen“, erwartet Antonitsch. Eurosport-Kollege Boris Becker formuliert: „Thiem muss mehr Risiko eingehen und näher an der Grundlinie spielen.“ Das weiß auch der Angesprochene. „Der Schlüssel ist, wirklich schnell und mit Power zu spielen. Ich werde sicher nicht so lasch auftreten, wie manche Male gegen ihn.“ Gelingt es dabei, die Fehlerquote gering zu halten, hat Thiem gute Chancen. Dennoch – Punkt für beide. 4:3 Nadal

Die Fitness

Thiem war vor zwei Wochen noch krank, ist aufgrund seiner guten Grund-Kondition wieder bestens beisammen. Nadal ist ohnehin einer der fittesten Spieler. „Er verneint es zwar immer wieder“, sagt Antonitsch. „Aber auch er hat seine Wehwechen.“ Im Drittrundenspiel gegen den Russen Karen Chatschanow musste er sich am Knie behandeln lassen. Punkt für beide.

4:3 Nadal

Wolfgang Thiem: Er hatte heuer keine gute Saison

Wolfgang Thiem war in Paris dabei, als sein Sohn Dominic ins Finale stürmte. Nach New York wird er nicht nachreisen, die Tätigkeit in der Bresnik-Akademie in der Südstadt erlaubt nur wenig Ruhezeit. „Irgendwer muss ja arbeiten“, scherzt er. Für den KURIER nahm er sich dennoch ein bisserl Zeit.

KURIER: Ihr Sohn Dominic plagte sich vor den US Open noch mit einem Virus, sein Antreten war sogar offen. Haben Sie mit diesen Resultaten gerechnet?

Wolfgang Thiem: Er hat eine Woche davor signalisiert, dass er im Training nichts mehr spürt und er unbedingt spielen will. Und er ist keiner, der sich wochenlang einspielen muss. Dazu kamen die zwei Partien gegen Johnson und Fritz, wo er so richtig ins Turnier gekommen ist. 

Welche Chancen hat er gegen Nadal?

Wenn Dominic gegen ihn auf Sand spielt, ist sofort der große Respekt  da, der fällt nun weg. Wenn Du auf Sand, wie in Paris, gegen ihn den ersten Satz verlierst, schaut es ganz schlecht aus. Das ist hier anders, auch, wenn Dominic selbst seine Sandplatz-Stärken nicht so ausspielen kann. Aber gegen Anderson machte er 91 Prozent der Punkte beim ersten Aufschlag. Das hilft ihm hier, auch, wenn Nadal ein besserer Returnspieler als Anderson ist. Der wird auch hier Rallyes gehen. 

In den Wochen zuvor hat es nicht so geklappt.

Er hat heuer eigentlich keine  gute Saison gehabt. Vor allem bei den ATP-1000-Turnieren hat er nur in Madrid voll gepunktet. Er muss das Jahr besser planen, hätte beispielsweise nach den French Open eine längere Pause machen müssen. Wenn Du in den Top Ten spielst, bist du verpflichtet, bei großen Turnieren zu punkten. 

Im Vorjahr unterlag er hier Del Potro. Das ist nun endgültig vergessen, oder?

Mit dem Viertelfinaleinzug ist dies endgültig Vergangenheit. Aber er hat damals die Wochen danach sehr daran gekiefelt.  

Nach den US Open spielt ihr Sohn Daviscup. Was sagen Sie zur Reform 2019 mit dem Finalturnier Ende November?

Die Reform war notwendig und sie ist gut. Nur der Termin gehört unmittelbar nach den US Open angesetzt.