Sport
03.09.2018

Thiem über Nadal: "Drei Mal war es nett, sieben Mal furchtbar"

An seiner Leistung gegen Anderson im Achtelfinale hat der Österreicher allerdings wenig auszusetzen.

Dominic Thiem ist nach seinem ersten Viertelfinaleinzug bei den US Open nicht nur über die Tatsache an sich, sondern vor allem über seine Leistung glücklich gewesen. Der Niederösterreicher, der sich damit einen Geburtstag im Bewerb des letzten Grand-Slam-Turniers des Jahres sicherte, hatte wenig an seinem Spiel auszusetzen. Am Dienstag trifft er nun auf Titelverteidiger Rafael Nadal.

Der Weltranglisten-Erste setzte sich nach 3:19 Stunden gegen den Georgier Nikolos Basilaschwili mit 6:3,6:3,6:7(6),6:4 durch und trifft damit zum elften Mal auf Thiem (Bilanz: 7:3 für den Spanier).

Thiem war abseits der French Open schon mehrmals in fünf knappen Sätzen im Achtelfinale von Wimbledon 2017 (Tomas Berdych), bei den US Open 2017 (Juan Martin Del Potro) und im vergangenen Jänner bei den Australian Open (Tennys Sandgren) gescheitert. Nun hat er diese Hürde auch erstmals auf einem anderen Belag als Sand genommen.

"Das ist schon eine Erleichterung, aber an das habe ich noch nicht so gedacht. Ich habe mich riesig gefreut über meine Leistung", meinte Thiem. "Das war sicher eines meiner besten Matches bis jetzt, weil ich eben extrem wenig unerzwungene Fehler gemacht habe und das ganze Match über fokussiert war." Hätte er dies auch bei anderen Grand Slams außer den French Open schon gemacht, dann "wäre das wahrscheinlich nicht mein erstes Viertel".

Keinen Breakball zugelassen

Bemerkenswert neben einigen anderen Faktoren war die ausgezeichnete Bilanz Winner gegenüber unerzwungenen Fehlern: 42:13. Eine derart gute Ausbeute hat man bei Thiem noch selten gesehen. Zudem ist er auch mit dem Aufschlag sehr zufrieden gewesen. "Ich habe zwar nur knapp unter 50 Prozent erste gehabt, aber dafür mit fast jedem den Punkt gemacht und keinen Breakball gegen mich gehabt", analysierte der French-Open-Finalist. Dadurch sei er bei eigenem Service wenig unter Druck gestanden.

"Das habe ich gut ausgenutzt für die Returnspiele. Ich habe die Position gewechselt und einiges ausprobiert. Das war der Schlüssel, dass ich ihn dann doch dreimal gebreakt habe." Thiem stand ähnlich wie auf Sand beim Aufschlag Andersons extrem weit hinten, der große Platz habe ihm dies erlaubt und darum hat er sich ähnlich wie beim Sieg über Anderson in Madrid verhalten. "Kohli hat es gestern genauso gemacht, da habe ich mir ein bisserl was abgeschaut", bezog sich Thiem auf den Sieg Philipp Kohlschreibers über Alexander Zverev. "Der Platz ist extrem groß und nicht der schnellste hier, deshalb hat das funktioniert."

Lob vom Gegner

Thiem wird damit auch seinen 25. Geburtstag in New York verbringen, und sich am Montag in aller Ruhe auf sein Duell mit Nadal vorbereiten. "Ich habe die letzten Jahre den Geburtstag in New York verbracht. Hätte ich verloren, wäre ich an meinem Geburtstag im Flugzeug gesessen. Das habe ich nicht zulassen dürfen", meinte Thiem lächelnd.

Kevin Anderson war voll des Lobes für Thiem. "Er hat es sehr schwer für mich gemacht und hat großartig verteidigt. Er hat unglaubliche Passierbälle gespielt", sagte der Südafrikaner. Zusätzlich habe er keine Breakbälle gehabt. "Hut ab, er hat sich wirklich gesteigert und war definitiv der Bessere heute."

Nach ein paar Stunden des Genießens des Sieges legt Thiem seinen Fokus ganz auf den nächsten Gegner. "Wir haben jetzt schon zehn Mal gegeneinander gespielt, aber es war immer auf Sand. Es wird das erste Mal auf Hartplatz, eine völlig neue Erfahrung", sagte der Lichtenwörther.

Entertainer Thiem

Zu seinen Erfahrungen mit Nadal sorgte Thiem im internationalen Teil seiner Pressekonferenz für Lacher. "Drei Mal war es eine sehr nette Erfahrung, sieben Mal war es furchtbar", meinte er lächelnd.

Eines versprach Thiem schon vor seinem insgesamt vierten Major-Viertelfinale. "Ich werde voll auf Feuer reingehen in die Partie. Wie das Ergebnis wird, werde ich sehen. Aber ich werde sicher nicht so lasch auftreten wie manche Male gegen ihn. Ich werde so spielen, wie ich die besten Chancen habe, ihn zu schlagen." Thiem hat Lunte gerochen.

Für Rafael Nadal, der auch gegen Karen Chatschanow schon einen Satz hatte abgeben müssen, war nach seinem Sieg erleichtert und gleichzeitig vor Thiem gewarnt. "Das wird ein schweres Match. Er ist ein toller Gegner, mit einem sehr guten Aufschlag. Er hat gegen Kevin gewonnen, das heißt, dass er vieles gut macht. Ich muss mein Bestes zeigen."

Für Thiem wird es übrigens die erst zweite Partie im Arthur Ashe Stadium, dem größten Tennis-Stadion der Welt, werden. Vor zwei Jahren hatte der Österreicher im Achtelfinale gegen Juan Martin Del Potro beim Stand von 3:6,2:3 verletzt aufgeben müssen. "Ich freue mich riesig und hoffe, dass ich es diesmal beenden kann", sagte Thiem.