So wollten sich Funktionäre im Tischtennis-Verband selbst bedienen
Tisch-Manieren: Der Sport bleibt auf der Strecke.
Österreichs Tischtennisverband (ÖTTV) kommt nicht zur Ruhe. Am 21. März trat Wolfgang Gotschke als Präsident zurück, um dem Verband einen Neuanfang zu ermöglichen. Die Folgen des Falles um einen Nachwuchstrainer, der zumindest ein Distanz-Problem zu einigen jungen Spielerinnen hatte (die Staatsanwaltschaft ermittelt), haben dem Verband massiv zugesetzt.
Zwei Wochen danach kommen immer mehr Details ans Tageslicht, die zeigen, dass einige Funktionäre in der zweiten Reihe keineswegs an einem positiven Image des ÖTTV arbeiteten. Dem KURIER liegen Protokolle vor, die eine gewisse Selbstbedienungsmentalität zeigen. Der Reihe nach:
Kurz nachdem im Verbandsbüro aufgrund der finanziellen Lage zwei Mitarbeiter eingespart werden mussten, wurde win2day als Sponsor für den ÖTTV und für die Bundesliga gewonnen. 141.750 Euro sollten für den Sport für drei Jahre bis zur Saison 2023/2024 zur Verfügung stehen.
Doch manche hatten andere Pläne damit. Dem KURIER liegt ein ÖTTV-Protokoll einer Besprechung über die Bundesliga-Finanzen vom 13. Oktober 2021 vor. Neben Organisatorischem ist vor allem Punkt 2 spannend. Darin steht, dass der Bundesliga-Ausschuss in seiner „gestrigen Sitzung Honorare/Entschädigungen für seine Funktionäre beschlossen hat“.
Konkret: Gerhard Demelbauer, Werner Feuerabend, Franz Gernjak, Günther Renner (Damen- bzw. Herren-Vertreter) je 200 Euro im Monat, Hubert Dobrounig (Bereichsleiter Medien und Innovation) 600 Euro im Monat, Walter Windischbauer (Vorsitzender-Stellvertreter) 800 Euro im Monat und Hüseyin Karaagac (Vorsitzender) 1.000 Euro im Monat. Macht insgesamt 38.400 Euro im Jahr. Somit sollte beinahe der gesamte Sponsorbeitrag an Funktionäre gehen.
Nichts im Protokoll
Im Protokoll besagter Sitzung des Bundesliga-Ausschusses vom 12. Oktober 2021 wird Hubert Dobrounig zitiert: „... dass wir unmittelbar vor dem Abschluss eines Vertrages mit einem Bundesliga-Hauptsponsor stünden, der einen stattlichen 5-stelligen Betrag vorsehen würde“. Die konkret ausgemachten Funktionärshonorare fanden sich nicht im Protokoll von Walter Windischbauer.
Brisant: Walter Windischbauer (Landesverbandspräsident Salzburg) und auch Hubert Dobrounig (Präsident Kärnten) zählten zu den größten Kritikern des zurückgetretenen ÖTTV-Präsidenten Wolfgang Gotschke. Dieser hat das Ansinnen der Bundesliga-Funktionäre mit dem Verweis auf die angespannte finanzielle Lage abgewehrt.
Die Auszahlungen von 44.087,75 an die „ehrenamtlich tätigen“ Funktionäre (Karaagac € 13.186,80, Windischbauer € 9.400,95 und Tarek Al-Samhoury € 21.500) konnte auch Gotschke nicht verhindern.
Das Geheim-Konto
Bei der Präsidiumssitzung am 21. März kam auch noch ein weiterer Fall an die Öffentlichkeit, der den Glauben an das Gute im Sportfunktionär zerstören kann. Wie die Kronen Zeitung berichtete, sei bei der Sitzung bekannt geworden, dass 2025 bei der Raiffeisenbank Perg ein Konto entdeckt wurde, über das die Austrian Open in Linz zwischen 2016 und 2019 abgewickelt wurden.
Dieses Konto soll abseits aller offiziellen ÖTTV-Bilanzen existiert haben. Dahinter stand, wie es Gotschke in der Sitzung offenbarte, Hans Friedinger. Der Oberösterreicher war von 1999 bis 2013 Sportdirektor des ÖTTV und von 2013 bis 2021 Präsident, also Gotschkes Vorgänger. Trotz seiner Ehrenamtlichkeit als Funktionär habe er sich über das Konto insgesamt knapp 75.000 Euro auszahlen lassen. Friedinger rechtfertigte sich in der Kronen Zeitung damit, er habe für jedes Austrian-Open-Event 700 Arbeitsstunden investiert und die meisten Sponsorengelder akquiriert.
Man darf gespannt sein, welche Geschichten die Ehrenmänner bzw. -frauen noch geschrieben haben.
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