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Sport
11/12/2019

Thiem-Trainer Massú: "Dominic ist ein guter Mensch"

Der Chilene betreut seit März Österreichs Tennisstar. Ein Gespräch über die totale Hingabe und das große Glück.

von Philipp Albrechtsberger

Nicolás Massú liebt Tennis. Das erkennt jeder, der den 40-jährigen Chilenen auf dem Trainingsplatz beobachtet. Macht sein Schützling Dominic Thiem, der am Dienstag-Abend bei den ATP-Finals auf Djokovic trifft, kurz Pause, schlägt er dessen Bruder Moritz Asse um die Ohren. Wenig später schmeißt er seinen Schläger einem Ball hinterher, der weit ins Out segelt. Dazwischen sagt der zweifache Olympiasieger Übungen an, lobt gute Schläge, beobachtet, hört zu, lacht viel. Auch als jemand aus dem Aufwärmraum herüber schreit: "Grande Massú!" Es ist Rafael Nadal.

KURIER: Senor Massú, wie kam Tennis in Ihr Leben?

Nicolás Massú: Mein Großvater, ein leidenschaftlicher Hobbyspieler, nahm mich mit, als ich fünf Jahre alt war. Ich bin dem Sport sofort verfallen. Tennis ist seit 35 Jahren mein Leben. Der Sport hat mir alles gegeben.

Was zeichnet einen guten Tennis-Trainer aus?

Darüber könnten wir jetzt lange sprechen. Wichtig ist, ein Vorstellung zu haben, wie das Spiel aussehen soll, das du vermitteln willst. Ich selbst habe sehr gute Trainer gehabt, die mir viel beigebracht haben. Dazu kommt die Erfahrung, die ich auf der Tour sammeln konnte. Aber es nützt alles nichts, wenn du deine Vorstellungen nicht vermitteln kannst.

Gutes Stichwort: Wie ist die Zusammenarbeit mit Dominics Vater Wolfgang Thiem?

Die Beziehung ist gut, nicht nur zu ihm und zu Dominic, sondern zu seinem ganzen Umfeld. Das ist wichtig, immerhin sind wir viele Wochen im Jahr zusammen. Das viele Reisen ist für alle eine Herausforderung.

TENNIS: GENERALI OPEN IN KITZBÜHEL: MASSU

Kurz nach dem Ende Ihrer aktiven Karriere sind Sie bereits Chiles Daviscup-Kapitän geworden. Lässt Sie Tennis einfach nicht los?

Ich bin sehr dankbar, dass ich mein ganzes Leben machen konnte, was ich liebe: Tennis. Nichts hat mich je glücklicher gemacht. Nicht viele können das sagen. Ich muss kein Opfer dafür bringen. An das viele Reisen bin ich längst gewöhnt. Es wird bald elf Wochen her sein, dass ich das letzte Mal zu Hause gewesen bin.

Hilft es Ihrer Arbeit, dass Sie selbst noch gegen Federer, Nadal oder Djokovic gespielt haben?

Es ist sicher kein Nachteil, dass ich weiß, wie sich der Aufschlag von Roger oder die Rückhand von Rafa anfühlt. Die Kunst als Trainer ist es, diese Infos zu nutzen wissen. Jeder Spieler spielt anders, jede Persönlichkeit ist anders und auch jedes Match. Deswegen kann ich nur von meiner Erfahrung sprechen, wie es damals in manchen Situationen für mich gewesen ist. Man muss als Trainer sehen und verstehen, wie dein Schützling spielt und dann sein Spiel an das Match anpassen.

Hatten Sie Respekt vor der Aufgabe, einen der weltbesten Spieler zu trainieren?

Ich habe keine Sekunde gezögert, weil ich es als Chance und Herausforderung sah. Dominic ist ein Spieler mit großer Zukunft. Und ich wusste, dass er auch ein guter Mensch ist. Das ist mitentscheidend für eine Spieler-Trainer-Beziehung.

Woran arbeiten Sie mit Dominic am intensivsten: im technischen, taktischen oder mentalen Bereich?

Wir arbeiten, je nach Jahreszeit, in allen Bereichen. Anfangs haben wir viel miteinander gesprochen. Wie sieht Dominic sein Spiel, wie sehe ich es. Dann haben wir ein paar mögliche Anpassungen durchgedacht. Wie man gerade in seinem Spiel sieht, machen schon kleine Veränderungen große Unterschiede aus, vor allem auf Hartplatz. Aber wissen Sie, was für mich das Wichtigste ist?

Was denn?

Dass Dominic glücklich ist, wenn er auf dem Platz steht. Denn wenn er das ist, spielt er sein bestes Tennis. Man kann jeden Tag 20 Stunden lang trainieren, aber wenn du nicht glücklich bist, ist es so schwer, es auf dem Platz zu genießen.

Was fehlt Dominic noch, um zu den drei Besten der Welt aufzuschließen?

Das Problem ist, dass die derzeit drei Besten der Welt die Besten in der Geschichte des Tennissports sind. Dahinter ist Dominic mit seiner Konstanz schon die Nummer eins. Auf der Tour gibt es wenige so komplette Spieler wie ihn. Was ihm fehlt? Der Grand-Slam-Titel, klar! Er muss einfach hart weiterarbeiten, aber auch darauf achten, dass er entspannt und glücklich bleibt. Er ist in einem guten Alter, und er weiß, dass die nächsten paar Jahre entscheidend sind.

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