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Sport
07/22/2019

Thiem in Hamburg: Ein Auswärtsspiel fast wie daheim

Die Fans in Hamburg haben Österreichs Topmann Dominic Thiem schnell ins Herz geschlossen.

von Harald Ottawa

Die Sonne versteckte sich ein bisserl. Als hätte sie Erbarmen an diesem sommerlichen High Noon. Auch die 400 bis 500 Tennisfreunde auf Platz Nummer drei am Hamburger Rothenbaum freuten sich über die paar Wolken, konnten so ohne Sonnenbrand einen Filzkugel-Leckerbissen genießen.

Es kommt schließlich nicht so oft vor, dass sich Deutschlands und Österreichs Nummer eins gegenüberstehen. Auch, wenn es nur ein stinknormales Training war. Aber Alexander Zverev und Dominic Thiem vermittelten phasenweise hohe Spielkunst – und vor allem Freude an der Arbeit.

Der Niederösterreicher traf die Bälle sogar noch öfter ins richtige Feld. Immerhin war der Kader des Team Thiems Sonntagmittag größer als jener seines Spielpartners. Neben Trainer Nicolás Massú und Physio Alex Stober standen auch Manager Herwig Straka und Vater Wolfgang auf dem Platz herum.

Auf der anderen Seite setzte Zverev nur auf seinen gleichnamigen Vater. Ivan Lendl, zuletzt als Coach dabei, ist nicht da. Fehlt vielleicht auch in Zukunft, der 22-Jährige war wenig zufrieden mit der Legende („Wenn ich trainiere, dreht er mir eine halbe Stunde den Rücken zu und erzählt irgendwem von seiner letzten Golfrunde“). Zudem fehlt das Selbstvertrauen, das sein Erstrundengegner sicher hat. Der Chilene Nicolas Jarry holte am Sonntag in Baastad seinen ersten ATP-Titel.

Selbstverantwortung

Thiem fühlt sich pudelwohl hier, nicht nur, weil das Turnier erstmals von den Welsern Peter Michael und Sandra Reichel organisiert wird. „Es ist natürlich etwas Besonderes, wenn Österreicher das Turnier machen“, sagt der Lichtenwörther, schränkt aber ein: „Auf dem Platz können auch die Reichels nicht für mich gewinnen.“

Samstag kam er zum dritten Mal in beruflicher Mission nach Hamburg, schon am Sonntagvormittag plauderte er in einem kleinen Journalisten-Kreis im Champions Club über Beruf und Freuden. „Während des Turnieres kommt man nicht viel zum Anschauen. Aber ich war privat vor drei Jahren hier, da habe ich sehr viel gesehen. Eine tolle Stadt.“

Nicht nur deshalb haben ihn die deutschen Medienvertreter ins Herz geschlossen. „Wenn Zverev bald ausscheidet, sind Sie unser Zugpferd“, sagt ein Hamburger.

Dass er erst kürzlich mit Deutschlands Nummer eins einen harten Konkurrenten im Titelrennen bekam, betrachtet der topgesetzte Thiem mit gemischten Gefühlen. „Auf der einen Seite ist jeder Konkurrent im Kampf um den Titel weniger gut, andererseits freue ich mich, ihn zu sehen. Wir sind mehr als nur Kollegen.“ Die Sessions mit dem Hamburger auf der Play-Station sollen nicht ganz der Vergangenheit angehören. „Aber ich hoffe, er hat wie ich sein Level gesteigert. Wir sind da echte Champions“, sagt Thiem.

Lieblingsboden

Wichtiger ist ihm aber, dass er mit dem Schläger gut umgeht dieser Tage. Die Auslosung bescherte ihm am Dienstag den Uruguayer Pablo Cuevas. „Ein sehr guter Sandplatzspieler.“ Das sei er aber auch. „Ich bin auf jeden Belag topmotiviert, aber auf Sand habe ich noch mehr Selbstvertrauen. Weil man da Rückstände leichter aufholen kann. Weil nicht jede Blödheit gleich mit einem Satz- oder Matchverlust bestraft wird. Wie vor allem auf Rasen.“

TENNIS-FRA-OPEN-MEN-FINAL

Kasperltheater

Sonst hat Thiem auch ein bisserl Spaß am Rothenbaum, wo heuer die Handschrift der Reichels zu sehen ist, viel umgestaltet wurde. Auch an Side-Events spart man nicht. So war Thiem und seine Familie dabei, als sein Trainer (und Olympiasieger) Massu an der Seite der ehemaligen Paris-Siegerin Iva Majoli gegen Alexander Zverev und Ex-Topspielerin Barbara Schett einen Kasperl runterreißen durfte.

Ernst wird es früh genug. Immerhin hat Thiem mit Fabio Fognini noch einen weiteren Top-Ten-Spieler als Konkurrenten. Jener Italiener, der hin und wieder sein Konto plündern muss, weil er gelegentlich ausfällig wird. Für Turnierdirektorin Sandra Reichel ist jede Angst aber hinfällig. „Er ist ein sehr sympathischer Mensch.“

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