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Sport Tennis
09/07/2020

Von McEnroe bis Djokovic: Die größten Auszucker im Tennis

Auch die beiden Österreicher Stefan Koubek und Daniel Köllerer wurden schon wegen schlechten Benehmens disqualifiziert.

von Christoph Geiler

Nach seinem folgenschweren Ausraster meldete sich Novak Djokovic via Instagram zu Wort und bat um Entschuldigung. Der Weltranglisten-Erste hatte in seinem Achtelfinale gegen den Spanier Pablo Carreno Busta nach einem verlorenen Aufschlagspiel wütend einen Ball weggeschlagen und dabei unabsichtlich eine Linienrichterin getroffen und verletzt.

„Es tut mir extrem leid, dass ich ihr solch einen Stress bereitet habe. So unbeabsichtigt. So falsch“, ließ Djokovic verlautbaren. „Diese ganze Situation lässt mich wirklich traurig und leer zurück." Der Serbe hatte nach der Disqualifikation fluchtartig die Anlage verlassen und war auch nicht zur Pressekonferenz erschienen. Djokovic verliert sämtliche ATP-Punkte, die er bei diesen US-Open gesammelt hatte und erhält auch kein Preisgeld für das Erreichen des Achtelfinales (250.000 Euro).

Novak Djokovic ist freilich nicht der erste Tennisprofi, der wegen schlechten Benehmens disqualifiziert wurde. Auf den Centre Courts dieser Welt hat es schon einige Auszucker und Aufreger gegeben. Auch zwei Österreicher finden sich in dieser wenig schmeichelhaften Liste der disqualifizierten Spieler wieder. Ein Überblick.

John McEnroe

Es gab wohl keinen Spieler, der sich so über sich, den Schiedsrichter, den Gegner und überhaupt alles ärgern konnte, wie John McEnroe. Der US-Amerikaner war bekannt für seine Wutausbrüche und seine Schimpftiraden und wurde regelmäßig von den Unparteiischen verwarnt. Bei den Australian Open 1990 flog die ehemalige Nummer eins der Welt im Achtelfinale gegen Mikael Pernfors (SWE) sogar vorzeitig vom Platz.

McEnroe hatte damals offenbar eine Regeländerung der ATP nicht mitbekommen. Ab 1990 zog die dritte Verwarnung in einem Spiel die Disqualifikation nach sich, zuvor hatte erst die vierte Verwarnung einen Turnier-Ausschluss zur Folge gehabt. John McEnroe schien darüber nicht informiert gewesen zu sein und schimpfte nach der zweiten Verwarnung in seiner unnachahmlichen Art weiter - und flog vom Platz. Zu seinem Entsetzen und zum Ärger der Fans, die das plötzliche Ende der Partie minutenlang mit Buhrufen quittierten.

Tim Henman

Ausgerechnet der Local Hero Tim Henman sorgte 1995 für die erste Disqualifikation in Wimbledon. Der Engländer schoss in der ersten Runde im Doppelbewerb aus Frust einen Ball weg und traf ein Ballmädchen am Kopf. Die Disqualifikation war die logische Folge. Henman entschuldigte sich am nächsten Tag bei dem jungen Mädchen mit einem Blumenstrauß.

Irina Spirlea

Die Rumänin brachte es als erste Spielerin zu einer Disqualifikation. Beim Turnier in Palermo (1996) beflegelte die US-Open-Semifinalistin von 1997 den Schiedsrichter so wüst, dass sie mehrfach verwarnt wurde und schließlich den Platz verlassen musste.

Stefan Koubek

Der Österreicher ist ein Wiederholungstäter und wurde in seiner Karriere schon mehrmals disqualifiziert. Im Jahr 2000 ereilte Koubek bei den French Open das erste Mal dieses Schicksal, nachdem er mit einem Schlägerwurf einen Balljungen getroffen hatte. 2007 flog er beim Turnier in Metz vom Tennisplatz, weil er den Oberschiedsrichter beleidigt haben soll. Für Aufsehen sorgte der aktuelle Davis-Cup-Kapitän 2010 bei einem Landesliga-Match gegen Daniel Köllerer. Koubek ging dem Landsmann an die Gurgel und wurde disqualifiziert.

Daniel Köllerer

Der verhaltensoriginelle Oberösterreicher hatte zu seiner aktiven Zeit nicht von ungefähr den Spitznamen "Crazy Dani". Köllerer wurde in seiner Karriere zwei Mal wegen ungebührlichen Verhaltens gesperrt und sorgte 2010 beim Challenger-Turnier in Cordenons auch für eine kuriose Disqualifikation. Der Grund: Bei einer Toilettenpause soll er sich am Klo mit seinem Trainer unterhalten haben.  Wegen unerlaubten Coachings musste er vorzeitig abtreten.

David Nalbandian

Für den Argentinier nahm 2012 das Endspiel im Londoner Queen's Club ein unrühmliches Ende. Nalbandian hatte nach einem Fehlschlag mit dem Fuß gegen die Umrahmung des Linienrichterstuhls getreten und dabei dem Offiziellen eine blutende Wunde am Schienbein zugefügt. "Jeder macht einmal einen Fehler. Ich denke nicht, dass das Match so zu Ende gehen hätte müssen", sagte Nalbandian. 

Anastasia Rodionova

Die Australierin konnte es 2007 beim WTA-Turnier in Cincinnati nicht verkraften, dass das Publikum auf der Seite ihrer Gegnerin Angelique Kerber war. Nach einem verlorenen Punkt ließ Rodionova ihren Frust an den Fans aus und schoss einen Tennisball wutentbrannt auf die Tribüne - Disqualifikation.

Nick Kyrgios

Der Australier ist bekanntlich kein Kind von Traurigkeit und immer für einen Auszucker gut. So auch beim Masters-1000-Turnier in Rom, wo bei ihm 2019 im Match gegen den Norweger Casper Ruud die Sicherungen durchbrannten. Nachdem er schon einen Strafpunkt erhalten hatte, kickte Kyrgios eine Flasche auf den Platz, um dann auch noch einen Stuhl herumzuschmeißen. Dem Schiedsrichter blieb gar keine andere Wahl, als Kyrgios vorzeitig unter die Dusche zu schicken.

Denis Shapovalov

Der kanadische Jungstar, der bereits im Viertelfinale der US-Open steht, sorgte 2017 für einen Eklat. Im Davis-Cup-Match gegen England schoss Shapovalov mit dem Ball den Stuhlschiedsrichter ab und wurde disqualifiziert.

Darian King

Der Profi aus Barbados erlangte durch einen Schlägerwurf Aufsehen. Beim Challenger-Turnier in Charlottesville schleuderte King 2014 sein Racket gegen eine Plane und traf dabei versehentlich die Linienrichterin. Trotz seiner Entschuldigungen wurde King disqualifiziert.

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