Der Hype geht weiter: Lilli Tagger putzt nächste Topspielerin
In Hochform: Lilli Tagger
Was gibt es Besseres für Österreichs Tennis? Was gibt es Besseres, wenn es beim größten Heimturnier nicht ab dem Achtelfinale eine österreich-freie Zone gibt – wie es seit 2014 in Linz stets der Fall war.
Neben Neo-Österreicherin Anastasia Potapowa, die im Achtelfinale auf die Deutsche Tamara Korpatsch trifft, sorgt vor allem ein Youngster für Furore, dem die Fans gerade nachlaufen: Lilli Tagger.
Und die 18-Jährige tat auch in ihrem zweiten Einzel-Match beim Upper Austria Ladies in Linz nichts anderes als zu begeistern. Nach der ehemaligen Nummer zwei Paula Badosa schickte die Osttirolerin mit Liudmilla Samsonowa die Nummer 21 der Welt nach Hause: 6:2, 7:6 (11). Im zweiten Satz verspielte Tagger wie gegen Badosa eine sichere Führung, zeigte aber am Ende erneut Nerven und wehrte sogar acht Satzbälle ab. "Das war ein spezieller Sieg, es war ein verrücktes Spiel." Warum sie es immer so spannend macht? "Die Tickets müssen sich auszahlen."
Turnierdirektorin Sandra Reichel war begeistert. "Ich kann mich nicht erinnern, dass es in 35 Jahren Turniergeschichte schon einmal die Welle gegeben hat."
Mit diesem Sieg wird sie besonders belohnt: Sie stößt am Montag erstmals in die Top 100 vor und rutscht erstmals direkt in den Hauptbewerb eines Grand-Slam-Turniers. Sie muss bei den French Open Ende Mai wie auch Potapowa nicht in die Qualifikation. „Das war ein großes Ziel“, sagt Tagger, „ich bin wirklich sehr glücklich darüber.“ Sie hat die Qualifikation praktisch bei der letzten Gelegenheit geschafft – der Cut bei einem Major erfolgt sechs Wochen zuvor.
Großes Lob
Lob gibt es von allen Seiten. Barbara Schett hat seit ihrem Karriere-Ende 2005 keine Österreicherin mit einem „derartigen Potenzial“ gesehen, auch Top-Trainerin Judy Murray, Mutter von Superstar Andy, ist voll des Lobes. Die 66-jährige Schottin, die sich seit Jahren für die Gleichberechtigung der Frauen im Sport einsetzt und in Linz einen Vortrag hielt, ist begeistert von Tagger. „Nimm dir Zeit, um alle Waffen zu entwickeln, die du brauchst.“ Die Schottin gilt als eine der erfahrensten Trainerinnen im Tenniszirkus und hat Tagger schon in deren Juniorenzeit beobachtet. „Sie hat eine sehr spannende Zukunftsperspektive. Sie ist groß, stark, eine gute Athletin und hat eine großartige, einhändige Rückhand. Und sie hat einen tollen Coach in ihrer Ecke.“
Seit Ende 2023 trainiert Tagger bei der Italienerin Francesca Schiavone in Varese nahe Mailand, die wie Manager Alex Vittur auch aufpasst, dass der Rummel nicht zu groß wird. „Anstrengend ist es auf keinen Fall, aber es ist schon noch ein bisserl eigenartig“, sagt Tagger. „Ich hätte es mir nicht erwartet, dass es so schnell auf einen zukommt.“
Vielleicht schafft sie es sogar ins Finale – das gelang in der 35-jährigen Turniergeschichte noch keiner Österreicherin in Linz. Judith Wiesner (1993, 1997), die heutige Turnierbotschafterin Barbara Schett (1994) und Beate Reinstadler (1995) schafften es zumindest ins Halbfinale.
ÖTV-Duo ausgeschieden
Sinja Kraus und Julia Grabher kamen bis ins Doppel-Viertelfinale, dort war aber Endstation.
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