Es wird Zeit für die US-Männer: Der unerfüllte American Dream
Schlägt schon in nächster Zeit die große Stunde? Die US-Männer, allen voran Ben Shelton, können eine Serie beenden.
Wenn man auf die Zahlen blickt, könnte man meinen, es würde eine unschlagbare Tennis-Macht geben. Denn die USA holten seit 1877, seit es in Wimbledon das erste Major gab, 147 Grand-Slam-Titel und führen damit die Wertung klar vor Australien (100) an.
Ganz solange muss man freilich nicht zurückblättern, um den bisher letzten Titel für Amerikas Helden zu finden, aber gemäß der Schnelllebigkeit im Tennissport sind 23 Jahre auch keine kurze Zeit. 2003 war es Andy Roddick, der damals bei den US Open die Amerikaner das bisher letzte Mal jubeln ließ. Acht Monate zuvor holte Andre Agassi den Australian-Open-Titel.
Es fehlte nur wenig
Kann den US-Männern nun eben bei den Australian Open doch wieder die große Stunde schlagen? Zumindest geht es seit einigen Jahren wieder aufwärts. Für den großen Coup reichte es eben nicht, zunächst war es fast unmöglich, an Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic vorbeizukommen, nun scheinen Carlos Alcaraz und Jannik Sinner außer Reichweite zu sein.
Und eben gegen Sinner muss Ben Shelton am Mittwoch bestehen. Der 23-Jährige gehört längst zur Hautevolee im Tennis, hat er doch bei allen vier Slams zumindest schon das Achtelfinale erreicht, im Vorjahr bei den Australian Open und in New York das Halbfinale. Erst nun im Achtelfinale gab der erst 23-Jährige gegen den Norweger Casper Ruud beim 3:6-6:4-6:3-6:4-Sieg erstmals im Turnierverlauf einen Satz ab. Seine Form ist also bestechend.
Nicht nur von Shelton, dessen Vater Bryan selbst Profi war, schürt die Hoffnungen der US-Fans, dass Roddick noch heuer abgelöst werden könnte. Der eben erst 20 Jahre gewordene Learner Tien, der im Herbst die Next-Generation-Finals der besten Teenager des Jahres gewinnen konnte, ist die Überraschung des Turniers, ließ im Achtelfinale mit dem Russen Daniil Medwedew immerhin dem Melbourne-Sieger von 2021 keine Chance. Heute früh (MEZ) traf Tien auf Alexander Zverev.
Dass die US-Männer fein aufgestellt sind, zeigt aber auch die Tatsache, dass sie mit 15 Profis (Stand: 19. Jänner) das höchste Kontingent an Top 100-Leuten verfügen:
- 7. Ben Shelton
- 9. Taylor Fritz
- 20. Tommy Paul
- 29. Learner Tien
- 30. Brandon Nakashima
- 34. Frances Tiafoe
- 38. Alex Michelsen
- 48. Jenson Brooksby
- 51. Marcos Giron
- 53. Sebastian Korda
- 56. Aleksandar Kovacevic
- 63. Reilly Opelka
- 80. Ethan Quinn
- 85. Eliot Spizzirri
- 89. Emilio Nava
Vier US-Frauen im Viertelfinale
Bei den Frauen lief es ohnehin immer top. Da führen die USA ebenfalls mit 206 Grand-Slam-Titeln, im Vorjahr triumphierten Madison Keys (Australian Open) und Cory Gauff (Paris). Keys scheiterte nun in Melbourne an Landsfrau Jessica Pegula, die nun neben der 18-jährigen Iva Jovic, Amanda Anisimova und Cory Gauff als eine von vier Amerikanerinnen im Viertelfinale steht.
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