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Sport
06/10/2019

Rafael Nadal ist einfach teuflisch gut

Der Spanier macht die French Open zur One-Man-Show. Beängstigend ist seine Vorherrschaft. Am nächsten kam ihm zuletzt Thiem.

von Harald Ottawa

Ehrfurcht, Lob, Huldigung. Selbst Dominic Thiem sagt, dass sein Bezwinger im French-Open-Finale am Sonntag der beste Sandplatz-Spieler der Vergangenheit, der Gegenwart und wohl auch der Zukunft ist. „So einen wie ihn wird es wohl nicht mehr geben.“

Rafael Nadal. Der König von Paris. In Roland Garros sammelt der Spanier Siegespokale wie andere Autogramme. Seines war am Sonntag wieder einmal besonders begehrt. Weil der 33-Jährige nach dem 6:3-5:7-6:1-6:1-Finalsieg über Österreichs Nummer eins zum zwölften Mal im Sand von Roland Garros kugelte, weil kein Spieler zuvor ein einziges Turnier so oft gewinnen konnte.

Nadal ist ein Außerirdischer“, schreibt AS. Mundo Deportivo rechnet bereits: „Unendlich. Mit 18 Titeln bei den vier großen Turnieren ist Nadal so nah wie nie zuvor am Rekord von Federer (20).“ Der Schweizer ist übrigens fast fünf Jahre älter.

Maschine

Nach dem größten Sandplatz-Turnier der Welt gehören alle Jahre wieder die Schlagzeilen der „Maschine“ Nadal. Die französische Sportzeitung L’Équipe widmete Nadal drei Mal so viel Platz wie dem Fußball-Team, bei den anderen Zeitungen war es ähnlich. Der Titel „König von Paris“ ist jedes Jahr verwendbar und nie abgedroschen. 93 Spiele gewann Nadal bei den French Open, nur zwei verlor er. Einmal spielte ihm das Handgelenk einen Streich, deshalb musste er in drei Auflagen anderen Herren den Vortritt lassen (2009 siegte Federer, 2015 dessen Landsmann Wawrinka, 2016 der Serbe Djokovic).

Nadal ist in Paris on fire. Weil der Sand sowieso sein Lieblingsbelag ist, weil jener in Paris wie auch die Bälle seinen Spin gut annehmen und weil er am Centrecourt Philippe Chatrier, wo er fast immer spielt, so viel Auslauf wie sonst nirgendwo hat. Zudem hat er hier bei seinem ersten Antreten im Südwesten von Paris 2005 seinen ersten Grand-Slam-Titel geholt. Daneben kann er stundenlang auf höchstem Niveau spielen. Ex-Star Boris Becker macht der Konkurrenz wenig Hoffnung: „So lange er die Motivation, die Lust und den Spaß am Siegen hat, wird es sehr schwer für die Gegner.“

In der Poleposition als Herausforderer steht Dominic Thiem. Und das schon zumindest seit einem Jahr. Mit 25 Jahren hat er noch ein Stück mehr Karriere-Zukunft als Nadal vor sich. Thiem ist der einzige Aktive unter 30, der einen Satz in einem Grand-Slam-Finale gewonnen hat. Die Major-Sieger, die noch spielen, sind über 30, Milos Raonic und Kei Nishikori waren Finalisten, blieben aber ohne Satzgewinn. Bedenklich wirkt die Vorherrschaft von Nadal-Djokovic-Federer.

Herausforderer

Thiem weist zwar von sich, dass die French Open sein absolutes Hauptziel sind („Ich will bei allen Grand-Slam-Turnieren und großen Bewerben generell Titel holen“). Aber was Paris betrifft, gilt für ihn dasselbe wie für Nadal: Die Bedingungen liegen ihm genauso. „Ich will mich nicht auf die Zeit verlassen, ich will in Paris den Titel, egal, ob ich Nadal oder jemand anderen schlagen muss.“

Ein Ritterschlag kommt von Thomas Muster, dem Paris-Sieger von 1995 und Zuschauer beim Finale: „Thiem kann die Nummer 1 werden. Er ist in seinem Alter viel besser, als ich es damals war.“ Der Steirer war beim Triumph 27.