Sport
09.05.2018

Lang lebe König Rafa, doch Prinz Dominic wartet schon

Nadal ist Favorit und Liebling in Madrid. Thiem, 2017 im Finale, lauert auf seine Chance.

Es war so, als hätte sich Justin Bieber unters Volk gemischt. Oder viel eher die Rolling Stones. Das Gekreische kam nicht nur von völlig ausgeflippten Teenies, sondern auch von etwas gesetzteren Semestern. Immerhin ist Rafael Nadal, dem die Jubelstürmen am Rande des ATP-1000-Turniers in Madrid gehörten, auch kein Bub mehr. Wer zehn Mal die French Open gewinnt, muss schon lange dabei sein.

Der Spanier, der am 3. Juni 32 wird, zieht freilich bei seinem größten Heimturnier die Massen an. Turnierdirektor Alberto Berasategui, immerhin 1994 selbst French-Open-Finalist, hat alle Hände voll zu tun. „Nadal geht gottlob nicht alle zehn Minuten ein und aus“, sagt der 44-Jährige vor dem Organisationszentrum. Es ist anzunehmen, dass er bis zum letzten Turniertag auf den Sandplatzkönig aufpassen muss. Denn da sind sich alle Anwesenden im Sportkomplex Caja Mágica einig: Nadal ist natürlich der große Turnierfavorit. Wer denn sonst?

Voll Selbstvertrauen

„Ich glaube nicht, dass Rafa besser als 2008 oder im vergangenen Jahr ist“, sagt der spanische Journalist Ignacio. „Aber ich glaube, er hat noch mehr Selbstvertrauen.“ Ignacio gibt auch den wenigen Österreichern auf der Anlage viel Anlass zur Hoffnung. „ Dominic Thiem ist der letzte Spieler, der Rafa auf Sand geschlagen hat. Er hat das Spiel für diesen Belag und wird auch heuer wieder der schärfste Herausforderer.“ Ja, und irgendwann wird ja wohl auch Nadal in Pension gehen? „Thiem hat sicher von allen die besten Karten, ihn als Sandplatz-König abzulösen.“

Besagter Thiem wurde gestern nicht von riesigen Menschenmassen erdrückt, er konnte sich vor und nach seinem Trainingsspielchen mit dem Japaner Kei Nishikori einigermaßen frei bewegen. Was freilich noch wichtiger ist: Er zeigte sich auf Platz 15 enorm spielfreudig und überzog seine Stunde um einige Minuten.

Ohne Bresnik

Mit von der Partie war zwar nicht Trainer Günter Bresnik, der erst nächste Woche in Rom dabei ist, aber Touringcoach Galo Blanco (auch ein ehemaliger spanischer Sandplatz-Spezialist), Physiotherapeut Alex Stober und Freund Lucas Leitner. Der Tag dauerte für Österreichs Ass noch länger. Beim Abendessen in einem Nobelrestaurant plauderte Thiem mit Herwig Straka, Turnierdirektor der Erste Bank Open und Veranstalter des Daviscup-Heimspiels im September gegen Australien.

Früh gegen Nadal

Und da wartet auf den 24-Jährigen viel – heute zum Beispiel der argentinische Qualifikant Federico Delbonis. Bei einem frühen Ausscheiden droht ihm ein Rückfall in der Weltrangliste, im schlimmsten Fall sogar aus den Top Ten. „Ob er Punkte verteidigen muss oder nicht, ist völlig egal“, gab ihm Trainer Bresnik mit auf den Weg. Im Vorjahr erreichte er in Madrid sein bislang einziges ATP-1000-Finale, das er damals gegen Rafael Nadal verlor. Und ausgerechnet der würde heuer wie in Monte Carlo schon im Viertelfinale warten.