Bomben im Sport? Replik eines naiven Reporters
Ukrainische Kriegsveteranen beim Fußballspielen.
„Was seid ihr Sportreporter für Naivlinge?“, fragt Leser Doktor Michael B. empört. „Ihr werft in der Fußball-Berichterstattung mit Worten wie Bomben und Granaten herum, während die halbe Welt brennt. Und ihr glaubt, dass es am wichtigsten ist, wer welches Match gewinnt.“
Das glauben die kritisierten Kritiker mehrheitlich natürlich nicht. Sie glauben aber, dass (Breiten-)Sport die Gesundheit fördert, Unterhaltungswert hat und er im Profibereich als Ablenkung von Alltagssorgen dienen kann.
Laufende Fußball-Meisterschaft in der Ukraine
Extrembeispiel ist die Ukraine. Auch im fünften Kriegsjahr wird in einer 16er-Liga um Punkte gekickt, obwohl man annehmen müsste, dass dort niemand den Kopf frei für Fußball haben kann.
In Österreich hatten am 2. April 2045, wie mir der einstige WAC-Verteidiger Otto Fodrek (2016) zig Jahre später erzählte, WAC und Austria auf dem WAC-Platz im Prater vor fast 3.000 Leut’ noch gespielt, während der Himmel am südlichen Stadtrand Wiens schon rötlich gefärbt war von sowjetischem Artilleriefeuer.
Im Frühjahr 1946 soll, ehe Rapid vor 80 Jahren erster Nachkriegsmeister wurde, schon wieder viel gestritten und auch gerauft worden sein. So groß war trotz des Kampfes ums täglich Brot auch der Hunger nach Fußball- Erfolgen.
Gegenwärtig ist der Wiener Raunzer-Tradition zum Trotz auch positives Denken angebracht. Zumal es Anlässe gibt.
Teilnehmerrekord beim Marathon
Wie gut, dass beim Marathon Teilnehmerrekorde gebrochen werden und auch so viele (vor allem Frauen) laufen wie noch nie, nachdem man vor wenigen Jahren noch beim Joggen in Wien mit hämischen Hopp-Hopp-Rufen rechnen musste.
Wie bemerkenswert, dass bis hinab in die Unterligen, in denen zwei Drittel der Spieler migrantische Wurzeln haben, die Integration laut Aussagen von Beteiligten viel besser als in No-Sport-Kreisen funktioniert.
Wie schön, dass das Fußball-Narrativ „Elf Freunde müsst ihr sein“ im ÖFB-Nationalteam offensichtlich auf alle (zuletzt 28) Kadermitglieder zutrifft.
Schön wär’s auch, würden sich Vereinsfanatiker nach dem Wiener Derby wie Promi-Daumendrücker à la Thomas Stipsits (Violett) und Alex Kristan (Grün-Weiß) auf ein unterhaltsames Häkerl der Verlierer beschränken, anstatt sich mit Schaum vorm Mund zu bekriegen. Oder ist auch das zu naiv gedacht?
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