Der 2005 verstorbene Toni Fritsch.

© KURIER/Bissuti Kristian

Sport
02/03/2020

"Tagebuch": Als ein Rapidler den Super Bowl holte

... und trotzdem in Wien selbst von ehemaligen Mitspielern nur belächelt wurde.

von Wolfgang Winheim

Der Quotenvergleich fiel deutlicher aus als der Finalsieg von Novak Djokovic über Dominic Thiem.Tennis schlug Ski, Servus TV den ORF. In Zahlen: Durchschnittlich 783.000 und im Finish sogar mehr als eine Million fieberten via Servus beim Melbourner Endspiel mit. 668.000 wurden zur gleichen Zeit geduldige ORF-Augenzeugen einer skihistorischen Pleite

(Manuel Feller als einziger ÖSV-Klassierter auf Rang 28) beim Garmischer Riesenslalom.

14 Stunden später sahen 80.000 bei Puls 4 die Super-Bowl. Und das zur Geisterstund’ und ohne Österreich-Bezug. So einen hätte es 1972 und 1975 gegeben. Nur herrschte zu dieser Zeit in Österreich (zumal es außer den ORF nur den ORF gab) bezüglich American Football Mattscheibe, obwohl der (zum Freekicker umfunktionierte) Ex-Rapidler Toni Fritsch mit den Dallas Cowboys den Super Bowl gewann und drei Jahre danach erst im Finale den Minnesota Vikings unterlag.

Schon damals war der Super Bowl in den USA d a s Mega-Ereignis und der Texas-Toni aus Petronell auch in anderen US-Bundesstaaten so populär, dass er nationswide TV-Werbung machte. Hierzulande aber hielten Toni sogar ehemalige Fußball-Mitspieler für einen Münchhausen, worunter er sehr litt. Ja, in Ermangelung von TV-Beweisen wurde mir nach meiner Rückkehr aus den USA unterstellt, Jubelgeschichten über Tonis und das unnötige Spiel mit dem Eierlaberl erfunden zu haben.

Dabei hatte ich manch Begebenheit vorsorglich ohnehin verschwiegen. 1973 durfte ich bei einem NFL-Spiel im mit 65.000 ausverkauften Texas Stadium dank Toni Intervention hinter der Spielerbank (heute undenkbar) stehen, als der sich, ehe er zu einem Field-Goal-Versuch antrat, erhob mit den Worten: „Pass auf, jetzt hau’ ich’s denen glei wieder eini, die Blunzn.“

Fritsch wurde nur 60 Jahre alt. Sein Sportlerherz hörte am 13. September 2005 in Wien mitten auf der Hütteldorfer Straße zu schlagen auf, nachdem er sich unmittelbar davor eine Karte im Rapid-Sekretariat für Rapids Champions-League Spiel gegen Bayern München besorgt hatte.

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