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Sport
09/27/2020

Rad-WM: Alaphilippe holte Gold für den verstorbenen Vater

Der 28-jährige Julian Alaphilippe ist der erste französische Rad-Straßenweiltmeister seit 23 Jahren.

von Günther Pavlovics

Der Franzose Julian Alaphilippe hat sich am Sonntag im Imola erstmals den WM-Titel im Rad-Straßenrennen gesichert. Nach 258 Kilometern auf einem schwierigen Rundkurs im italienischen Imola und mehr als sechseinhalb Stunden triumphierte der 28-Jährige mit 24 Sekunden Vorsprung.
Überglücklich saß Alaphilippe im Ziel. Er hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Sein Vater Jacques  starb im Juni nach schwerer Krankheit. Schon nach seinem Etappensieg bei der Tour de France hatte Alaphilippe mit tränenerstickter Stimme gesagt: „Mein Vater ist vor kurzem gestorben. Ihm widme ich den Sieg.“
Alaphilippe, 28 Jahre alt, gilt wegen seiner aufregenden Fahrweise als Liebling der französischen Fans. Loulou, so sein Spitzname, scheut kein Abenteuer und geht, auch weil er sein Velo beherrscht wie wenige, gerne Risiko ein.
„Ich kann es nicht glauben. Das war ein Traum in meiner Karriere. Ich war einige Male dicht dran, jetzt hat es endlich geklappt“, sagte Alaphilippe, der im Ziel Freudentränen verdrückte.

Guter Abfahrer

Vor dem letzten entscheidenden Anstieg setzte sich eine Zwölfergruppe leicht ab. Daraus löste sich der Franzose Guillaume Martin. Nur noch 14 Kilometer waren zu fahren, die letzten giftigen Anstiege in die Cima Gallisterna warteten. Jetzt wurde es zum Ausscheidungsrennen, einer nach dem anderen fiel aus der Spitzengruppe.  Julian Alaphilippe trat an,. schüttelte  seine letzten fünf Kollegen ab, ging als Erster in die Abfahrt. Elf Kilometer vor der Ziellinie konnte sich der kleine Franzose aber nur acht Sekunden Vorsprung herausfahren. Obwohl Alaphilippe ein guter Abfahrer ist, konnte er sich nicht entscheidend absetzen. Hinter ihm jagte mit dem Dänen Fuglsang, dem Polen Kwiatkowski, dem Belgier van Aert, dem Slowenen Roglic und dem Schweizer Hirschi ein hochkarätiges Quintett hinterher.

Vier Kilometer vor der Ziellinie wurde es dann flach, 15 Sekunden hatte Alaphilippe  hierher gerettet, jetzt wollte er den Titel, den ersten für einen Franzosen seit 1997.  Damals hatte in San Sebastian Laurant Brochard  Gold geholt.

Verfolger belauerten einander

Alaphilippe biss die Zähne zusammen, trat einen riesigen Gang. Und jetzt mussten die Verfolger zusammenarbeiten, um den Franzosen noch zu stellen. Doch sie schrieben den Sieg ab, widmeten sich nur noch dem Kampf um die verbleibenden zwei Medaillen, belauerten einander.

6 Stunden und 38 Minuten waren vergangen, als Alaphilippe   als Erster über die Ziellinie. Dahinter machten sich die fünf Verfolger die Plätze aus. Der groß gewachsene Wout an Aert fuhr den Sprint der Verfolger von der Spitze weg und nutzte die Wucht seines Körpers, um Silber zu holen. Bronze musste von der Zielkamera entschieden werden. Marc Hirschi holte die Medaille für die Schweiz.

Nur ein Österreicher im Ziel

Als einziger Österreicher kam Sebastian Schönberger ins Ziel. Der  Oberösterreicher landete bei einem WM-Debüt mit 15:25 Minuten Rückstand an der 54. Stelle. „In der drittletzten Runde war ich noch dabei, in der vorletzten bin ich den Berg zu weit hinten im Feld reingefahren, dann war es gegessen“, sagte der 26-Jährige. „Das Team hat einen super Job für mich gemacht." Markus Wildauer, Marco Friedrich, Tobias Bayer, Riccardo Zoidl und Felix Gall kamen nicht ins Ziel.

 

 

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