Warum die ÖFB-Stars „vielleicht zu rechnen beginnen“
Kevin Danso
Kevin Danso kann mit dem Begriff „Schande von Gijon“ nichts anfangen. Stefan Posch dagegen schon. „Natürlich sagt mir das etwas.“
Immerhin ist das 0:1 gegen die Deutschen bei der WM 1982 österreichisches Kulturgut, was den Fußball betrifft – wenngleich nicht eines, auf das man mit großem Stolz blicken muss.
Österreichs Nationalteam hat nach der Niederlage gegen Argentinien schon ab Dienstag den Blick nach vorne auf Algerien gerichtet. Am Mittwoch gab es den dritten freien Tag, seit man am 4. Juni in Santa Barbara Quartier bezogen hat. Am Donnerstag hebt man schon Richtung Kansas City ab, wo man am Samstagabend Ortszeit (MESZ: Sonntag, 4 Uhr) auf Algerien trifft.
Während im Umfeld bei Fans und auch Medien gerne spekuliert und gerechnet wird, wollen die Spieler davon nichts wissen. Zumindest offiziell. Österreich bleibt bei einem Sieg und einem Remis fix Gruppenzweiter und trifft aller Voraussicht nach in Los Angeles im Sechzehntelfinale auf Spanien. „Wenn es denn sein muss, spielen wir halt dann gegen Spanien“, meint Verteidiger Danso. Muss es aber wirklich so sein?
Alles wird klar sein
Bereits vor dem Spiel werden Österreich und Algerien wissen, was nötig ist, um als einer der acht besten Gruppendritten weiterzukommen und vor allem, auf welches Team man treffen würde. Noch wollte man sich im ÖFB-Team damit nicht näher auseinandersetzen, doch Stefan Posch gab zu: „Wir werden dann vielleicht zu rechnen beginnen. Auf alle Fälle werden wir die anderen Partien und die Konstellationen beobachten.“
Stefan Posch vs. Argentinien
Nervt die Situation, die Platz für Rechenspiele lässt? Wäre es nicht viel leichter zu spielen, wenn dieser Partie und deren Ausgang nicht so viel Bedeutung zukommen würde? Posch scheint es gleichgültig zu sein. „Wir gehen ins Spiel, um es gewinnen zu wollen. Was rauskommt, wissen wir nicht. Alle Sportler wollen gewinnen. Ich kann nicht in ein Spiel gehen und sagen, ’ich will es verlieren’.“ Das habe keiner aus dieser Mannschaft je gemacht – und das werde auch keiner tun.
Keine Ablenkung
Danso möchte die Situation überhaupt vorab ausblenden, um sich nicht ablenken zu lassen. „Damit ich so wie in jedes andere Spiel gehen kann, mit dem Wunsch, es zu gewinnen.“
Den Mittwoch nutzte der England-Legionär, um seine Familie zu treffen und gemütlich einen Kaffee zu trinken. Posch: „Es ist wichtig, dass man einmal rauskommt, in der Stadt zu Abend isst und nicht über Fußball reden muss.“
Der Ablauf zwischen dem zweiten und dritten Spiel ist um einen Tag gedrängter, es bleibt nicht viel Gelegenheit zur Zerstreuung. Am Donnerstagvormittag erfolgt vor dem Abflug nach Kansas City noch eine Trainingseinheit in Santa Barbara, das Abschlusstraining bestreitet man in Kansas City am Freitag im Sporting KC Stadium.
Die Spieler wissen jedenfalls, in welchen Punkten sie sich im Vergleich zum Spiel gegen Argentinien steigern müssen. Posch wird konkret: „Mit dem Ball müssen wir mutiger auftreten und mehr Chancen kreieren.“
Gegen Argentinien sei man zu ungefährlich gewesen. „Im letzten Drittel müssen wir besser hinter die Kette spielen und dadurch Gefahr ausstrahlen. Und dann müssen wir die Chancen auch verwerten.“
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