Wimbledon-Sieger 2019: Novak Djokovic

© APA/AFP/DANIEL LEAL-OLIVAS

Sport
04/01/2020

Nach Wimbledon-Absage: Corona bricht mit den Sport-Traditionen

Der Tennisklassiker fällt 2020 aus. Und noch viele weitere prestigeträchtige Bewerbe sind aktuell gefährdet.

von Philipp Albrechtsberger

Seit 143 Jahren wird im Südwesten von London ein Tennisturnier veranstaltet. Das Besondere an den Championships im All England Lawn Tennis and Croquet Club von Wimbledon ist nicht nur diese Zahl, sondern so ziemlich alles, was sich an der Anlage an der Church Road jeden Juli abspielt. Das älteste und wichtigste Tennisturnier der Welt trotzt nicht nur vielen Gegebenheiten der Moderne, sondern auch nahezu allen Umwelteinflüssen. In der langen Geschichte des Turniers gab es bisher nur einen Grund, die Spiele auf dem heiligen Rasen nicht beginnen zu lassen: Weltkriege. Am Mittwoch kam ein weiterer Grund hinzu.

Aufgrund der ungewissen Zukunftsaussichten sowie der Maßnahmen, die das Coronavirus weltweit nachsichzieht, sahen sich die Veranstalter gezwungen, die diesjährige Ausgabe abzusagen. An eine Verschiebung in den Herbst, wie es die Veranstalter der French Open angekündigt haben, dachten die Verantwortlichen in Wimbledon zu keiner Zeit. Zu schwierig ist die Instandhaltung der Rasenplätze über die heißen Sommermonate.

Video: Der Finaltag der Herren 2019

Damit reiht sich das Grand-Slam-Turnier, zu dem ursprünglich die Stars der Szene wieder auf die Tour zurückkehren wollten, in eine namhafte Reihe von Sportevents ein, die dem Coronavirus bereits zum Opfer gefallen sind. Die Formel 1 musste nicht nur den Saisonstart erheblich nach hinten verschieben, das erste Rennen, das offiziell abgesagt werden musste, war zugleich das wichtigste: der Große Preis von Monaco Ende Mai.

Während andere Rennveranstalter auf eine spätere Ausrichtung ihrer Grands Prix hoffen (dürfen), hängt im Fürstentum die Raserei an einem fixen Termin. Der Aufbau des Stadtkurses in den engen Gassen dauerte Monate und stellt die Einwohner Jahr für Jahr vor besondere Probleme. Das Rennen findet daher zum ersten Mal seit 1954 nicht statt. Bis auf den Imageverlust ist die Absage des Klassikers für die Rechteinhaber kein allzu großes Malheur. Monaco ist seit jeher das einzige Event, von dem keine Antrittsgage verlangt wird.

Auch die milliardenschwere Formel 1 trifft die Corona-Krise hart - und zur Unzeit. Eigentlich wollte die Rennserie im Jahr 2020 ihr 70-Jahr-Jubiläum feiern. Die große Party Mitte Mai in den Straßen von London ist zwar offiziell noch nicht abgesagt, eine Austragung scheint derzeit aber kaum möglich. Das Heimrennen der Engländer im Juli in Silverstone, wo im Mai 1950 der allererste Grand Prix stattgefunden hatte, wackelt ebenfalls. Bis Ende April wollen die Veranstalter entscheiden, ob die Raserei vor normalerweise 400.000 Besuchern plangemäß über die Bühne gehen kann.

Ebenfalls längst abgesagt ist das legendäre "Boat Race" der englischen Traditionsuniversitäten Oxford und Cambridge auf der Themse. Seit 1829 fix im Sportprogramm der Briten, findet der Ruderbewerb ebenfalls erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg nicht statt. Daher bleibt Cambridge im ewigen Duell mit 84:80-Siegen voran.

Auch die Golfer blicken gespannt Richtung ihres wichtigsten Bewerbs. Der alle zwei Jahre stattfindende Ryder Cup ist mit Ende September in Wisconsin (USA) angesetzt. Bis zum seit 1927 ausgetragenen Kontinentalwettstreit zwischen den besten Golfern der USA und aus Europa ist zwar noch ein wenig hin, wie stark das Gastgeberland aber von der Pandemie betroffen sein wird, ist derzeit kaum abzuschätzen. Auch beim Ryder Cup werden Hunderttausende Fans aus aller Welt erwartet.

Noch im Sportkalender steht die Tour de France der Radfahrer ab 27. Juni. Die Veranstalter wollen die größte und wichtigste Rundfahrt nach aktuellem Stand in jedem Fall durchbringen, wenn auch verkürzt (zwei statt drei Wochen) und/oder zu einem späteren Zeitpunkt (Start Ende Juli).

Womöglich in jedem Fall durchführbar scheint zum jetzigen Zeitpunkt ein anderer prestigeträchtiger Wettbewerb der Sportwelt. Bei der alle vier Jahre ausgetragenen Vendee Globe sitzen die Teilnehmer alleine in einem Segelboot und müssen die Erde nonstop und ohne jede fremde Hilfe umrunden. Start ist im November. Der Sieger der jüngsten Ausgabe 2016/2017 absolvierte die 24.000 Seemeilen entlang des Südpolarmeeres in der Rekordzeit von 74 Tagen, 3 Stunden, 35 Minuten und 46 Sekunden. Bis dahin könnte auch das Coronavirus verschwunden sein.

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