© @jujudriver

Sport Motorsport
08/16/2020

Wird dieses Mädchen einmal in der Formel 1 fahren?

Die 14-jährige Japanerin Juju Noda gilt als Mega-Talent. Ihr Ziel ist das Höchste in der Motorsport-Welt.

von Florian Plavec

Für manche ist sie die größte Motorsport-Hoffnung seit Max Verstappen. Sie selbst setzt sich nicht gerade bescheidene Ziele. „Ich will die Formel-1-Weltmeisterschaft gewinnen, mit einem IndyCar siegen und die 24 Stunden von Le Mans holen“, sagt Juju Noda (14).

Ihrem Vater will die 2006 geborene Japanerin somit nur bedingt nacheifern: Hideki Noda (51) absolvierte 1994 gerade einmal drei Rennen in der Formel 1 für das französische Larrousse-Team. Die Zielflagge sah er dabei nie.

Doch die Tochter sei ein Siegertyp. „Ihr Talent ist deutlich größer als meines. Sie hat ihren Wagen vom Speed bis zum Grip voll im Griff“, sagte ihr Vater. „Diese Skills sind absolut entscheidend und kaum zu erlernen, wenn man nicht das Talent mitbringt. Sie schafft es, ans Limit zu gehen und verliert nie den Fokus oder die Gelassenheit.“

Früh übt sich

Mit drei Jahren saß Juju erstmals im Kart; mit neun fuhr sie erste Formel-4-Tests; mit zwölf drehte sie auf dem Okayama International Circuit die schnellste Runde, die je mit einem Formel-4-Auto gefahren wurde. Mit 240 km/h raste sie dabei über die Start-Zielgerade. Sie gewann in fast allen Kategorien, in denen sie antrat. Als sie mit elf Jahren erstmals ein Formel-3-Auto pilotierte, staunte der englische IndyCar-Pilot Max Chilton: „Das war das Beeindruckendste, das ich je gesehen habe.“

Seit diesem Jahr nimmt Juju Noda an der Formel-4-Meisterschaft in Dänemark teil. Gleich in ihrem ersten Rennen in Europa Ende Juni holte sie Poleposition und Sieg. Das zweite Rennen wurde in gestürzter Reihenfolge gestartet. Sie wurde Dritte, danach allerdings disqualifiziert, weil sie nicht zugelassene Reifen auf ihrem Auto montiert hatte.

In Japan ist Noda schon bekannt. Viele trauen ihr zu, den Sprung in die Formel 1 zu schaffen. Die bisher einzige Frau, die in der Formel 1 punkten konnte, war Lella Lombardi. Juju Noda denkt in anderen Dimensionen: „Ich will nicht nur die nächste Formel-1-Fahrerin werden. Ich will dort auch gewinnen.“

Noch immer sind Frauen eine Seltenheit in der Männerdomäne Motorsport.  Eine der schnellsten Damen war Jutta Kleinschmidt. Die Deutsche holte im  Jahr 2001 bei der Rallye Dakar  sensationell den Gesamtsieg bei  den Autofahrern. Laia Sanz (ESP) belegte in der Motorrad-Wertung im Jahr 2015 Rang neun – Bestwert für eine Frau. Zwei Frauen holten in der Motorrad-WM schon Punkte: Katja Poensgen (GER) wurde 2001 in Mugello 14. in der damaligen 250er-Klasse. Im Jahr 2013 holte die Spanierin Ana Carrasco neun Punkte in der Moto3.

Michele Mouton gewann 1981  mit ihrem Audi Quattro die Rallye San Remo. 1982 holte sie drei weitere Siege und  unterlag in der Fahrerwertung knapp gegen Walter Röhrl. Lella Lombardi ist bis heute die einzige Frau, die in der Formel 1 einen (halben) Punkt holte: 1975 im Abbruchrennen von Spanien belegte sie in einem March-Ford Rang sechs. Insgesamt kam sie auf zwölf Starts in der Formel 1.

Die Schottin Susie Wolff, die Ehefrau von Toto Wolff, fuhr 2006 bis 2012 in der DTM. Danach ging sie als Testfahrerin in die Formel 1. Und die Deutsche Ellen Lohr gewann als bisher einzige Frau 1992 in Hockenheim einen Lauf der DTM.

Maria de Villota schaffte es über die Formel 3 bis zu einem Testfahrvertrag in der Formel 1. 2012 kam es zu einem schweren Unfall, bei Geradeaus-Tests fuhr die Spanierin in die Ladeklappe eins LKW und verlor dabei ein Auge. Sie Starb im Oktober 2012 nach einer Hirnblutung. Sophia Flörsch ist aktuell Deutschlands schnellste Rennfahrerin. Berühmt wurde sie aber durch einen Crash: 2018 flog sie in Macau mit 276 km/h durch einen Fangzaun. Sie erlitt mehrere Wirbelbrüche, aber keine bleibenden Verletzungen.

Doch die Luft in den höheren Rennklassen ist dünn. Ex-Formel-1-Pilot Christian Klien erklärt: „Ich habe Juju schon vor drei Jahren beobachtet, als ich in Japan für SARD Racing gefahren bin. Sie hat sehr früh angefangen, Talent und mit ihrem Vater einen erfahrenen Unterstützer, der ihr zu den richtigen Schritten verhelfen kann.“ Allerdings: „Der Schritt von Japan nach Europa ist groß, und es wird eine harte Schule sein, wie es auch für jeden Bub ist.“

Zudem kommen spätestens in der Formel 1 die körperlichen Belastungen, ausgelöst durch die hohen Fliehkräfte. Außerdem dürfen die jetzigen Erfolge nicht überbewertet werden. In der dänischen Serie wird das Starterfeld oft mit schwächeren Formel-5-Autos aufgefüllt. Hier zu gewinnen ist einfacher als in anderen Serien.

Dass die Wahl von Juju Noda auf Dänemark gefallen ist, hat aber auch einen ganz pragmatischen Grund: Die dänische Formel-4-Rennserie ist die einzige, die Pilotinnen unter 15 Jahren starten lässt.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.