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Sport | Motorsport
05/21/2019

Der Rennsport ließ ihn nie los: Niki Lauda 1949-2019

Motorsport-Legende Niki Lauda war weltweit einer der bekanntesten Österreicher. Nun ist er 70-jährig gestorben.

1976 saß Niki Lauda minutenlang in einem brennenden Ferrari; 1997 und 2002 versagten seine Nieren; 2018 war seine Lunge am Ende, vermutlich als Folge des Feuerunfalls.

Doch in der KURIER-Redaktion galt Niki Lauda als unsterblich. Nun starb Lauda am Montag 70-jährig im Kreise seiner Familie. Er war fünffacher Familienvater, dreifacher Formel-1-Weltmeister, Vorstandsvorsitzender des Formel-1-Teams von Mercedes, Luftfahrtunternehmer, Experte für fast alles.

Niki Lauda war weltweit einer der bekanntesten Österreicher. Geboren am 22. Februar 1949 in Wien als Sohn eines Industriellen wächst Nikolaus Lauda in einem strengen aber wohlhabenden Umfeld auf. Mit 15 Jahren kauft er sein erstes Auto, ein VW Käfer Cabriolet, Baujahr 1949, mit dem er „jeden erdenklichen Blödsinn“ macht. Um die Kosten zu decken, arbeitet er neben bei als Lkw-Fahrer.

Ferrari war nicht das Ziel

Als 19-Jähriger startet er mit einem unterlegenen March-Ford in sein erstes Formel-1-Rennen, den Grand Prix von Österreich am 15. August 1971. Lauda scheidet aus. Mit einem Kredit in der Höhe von zwei Millionen Schilling kauft er sich 1972 bei March-Ford ein, im Jahr darauf startet er für das britische Team B. R. M., schon 1974 ist er am Ziel aller Rennfahrer-Träume - bei Ferrari. Doch für Lauda hat die Reise erst begonnen.

1975 dominiert er die WM-Saison. Mit fünf Rennsiegen holt er überlegen den WM-Titel, als erst zweiter Österreicher nach Jochen Rindt.

Der Unfall

Auch im Jahr danach ist Lauda der klar schnellste Fahrer im Feld. Doch der 1. August 1976 verändert sein Leben. Als WM-Führender verunglückt er auf dem Nürburgring. Er prallt gegen eine Felswand, wird im brennenden Ferrari eingeklemmt, dann von Kollegen aus dem Wrack geborgen. Lauda erleidet schwere Verbrennungen aber auch Verätzungen in der Lunge durch das Einatmen des giftigen Rauchs der Kunststoffkarosserie und des Schaums der Feuerlöscher.

Lauda kämpft um sein Leben, fällt ins Koma, muss sich mehreren Operationen und Transplantationen unterziehen. Ein Priester kommt zur Krankensalbung. Doch nur 42 Tage nach dem Unfall geschieht das Unfassbare. Lauda sitzt wieder in seinem Ferrari.

Ausgewählte Sprüche von Niki Lauda: "Mein ganzes Leben war so etwas wie ein Spiel. Ich bin immer Risiken eingegangen, da brauche ich keine Glücksspiele." (Lauda auf die Frage, ob er gerne in Casinos geht)

 "Diese kleine Welt der Zirkusaffen", sagte Lauda einst über die Formel 1. Er selbst blieb bescheiden: "Aber ich habe immer gesagt, ein Affe kann mit den heutigen Formel-1-Autos fahren - also auch ich."

"Rennfahrer sind egoistische Schweine, die alles versuchen, um zu gewinnen", behauptete Lauda (im Bild mit Rainhard Fendrich), der seine Motivation einmal so erklärte: "Ich werde fürs Fahren und nicht fürs Parken bezahlt."  

"Ich habe es satt, blöd im Kreis herumzufahren" (So erklärte Lauda 1979 seinen Rücktritt beim GP in Kanada; im Bild mit dem jungen Gerhard Berger)

"Da habe ich mir gedacht: So nicht mit mir. Das war gut so und motivierte mich, am Leben zu bleiben." (Lauda über die Momente nach der Letzten Ölung wegen des Nürburgring-Unfalls und dem Schweigen des Priesters)

"Was ist gefährlicher? Autorennen fahren. Flugzeuge zu fliegen ist überhaupt nicht gefährlich."

"Familie bedeutet mir viel. Ich lebe mit zwei fremden Nieren. Eine bekam ich von meinem Bruder Florian, die andere spendete Birgit. Und Marlene ist immer noch eine wichtige Bezugsperson. Mit Ausnahme meines unehelichen Sohnes, mit dem ich kaum Kontakt habe, feiern wir zum Beispiel Ostern immer alle zusammen." (Lauda einst im ORF-Gespräch "Lebens-Künstler" mit dem damaligen Wiener Alt-Bürgermeister Helmut Zilk)

"Es ist nicht einfach, perfekt zu sein. Aber einer muss es ja sein", scherzte Lauda in einem Interview (im Bild mit seinen langjährigen Freunden Gerhard Berger und Bernie Ecclestone)

"Bei den heutigen Fahrergehältern würde ich als Amerikaner wahrscheinlich meine Mutter verklagen, dass sie mich zu früh geboren hat."

"Ich glaube, ich weiß im richtigen Moment das Geld auszugeben." (Lauda auf die Frage, ob er wirklich "geizig" sei)

"Ich glaube, ich war ein ziemliches Seicherl", erzählte Lauda einmal über seine Jugend.

Dass er ein wahres Stehaufmanderl ist, hat er aber schon oft bewiesen. "Ich war kurzfristig tot. Jetzt bin ich wiederauferstanden", sagte er nach seiner Lungentransplantation zum "Blick" (im Bild mit seiner Ehefrau Birgit Wetzinger)

Als Spätfolge des Unfalls muss sich Lauda zwei Nierentransplantationen unterziehen. Eine spendet sein Bruder Florian im Jahr 1997, eine seine spätere Ehefrau Birgit 2005. 

Filmreif

Sein WM-Duell 1976 gegen James Hunt wird 2013 verfilmt, "Rush" mit Daniel Brühl in der Hauptrolle wird zum Kassenschlager. Im letzten Rennen in Japan steigt Lauda bei strömendem Regen aus seinem Auto, Lebemann Hunt holt den Titel.

1977 wird Lauda endgültig zur Legende bei Ferrari. Er holt fünf Rennsiege und seinen zweiten Titel. In Österreich wird er als Sportler des Jahres ausgezeichnet. 1979 überrascht Lauda abermals. Während des Trainings zum Grand Prix von Kanada tritt er zurück. Seine Erklärung: "Ich will nicht mehr im Kreis fahren.“

Abgehoben

Lauda widmet sich der Fliegerei, baut seine eigene Fluglinie auf. Doch 1982 kehrt er in die Formel 1 zurück. 1984 holt er in einem dramatischen WM-Finale gegen seinen McLaren-Teamkollegen Alain Prost seinen dritten und letzten WM-Titel. Dann erfolgt die Wachablöse. Lauda kann 1985 noch ein Mal gewinnen. Am 3. November 1985 fährt er sein letztes Formel-1-Rennen in Australien. In Führung liegend scheidet er mit einem Reifenschaden aus.

Mit seiner Lauda-Air erlebt Niki Lauda den schlimmsten Tag seines Lebens. Am 26. Mai 1991 stürzt seine Boeing 767 in Thailand ab. Alle 223 Menschen an Bord sterben.

Doch Lauda verkraftet auch diesen Schicksalsschlag. Nach der Übernahme der Lauda Air durch die AUA gründet er die Billigfluglinie Niki und startet noch einmal durch.

Rückkehr in die Formel 1

Der Rennsport lässt Lauda nie los. 2012 wird er Vorstandsvorsitzender beim Formel-1-Team von Mercedes. Gemeinsam mit Motorsportchef Toto Wolff führt er das Team zu zehn WM-Titel (fünf Mal das Team, vier Mal Lewis Hamilton, ein Mal Nico Rosberg). Im August 2018 muss sich Lauda einer Lungentransplantation unterziehen, möglicherweise eine Spätfolge seines Unfalls 1976, als er giftige Gase einatmen musste. Den Titelgewinn 2018 verfolgt er aus dem Krankenbett. Weihnachten feiert er bereits wieder im Kreise seiner Familie auf Ibiza, doch ein grippaler Infekt zwingt Lauda wieder in die Knie.