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Sport Motorsport
09/26/2020

Schweiger, Säufer und Weltmeister: Formel-1-Rekordmann Räikkönen

Kimi Räikkönen absolviert in Sotschi seinen 322. Grand Prix. Zuerst als Rüpel abgestempelt, ist der Finne Liebling vieler Fans.

von Florian Plavec

Kimi Räikkönen ist diese Rekordmarke egal. Am Sonntag wird er in Sotschi zum 322. Mal in ein Formel-1-Rennen starten. Damit egalisiert der Finne den Bestwert des Brasilianers Rubens Barrichello. Doch Räikkönen sagt, was er sagen muss, wenn er seinem Ruf treu bleiben will: „Rekorde sind mir egal.“

Als Räikkönen vor 19 Jahren und sechs Monaten in Australien sein Formel-1-Debüt gab, galt er zuerst als schüchtern, dann als unhöflich, jedenfalls aber als talentiert.

Nach seinem Einstieg bei Sauber und fünf Jahren bei McLaren wurde er 2007 der bis heute letzte Weltmeister auf Ferrari. Doch dann verließ ihn die Lust. Räikkönen nahm sich eine Auszeit, fuhr in der Rallye-WM, kehrte 2012 wieder zurück. Zuerst im Lotus, dann erneut bei Ferrari als Nummer 2 hinter Sebastian Vettel. Rein rechnerisch ist er in Formel-1-Rennen zwei Mal um die Erde gefahren.

Der etwas andere Star

Mit seinen 40 Jahren ist Räikkönen der mit Abstand Älteste im Fahrerfeld. Und für viele Fans ist er der Coolste. Mittlerweile weiß man, dass er das Image des unantastbaren Individualisten pflegt; er gilt als einer der letzten bösen Buben in der brav gewordenen Welt der Formel 1; seinen Job sieht er ganz pragmatisch: „Ich habe mich für Motorsport entschieden, weil ich da nicht so früh aufstehen muss“, sagte er einmal. Auf Social Media hält er sich zurück, Medientermine sind für ihn „Bullshit“. Was andere über ihn denken? „Ist mir egal.“ Auf seinen Spitznamen „Iceman“ ist er stolz. Als er bei McLaren fuhr, ließ er den Schriftzug auf seinen Helm lackieren.

Aus sich heraus geht Räikkönen nur im Formel-1-Auto und (zumindest früher) auf Partys. Er fuhr in einem Gorilla-Kostüm ein Speedboot-Rennen, er fiel in Monaco betrunken von einer Yacht, er schlief nach einer Party mit einem aufblasbaren Delfin in der Hand auf einer Parkbank. In seiner Biografie gab er zu, einmal mehr als zwei Wochen durchgehend betrunken gewesen zu sein – kurz nachdem er 2012 sein Comeback gefeiert hatte.

Sein Biograf Kari Hotakainen schrieb, dass Kimi oft seine Adresse in der Hosentasche hatte, damit ihn die Taxifahrer nach Hause bringen konnten. Jetzt sagt Räikkönen: „Heute bin ich nicht mehr hinter dem Alkohol her. Ich sitze aber auch nicht da und warte, dass meine Karriere vorbei ist, damit ich wieder anfangen kann zu trinken. Ich habe genug gesoffen!“

Rubens Barrichello (BRA): 322
Kimi Räikkönen (FIN): 321
Fernando Alonso (ESP): 311
Michael Schumacher (GER): 306
Jenson Button (ENG): 306
Felipe Massa (BRA): 269
Lewis Hamilton (ENG): 259
Riccardo Patrese (ITA): 256
Jarno Trulli (ITA): 252
Sebastian Vettel (GER): 249

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Am Ende der Saison läuft Räikkönens Vertrag bei Alfa Romeo aus, dem ehemaligem Sauber Team, wo 2001 alles begann. In drei Wochen wird er 41. Ob es dann vorbei ist mit der Karriere? Räikkönen gibt sich – natürlich – verschlossen. „Es wird einen Punkt geben, an dem ich zu Hause sein und andere Dinge tun möchte“ Sein Teamchef Frederic Vasseur sagt: „Erst einmal muss uns Kimi wissen lassen, was er will. Dann sehen wir weiter.“

Vielleicht hängt er noch ein Jahr dran und wird dann vielleicht Mentor von Mick Schumacher (21), der bei Alfa Romeo unterkommen könnte. Sollte er aber aufhören, würde er sich nicht fadisieren: „Ich werde eine Menge andere Sachen finden, um mich zu beschäftigen.“

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