Red Bull will Rallye wachküssen

Der Energy-Drink-Hersteller ist neuer Vermarkter, Volkswagen steigt als Werksteam ein.

Es gibt einfachere Vorgaben, als vor dem Casino von Monaco mit einem Auto aufzufallen. Alljährlich donnern die Formel-1-Boliden durch das Fürstentum, die übrigen 51 Wochen verbrennen sündteure Lamborghini und Ferrari sündteuren, südfranzösischen Treibstoff.

Doch an einem Dezembertag war der Mittelmeer-Staat in Aufruhr. Der Grund: ein Auto. Fotografen drängten sich um eine Rampe, die Finger stets am Auslöser.

Dann kam er angerollt. Ein Volkswagen, ein Polo, eines der unscheinbarsten Gefährte des deutschen Weltkonzerns. Freilich handelte es sich dabei um keinen gewöhnlichen Polo – 1700 neue Teile produzierte Volkswagen dafür, 17 Monate dauerte die Entwicklung.

Wolf im Schafspelz

Es handelt sich um den Polo R WRC – eine Bestie, mit der der deutsche Konzern erstmals als Hersteller an der Rallye-WM teilnehmen wird. Der Startschuss für die Raserei fällt am Mittwoch mit dem WM-Lauf in und um Monte Carlo.

Das Engagement der Wolfsburger überrascht. In einer Phase, in der das Interesse schwand und Hersteller wie Ford die finanziellen Belastungen eines Werksteams nicht mehr stemmen wollten, kündigte VW den Einstieg an.

Hoffnung in der angeschlagenen Szene macht auch der Sponsorenpartner des Volkswagen-Projekts: Red Bull. In den vergangenen Jahren beschleunigte der Konzern Citroën mit Sébastien Loeb. Da der Rekordweltmeister heuer nur bei ausgewählten Läufen antreten wird, startet Volkswagen mit den vielversprechenden Fahrern Sébastien Ogier und Jari-Matti Latvala in der Rolle des Mitfavoriten.

Große Pläne: Dietrich Mateschitz will vom Engagement im Rallye-Sport profitieren
© Bild: ap
Viel wichtiger als die Abwechslung in den Ergebnislisten dürfte dem Rallyesport die neue Vermarktung sein. Nach den Rückzügen des Titelsponsors sowie der Vermarktungsgesellschaft krallte sich Red Bull die Rechte. Das Unternehmen betritt Neuland. Denn in der Vergangenheit erfand Red Bullneue Eventsbzw. ganze Sportarten oder es begnügte sich mit der Rolle des Teilnehmers.

"Alle unsere Engagements müssen direkten Nutzen für Red Bull haben", sagt Firmenboss Dietrich Mateschitz. Spaß spiele keine entscheidende Rolle. "Unsere Entscheidung, in die Rallye-WM einzusteigen, basiert primär auf den Interessen von Red Bull Media House", erklärt der Milliardär. Der Konzern wird nicht nur seine eigenen Plattformen wie ServusTV bespielen, sondern auch die Rechte an der Serie vermarkten. Der Energy-Drink-Hersteller erhält dadurch exklusiven Zugang zu den boomenden Märkten in Mexiko und Argentinien.

"Wir sind davon überzeugt, dass das Potenzial der Rallye-WM größer ist, als dies in den letzten Jahren in den Medien den Anschein hatte", sagt Mateschitz.

Die WM 2013

Das Reglement

Unterschieden wird zwischen Werksteams (Citroën, Qatar M-Sport, VW) und Hersteller- Teams. Nach dem Rückzug von Ford als Hersteller gilt Qatar M-Sport als Werksteam. Die Werksteams müssen bei allen 13 Läufen zwei Autos einsetzen. Hersteller-Teams können auch nur mit einem Fahrzeug antreten. Sie müssen mindestens sieben Läufe bestreiten.

Die WM-Läufe

Monte Carlo (Jänner), Schweden (Februar), Mexiko (März), Portugal (April), Argentinien (Mai), Griechenland (Mai/Juni), Sardinien (Juni), Finnland (August), Deutschland (August), Australien (September), Frankreich (Oktober), Spanien (Oktober), Wales (November).

Die Österreicherin

Ilka Minor sitzt als Co-Pilotin von Jewgeni Nowikow (Rus) in einem Ford Fiesta von Qatar M-Sport.

www.wrc.com

( Kurier ) Erstellt am 15.01.2013