Der Salzburger Rennfahrer Philipp Eng

© Privat

Interview
04/20/2020

Philipp Eng: Der womöglich beste Rennfahrer in allen Welten

Der DTM-Pilot zählt auch im virtuellen Rennsport zu den Schnellsten. Wo liegen die Unterschiede? Was kostet die Raserei?

von Florian Plavec

Kaum einem anderen Rennfahrer gelingt der Spagat so gut wie Philipp Eng. Der 30-jährige Salzburger macht auf der realen Rennstrecke (etwa im Deutschen Tourenwagen Masters) eine ähnlich gute Figur wie hinter dem Lenkrad des Simulators in der virtuellen Welt. Beim ersten Lauf der virtuellen Formel-1-WM belegte er für Red Bull Rang drei. Vor Kurzem gründete der BMW-Werkspilot sogar ein „Team Austria“, das für Rot-Weiß-Rot bei E-Sports-Rennen rund um den Globus antritt.
KURIER: Virtuelles Rennfahren erlebt einen Aufschwung. Wie real ist es?

Philipp Eng: Mein Zugang ist, dass man es als eigene Disziplin sehen muss. Es ist dieser Tage eine Begleiterscheinung und es kann mit dem echten Motorsport Hand in Hand gehen. Wir erleben gerade sehr aufregende Zeiten mit eRacing. Aber es ersetzt den echten Motorsport auf keinen Fall. Wenn man in Le Mans mit neuen Reifen und wenig Benzin auf die Strecke geht, wenn man den Motor hört und die Reifen riecht – dann kommt der Adrenalinrausch. Und den spüre ich im Simulator nicht so.

Ist das virtuelle Rennfahren für Sie Spaß oder Training?

Das SimRacing macht mich auch auf der Rennstrecke zu einem besseren Fahrer. Man lernt sehr viel über das Setup. Ich habe auch viel mehr Zeit, neue Dinge auszuprobieren. Für mich zählt aber vor allem, dass ich ein extrem wettkampforientierter und ehrgeiziger Typ bin. Und den Wettkampf habe ich auch im SimRacing zu hundert Prozent. Ich bin zuletzt ein virtuelles Rennen am Nürburgring gefahren. Meine Partner in dem Langstreckenrennen waren zwei Sim-Profis, aber der echte Rennfahrer hat das Qualifying und den Start absolvieren müssen. Mir ist die Pumpe ordentlich gegangen, mein Betriebszustand war wie vor einem echten Rennen.

Denn bei diesem Rennen hätte man auch durch einen Unfall ausscheiden können?

Genau. Wir sind auf der Plattform iRacing gefahren. Das ist eine echte Simulation und im Gegensatz zu „F1 2019“ kein Spiel. Dieses ist von der Formel 1 offiziell lizenziert und muss sich am freien Markt gut verkaufen. Ein Profi muss damit ebenso zurecht kommen, wie mein Nachbar, der noch mit dem Controller fährt. iRacing ist auf einer ganz anderen Ebene. Dort haben sich die Hersteller zum Beispiel zwei Tage lang den Nürburgring gemietet und die Strecke bis zur kleinsten Bodenwelle exakt vermessen und in die Simulation übertragen. Beim Boxenstopp wird simuliert, wie schnell das Benzin in das Auto fließt. Und wenn ich an die Mauer fahre, ist die Fahrt ziemlich sicher vorbei.

Sind die Simulator-Profis schneller als Sie?

Hundertprozentig. Was die leisten, ist beeindruckend. Sie trainieren viel und müssen sich auch viel mit der Renntaktik beschäftigen. Einige davon können von diesem Job leben.

Könnte ein Formel-1-Fahrer auf iRacing mithalten?

Er wäre relativ schnell bei der Musik dabei, auf sieben, acht Zehntel wird er bald an den Topleuten dran sein. Aber wie beim echten Rennfahren ist es sehr schwer, diese Zehntel aufzuholen.

So einen Simulator kann sich theoretisch jeder kaufen. Was kostet er?

Zirka 6.500 Euro. Das teuerste davon ist der Computer. Mit dieser Ausrüstung kann ich alle Simulationen verwenden. Dieser Simulator ist aber natürlich statisch und bewegt sich nicht.

Es fehlen die Fliehkräfte ...

Diese Dimension fehlt. Aber wenn ich ein Rennen auf dem Simulator fahre, bin ich am Ende auch total durchgeschwitzt. Es ist eine wahnsinnige Konzentrationsübung. Wenn das Auto übersteuert, spüre ich das nur im Lenkrad. Das macht es so schwierig.

Was können die Simulatoren der Formel 1?

Das ist dann noch einmal eine ganz eigene Nummer. Da steht das Monocoque auf einer Plattform und bewegt sich in alle Richtungen. Da wird Bremsen, Übersteuern und Lenken in Bewegungen umgesetzt. Richtig teuer macht das dann die Software. Denn man muss aus Simulatortests dann ja die richtigen Schlüsse für das echte Auto ziehen können.

Wie wird das Jahr für Sie in der virtuellen Welt weitergehen und wie in der echten?

Die virtuellen Rennen werden auf vielen Plattformen übertragen, etwa auf YouTube und Twitch. Mit iRacing gibt es einen eigenen DTM-Auftritt, dann fahre ich die nordamerikanische Langstreckenmeisterschaft. Hoffentlich kann ich auch die 24 Stunden auf dem Nürburgring fahren.

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