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Sport
03/29/2020

Dutzende Stürze - doch niemand tat sich weh

Der Sport weicht mit seinen Stars in die virtuelle Welt aus. Millionen Fans schauen zu.

von Florian Plavec

Ein Sonntag wie so viele andere. Platz nehmen auf dem Sofa vor dem TV-Gerät, warten bis die roten Ampeln ausgehen, sich berieseln lassen vom Geschehen an der Rennstrecke. Diesmal ist es das Autodromo del Mugello, über dem die Sonne strahlt; die Tribünen sind gut gefüllt; pünktlich kurz nach 15 Uhr starten die Stars der MotoGP-Szene in ihren ersten WM-Lauf des Jahres. Wie gewohnt kommentiert für ServusTV das Duo Christian Brugger und Alex Hofmann.

Nach wenigen Sekunden, gleich in der ersten Kurve, kommt es zum Crash. Poleposition-Mann Fabio Quartararo verliert die Kontrolle über seine Yamaha, der Franzose räumt Maverick Viñales von der Strecke. Beide fliegen ins Kiesbett. „Ich habe einfach zu spät gebremst und die Front verloren“, sagt der Franzose nach dem Rennen. „Das tut mir leid.“

Verletzt hat sich keiner der zehn Piloten. Sie alle sitzen daheim vor ihren Flachbildschirmen und absolvieren den ersten virtuellen Grand Prix der MotoGP-Geschichte, denn WM-Promoter Dorna lud zum #StayAtHomeGP – Fans aus aller Welt waren live dabei.

Verblüffend real sieht es aus, wenn bei Schaltvorgängen die Flammen aus dem Auspuff schlagen, wenn die Fahrer beim Anbremsen das Innenbein ausstrecken und um die Kurven driften, wenn sie Schulter an Schulter um die beste Position im Kurveneingang kämpfen.

Der Spanier Alex Márquez beherrscht das Spiel an der Konsole am besten. Der jüngere Bruder von Weltmeister Marc Márquez holt nach sechs Runden ungefährdet den Sieg. „Ich bin das ganze Rennen konstant geblieben“, sagt er. „Das war mein Ziel.“

In Zeiten der Corona-Krise weicht der Sport in die Onlinewelt aus, vor allem der Motorsport. Schon vor einer Woche verzeichnete das erste virtuelle Rennen der Formel 1 (auf der Strecke von Bahrain) 200.000 Live-Zuseher auf Youtube. Zudem übertrug unter anderem ORF Sport+ die Premiere live, bei der der Österreicher Philipp Eng Rang drei belegte.

Das gestrige MotoGP-Rennen dürfte noch höhere Reichweiten erzielt haben. Übertragen wurde unter anderem von Youtube, Instagram, Twitter und Facebook, sowie von Sky Italia, DAZN Spanien, Eurosport Niederlande, OTE Griechenland, NBC USA und ESPN Lateinamerika.

Der digitale Motorsport profitiert dabei von zwei Faktoren: Einerseits sind viele echte Rennfahrer in ihrer Freizeit tatsächlich virtuell unterwegs – und lernen so etwa neue Rennstrecken kennen. Andererseits lässt sich der virtuelle Motorsport hervorragend auf die reale Rennstrecke übertragen – Stichwort: Simulator, den sich jeder Fan um ein paar hundert Euro im Wohnzimmer zusammenstellen kann.

Zwangspause

Die reale MotoGP-Saison wird nicht vor August beginnen können. Bis dahin bleiben die Rennen am Simulator. Bereits am 12. April soll es mit dem nächsten Grand Prix weitergehen. Dann werden auch Vertreter der Werksteams von Ducati und KTM am Start stehen und vielleicht auch Valentino Rossi. Der beliebteste Motorsportler der Welt zog seine Nennung für die Premiere kurzfristig zurück: „Ich spiele auch, aber ich bin dabei nicht schnell.“