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Sport Motorsport
10/24/2020

Neue Strecke in der Formel 1: (K)eine Fahrt ins Ungewisse

Wie sich die Teams mit vielen Stunden im Simulator auf die Premiere in Portimão vorbereitet haben

von Florian Plavec

1984 sicherte sich Niki Lauda in Estoril den WM-Titel mit dem historisch geringsten Vorsprung von einem halben Punkt vor Alain Prost; 1996 gewann Jacques Villeneuve das bisher letzte Rennen in Portugal; an diesem Sonntag (14.10 Uhr) kehrt die Formel 1 nach Portugal zurück.

Gefahren wird allerdings erstmals auf dem Autódromo Internacional do Algarve bei Portimão. Nach Mugello in Italien ist der 4,7 Kilometer lange Kurs in dieser Saison die zweite neue Strecke für die Formel 1. Auffallend sind die Höhenunterschiede und die starken Steigungen. Dadurch rasen die Fahrer auf blinde Kurveneingänge zu, was das Erlernen des Streckenverlaufs erschwert. Umso wichtiger ist es, zuvor viele Daten in der virtuellen Welt gesammelt zu haben – am Simulator. Doch wie funktioniert das genau?

Wie kann man sich so einen Simulator in der Formel 1 vorstellen?

Die Teams unterscheiden vor allem zwischen „Driver-in-Loop“-Simulationen (DiL) und Computersimulationen.

  • Driver-in-Loop: Der DiL ist vergleichbar mit einem professionellen Flugsimulator und steht in der Fabrik des Teams. Das Cockpit sieht aus wie ein echtes Formel-1-Auto, der Fahrer sitzt wie in seinem echten Boliden, oft auch in Rennmontur. Die virtuelle Rennstrecke ist bis ins Detail nachgebildet. In einer DiL-Session legen die Piloten in der Regel mehr als eine Renndistanz zurück, so auch Sebastian Vettel: „Ich hoffe, das hilft jetzt, dass ich den richtigen Weg finde.“
  • Computersimulationen: Währenddessen simulieren Computer hunderttausende Runden rein virtuell, also ohne menschliches Zutun. So werden in kurzer Zeit Terabytes an Daten gesammelt, wie das Auto auf Set-up-Veränderungen reagiert.

    Wie ist das mit der Renn-Taktik?

    Die Computermodelle werden auch für die Simulation der Strategie eingesetzt. Verglichen werden Boxenstopp-Szenarien oder etwa der Reifenabbau. So werden viele Rennszenarien durchgespielt, um die besten Optionen herauszufiltern. Bevor ein Team auf die Rennstrecke geht, hat es bereits hunderttausende (!) Strategieoptionen durchgespielt.

    Wie exakt werden die Verhältnisse abgebildet?

    Die Stecken werden gescannt und in eine 3D-Karte übertragen. Bis ins kleinste Detail sind Streckenoberfläche und Kerbs virtuell nachgebildet. Da der Markt für diese hochkomplexen Streckenmodelle sehr klein ist, arbeiten in diesem Bereich die konkurrierenden Teams zusammen – und holen sich auch Hilfe von Gaming-Unternehmen. Immer wieder werden die Daten aus dem Fahrzeugmodell mit dem realen Auto abgeglichen.

    Was ist vor einem Rennen auf einer unbekannten Strecke anders?

    „Auf einem Kurs, auf dem wir zuvor schon gefahren sind, absolvieren wir normalerweise ein Zwei-Tages-Programm im Vorfeld. Das entspricht rund 450 Runden und grob acht Renndistanzen“, schrieb das Mercedes-Team in einer Aussendung. Vor Portimão kommen zwei Tage dazu – und ein weiterer, an dem Lewis Hamilton und Valtteri Bottas das Streckenlayout lernen.

    Kann man in der Formel 1 alles simulieren?

    Flügeleinstellungen lassen sich relativ gut simulieren, schwieriger ist es bei der Fahrzeugbalance oder dem Gripniveau und den Asphalteigenschaften. Doch alle Simulationen helfen den Ingenieuren, einen Weg einzuschlagen. Danach liegt es aber immer noch an den besten Fahrern der Welt, reales Feedback zu geben.

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