Vorjahr: Sebastian Vettel gratulierte Sieger Lewis Hamilton.

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Motorsport
04/28/2016

Formel 1 in der Sackgasse, Formel E drückt aufs Tempo

Überholt soll nicht nur die Formel 1 sein, sondern der gesamte Motorsport, urteilen Kritiker.

von Philipp Albrechtsberger

Es ist nicht sicher, ob die Formel 1 rechtzeitig noch die Kurve kriegt. Am Samstag endet die Deadline. Am Tag vor dem Großen Preis von Russland muss das neue Reglement für die kommende Saison stehen. Erst am Dienstag lehnte die Formel-1-Kommission den Vorschlag der Strategiegruppe ab. Als Bremsklotz entpuppt sich der Motor. Welch’ Ironie!

In Sotschi wird das Rampenlicht daher wieder einmal den Teamchefs, Rennstall-Besitzern und Regelhütern gehören und nicht den Fahrern. Dabei haben sie in den ersten drei Saisonrennen für durchaus abwechslungsreiche Sonntage gesorgt. Vor zwei Wochen in China wurde so oft überholt wie noch nie in der Formel 1. 161 Positionswechsel zählte das Portal "Clip the Apex". Vor neun Jahren waren es in Schanghai gerade einmal 38 gewesen.

Überholt soll ja nicht nur die Formel 1 sein, sondern der gesamte Motorsport, urteilen Kritiker. Dagegen spricht, dass der Welt-Automobilverband am vergangenen Wochenende einen der größten Erfolge der vergangenen Jahre vermelden durfte. Um den Globus gingen Bilder mit Rennautos, die vor vollen Tribünen mitten durch Paris düsten. Die vollelektrische Formel-E-Serie feierte in Frankreichs Hauptstadt Premiere und machte dabei erstmals wirklich ihr Versprechen wahr, mit dem sie im Vorjahr angetreten war: den Motorsport ganz nah zu den Fans zu bringen.

Der nur 1,9 Kilometer lange Rundkurs führte vorbei am Invalidendom, der Grabstätte Napoleons. Als imposantes Fotomotiv diente der Eiffelturm, keine zwei Kilometer entfernt von der Strecke. "Das war das beste Rennen bisher", sagte Formel-E-Chef Alejandro Agag: "Das war der Beweis, dass wir den Rennsport wirklich in die Herzen der Städte bringen können. Das ist ein Wendepunkt."

Allee statt Airport

Die Hatz durch das Pariser Zentrum soll kein Einzelfall bleiben. Bereits der nächste Stopp der Formel E bietet eine ähnlich spektakuläre Kulisse. Der ePrix in Berlin am 21. Mai findet nicht wie im vergangenen Jahr am Flughafenareal Tempelhof statt, sondern in der Karl-Marx-Allee nahe Alexanderplatz und Berliner Fernsehturm.

Während die Formel 1 in Russland im künstlich angelegten Olympiapark von Sotschi ihre Runden dreht, kann Staatspräsident Wladimir Putin die Formel-E-Boliden vom Kreml aus verfolgen.

Freilich lässt sich weder der Rote Platz noch die Berliner Innenstadt für mehrere Tage sperren, um ein bisschen im Kreis zu fahren. Daher drückt die Formel E aufs Tempo: Zwei Trainingsläufe am Vormittag, Qualifikation zu Mittag, Rennen am Nachmittag. Nach einem Tag ist der Zirkus auch wieder vorbei. Für Fahrer und Fans gibt es weder Verschnaufpausen noch Leerläufe.

Auffällig unauffällig ist auch das Reglement: Im Qualifying fahren die schnellsten fünf Piloten am Ende nacheinander eine Runde um die Poleposition; im Rennen ist ein Boxenstopp Pflicht, bei dem die Autos getauscht werden müssen. Die Batterien der E-Autos sind (noch) nicht leistungsfähig genug für ein komplettes Rennen.

Lächerlich nennen Benzinbrüder die Kraft aus der Steckdose. Doch auch der Treibstoff ist kein Wunderelixier für rasante Dauerläufe. Vor wenigen Wochen stellte Bugatti seine neueste Rakete vor. Der Chiron ist 1500 PS stark und wird 420 km/h schnell. Nur: Im Vollgas-Modus ist der 100-Liter-Tank nach acht Minuten leer.

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