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Sport Motorsport
07/03/2021

Formel-1-Star Alonso: "Wenn man jung ist, ist man aggressiver"

Der zweifache Weltmeister sprach in Spielberg über sein Comeback, über seine Träume und darüber, wie er sich verändert hat

von Florian Plavec

Fernando Alonso kommt ins Schwärmen, wenn er über die Vielfalt das Motorsports spricht. 320 Rennen in der Formel 1 ist der Spanier gefahren, jedes zehnte davon hat er gewonnen. Er ist zweifacher Weltmeister und beendete die Rallye Dakar im Vorjahr bei seiner Premiere auf Rang 13. Sein sportlicher Traum ist die „Triple Crown“. Nach Siegen in Monte Carlo und bei den 24 Stunden von Le Mans fehlt Alonso dazu nur noch der Triumph beim Indy 500. Im Jahr 2017 war er in Indianapolis 27 Runden lang in Führung gelegen, dann stoppte ihn ein Motorschaden.

Nach zwei Jahren Formel-1-Pause kehrte Alonso bei Alpine (früher Renault) heuer in die Formel 1 zurück. In Spielberg sprach der 39-Jährige über ...

... seine Rückkehr

Es war, wie ich es erwartet habe – nicht leicht. Die Formel 1 ist physisch sehr anstrengend, dafür musste ich natürlich trainieren. Dazu kommt, dass ich bei einem neuen Team war. McLaren und Renault haben andere Arbeitsabläufe, das Lenkrad ist ganz anders konfiguriert, das muss man alles erst einlernen. Aber ich habe schnell wieder das Vertrauen gefunden und fühle mich jetzt richtig glücklich im Team. Meine Leistung ist auch besser als in den ersten paar Rennen.

... Herausforderungen

Ich bin seit meinem Comeback mit diesem Auto noch keine einzige Runde im Regen gefahren. Sollte es am Sonntag nass sein, wäre das sehr stressig. Hier die Grenzen zu finden, ist dann fast unmöglich.

... seine Entwicklung

Mit der Erfahrung wird man ein besserer Fahrer. Wenn man jung ist, ist man aggressiver und es geht einzig um den Sieg im Rennen. Jetzt fokussiere ich mich auf das ganze Wochenende. Ich glaube, dass ich mich in Bezug auf meine Rundenzeiten nicht verändert habe. Ich bevorzuge aber den Fernando von 2021, ich sehe die Dinge mehr als Ganzes. Das habe ich als junger Fahrer noch nicht gekonnt.

Der Spanier Fernando Alonso ist nicht der einzige Weltmeister der Formel 1, der eine Pause eingelegt hat.  

Juan Manuel Fangio (1911–1995) musste unfreiwillig pausieren, nachdem er bei einem Unfall 1952 in Monza aus dem Auto geworfen wurde. Der Argentinier verpasste alle Rennen 1952 und kehrte 1953 zurück. Von 1954 bis 1957 holte er vier weitere seiner fünf Titel.

Niki Lauda (1949–2019) hatte nach zwei WM-Titeln 1979 keine Lust mehr „blöd im Kreis zu fahren“. Er gründete seine Fluglinie – und brauchte wieder Geld. 1982 stieg er ins Cockpit von McLaren, 1984 wurde er ein drittes Mal Weltmeister.

Alan Jones (*1946) wurde 1980 auf Williams Weltmeister. Das Comeback des Australiers 1983 war aber nur mäßig erfolgreich.

Alain Prost (*1955) holte 1985, 1986 und 1989 drei WM-Titel. 1992 legte er ein Jahr Pause ein und sicherte sich einen Vertrag für Williams mit der Klausel, dort nicht auf Ayrton Senna als Teamkollegen zu treffen. Tatsächlich wurde Damon Hill ab 1993 Prosts Partner – und der Franzose gewann Titel Nummer 4.

Nigel Mansell (*1953) wurde 1992 mit dem überlegenen Williams Weltmeister, doch die Verhandlungen für 1993 scheiterten, da Williams Prost verpflichtet hatte, was der Brite nicht akzeptierte. 1994 stieg Mansell dann ins Cockpit von Williams für den tödlich verunglückten Senna. 1995 versuchte er es noch einmal bei McLaren – doch das Cockpit war zu klein, oder Mansell bereits zu breit.

Jacques Villeneuve (*1971), Weltmeister von 1997, stand Ende 2003 ohne Cockpit da. Für die letzten drei Rennen 2004 kehrte der Kanadier  mit Renault zurück, danach fuhr er noch zwei (erfolglose) Jahre bei Sauber.

Sieben Titel gewann Michael Schumacher (*1969), nach drei Saisonen kehrte er 2010 für Mercedes zurück. In drei Jahren war ein dritter Platz sein bestes Ergebnis.

Kimi Räikkönen (*1979) gewann 2007 den bisher letzten WM-Titel für Ferrari. Zwei Jahre setzte er aus, seit 2012 ist er wieder Teil der Formel 1.

... Hoffnungen für Spielberg

Ich bin noch nie zuvor zwei Rennen in Folge auf derselben Strecke gefahren. Das eröffnet uns Chancen, wir konnten einiges am Auto verändern. Wenn es aber trocken bleibt, wird das Rennen wahrscheinlich eine Wiederholung von letzter Woche.

... Zukunftsträume

Ich denke noch immer an die Triple Crown. Das Indy 500 ist ein ganz besonderes Rennen. Dieser Traum ist noch nicht vorbei, aber er hat im Moment keine Priorität. Nach meiner Formel-1-Karriere werde ich bestimmt wieder die Dakar fahren. Das war eine tolle Erfahrung und ich gehe davon aus, dass ich die Rallye auch im Alter noch viele Jahre fahren kann.

... neue Regeln

Ab 2022 wird fast alles anders und ich hoffe, dass die Teams zusammenrücken werden. Die Aerodynamik wird neu reglementiert, die Turbulenzen hinter den Autos werden sich komplett verändern. Dadurch sollte das Hintereinanderfahren leichter werden.

... Dominatoren

Die vergangenen Jahre Formel 1 waren geprägt von dominanten Teams. Zuerst war Ferrari kaum zu schlagen, dann kam die Ära von Red Bull und zuletzt war Mercedes immer vorne. Wenn ein Team clever war und die richtige Philosophie bei der Entwicklung hatte, dann war es kaum einzuholen. Die anderen Teams kopieren dann, aber die Kopie ist nie so gut wie das Original, während sich die Dominatoren weiterentwickeln. Das wird erst durch ein neues Regulativ durchbrochen.

... Gesundheit

Nach dem Fahrradunfall im Februar wurde mir eine Titanplatte im Kiefer eingesetzt. Das stört mich jetzt nicht mehr, aber die Platte muss im Dezember entfernt werden. Weihnachten wird heuer also etwas anders werden. Ich werde Diät halten müssen.

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