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Sport Motorsport
07/03/2020

Formel 1 in Spielberg: Die Millionenshow im Ausnahmezustand

Zum Auftakt der Saison auf dem Red Bull Ring müssen Fehler unter allen Umständen vermieden werden. Zehn Fragen, zehn Antworten

von Florian Plavec

5. Juli, Grand Prix von Österreich. Normalerweise ein Rennen mitten in der Saison, diesmal der Start in das wohl ungewöhnlichste Jahr der Formel-1-Geschichte. Interessierte aus aller Welt blicken auf das erste große internationale Sportereignis nach der Corona-Pause. Folgendes gilt es vor den beiden Rennen in Spielberg (ein zweiter Grand Prix findet am 12. Juli statt) zu wissen.

  • Wie wirken sich die Corona-Maßnahmen aus?

Während im restlichen Österreich die Normalität (fast) wieder zurückgekehrt ist, wurde der Red Bull Ring zur Hochsicherheitszone. Zuschauer sind nicht zugelassen, insgesamt dürfen nur rund 3.000 Leute an die Strecke. Jedes Team darf aus höchstens 80 Mitarbeitern bestehen. Soziale Interaktionen sind streng limitiert, die Mechaniker tragen Masken und müssen Abstand halten. Es gibt ein detailliertes Hygienekonzept, laufend Corona-Tests, und die Teams bleiben in ihren „Blasen“ unter sich. Unterschieden wird in „Profil 1“-Personen (mit viel Interaktion) und „Profil 2“-Personen, die sich an Stellen aufhalten, wo weniger Menschen sind, zum Beispiel Streckenposten. Profil-1-Menschen sind besonders gefordert und dürfen etwa am Abend ihre Hotels nicht verlassen.

  • Und daran werden sich alle halten?

Davon ist auszugehen. „Die ganze Formel 1 ist sich ihrer Verantwortung bewusst“, sagt Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Die Formel 1 ist ein Millionenunternehmen, ein Fehler, wie bei der Adria-Tour der Tennisprofis wäre nicht nur ein PR-Desaster, sondern könnte die gesamte Saison gefährden. Die Vorsichtsmaßnahmen gehen so weit, dass Toto Wolff und die Fahrer Lewis Hamilton und Valtteri Bottas fast zwei Wochen in ihren Motorhomes auf der Rennstrecke verbringen und den Red Bull Ring gar nicht verlassen werden. Nach den beiden Rennen (5. und 12. Juli) reist der gesamte F1-Tross in Autos oder Charter-Flugzeugen nach Budapest, wo am 19. Juli das dritte Saisonrennen gestartet wird.

  • Was passiert, wenn es positive Fälle gibt?

Betroffene würde man isolieren, das Rennen trotzdem starten. Jedes Team hat einen Ersatzfahrer, der sofort einspringen könnte.

FREITAG (3. Juli):
 9.35: Training Formel 3
11.00: 1. Freies Training Formel 1
12.55: Training Formel 2
14.05: Qualifying Formel 3
15.00: 2. Freies Training Formel 1
17.00: Qualifying Formel 2
17.55: Training Porsche Supercup

SAMSTAG (4. Juli):
10.25: 1. Rennen Formel 3 (24 Runden)
12.00: 3. Freies Training Formel 1
13.30: Qualifying Porsche Supercup
15.00: Qualifying Formel 1
15.45: 1. Rennen Formel 2 (40 Runden)

SONNTAG (5. Juli):
 9.45: 2. Rennen Formel 3 (24 Runden)
11.10: 2. Rennen Formel 2 (28 Runden)
12.25: Rennen Porsche Supercup (17 Runden)
13.20: Formel-1-Pilotenpräsentation
14.54: Luftshow und Nationalhymne
15.10-17.10: Formel 1 Grand Prix von Österreich (71 Runden oder 120 Minuten)

Streckendaten Red Bull Ring:
Länge: 4,318 km
Kurvenanzahl: 10
Seehöhe: 677 m
Höhenunterschied: 65 m
Maximale Steigung: 12 Prozent
Maximales Gefälle: 9,3 Prozent
Breite der Strecke: 12-13 m
Rundenrekord: 1:06,957 Min. (232,160 km/h Schnitt) Kimi Räikkönen
(FIN) 2018

  • Wie viele Journalisten sind beim Rennen?

Normalerweise sind 500 bis 600 internationale Fotografen und Journalisten bei der Formel 1 in Spielberg. Diesmal wurden nur zirka 25 Fotografen und 20 Journalisten vom Automobilweltverband FIA akkreditiert.

  • Welche Chancen haben Zaungäste?

Geringe. Die Polizei legt besonderes Augenmerk auf Fans, die versuchen, auf das Gelände zu kommen. Bei den Checkpoints werden nur Anrainer und Akkreditierte durchgelassen. „Da wird nichts zu sehen sein“, sagt ein Sprecher der Polizei.

  • Es sind erst acht Rennen fixiert. Wie viele wird es heuer geben?

Es ist davon auszugehen, dass die Saison mit Rennen in Bahrain und danach in Abu Dhabi vermutlich am 29. November enden wird. Fix scheint, dass dazwischen der Große Preis von China in Schanghai ausgetragen wird. Im Gespräch sind Rennen in Mugello und Imola (Italien), Hockenheim (Deutschland) und Portimão (Portugal). Die Grands Prix von Singapur, Japan, Mexiko, Brasilien, oder USA werden wohl gestrichen. Die Bosse der Formel 1 streben mindestens 15 Grands Prix an. Damit wären die Vertragspflichten erfüllt und der Großteil der vereinbarten Beträge von TV-Partnern und Sponsoren können fließen.

  • Wird es wieder ein Solo zum Weltmeistertitel für Lewis Hamilton?

Das ist nicht anzunehmen. Zwar bleibt der Engländer Favorit und könnte mit seinem siebenten WM-Titel mit Michael Schumacher gleichziehen. Doch Red Bull scheint noch näher an Mercedes herangerückt zu sein. Max Verstappen hat 2018 und 2019 auf dem Red Bull Ring gewonnen, wo sein Auto immer gut funktioniert hat. Gerade in den ersten beiden Rennen 2020 führt der Sieg über den Niederländer. Sollte Verstappen (22) den Titel holen, wäre er der jüngste Weltmeister der Formel 1 noch vor dem Deutschen Sebastian Vettel (23 Jahre und 134 Tage).

  • Und was ist mit Ferrari?

Charles Leclerc gilt als Weltmeister der Zukunft. Doch vorerst scheint die Scuderia hinter Mercedes und Red Bull nur die Nummer 3 zu sein. „Unser Ziel ist es, dass die Updates beim dritten Rennen auf dem Hungaroring eingeführt werden“, sagt Teamchef Matteo Binotto.

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  • RTL hat die Rechte an der Formel 1  verloren. Wie schaut es mit dem ORF aus?

Auch der ORF-Vertrag läuft Ende 2020 aus. Es scheint aber fix, dass die Formel 1 ab 2021 in Österreich weiterhin im Free-TV zu sehen sein wird. ServusTV wird sich wohl die Rechte sichern. Wahrscheinlich ist, dass ORF und ServusTV ab 2021 die Rennen abwechselnd übertragen werden. Der Grand Prix von Österreich soll von beiden ausgestrahlt werden.

  • Was bringt die Zukunft?

Ab 2023 rein synthetisch hergestellten Kraftstoff. Dieser kann laut  FIA auf biologischen Abfällen aufbauen oder durch chemische Verfahren aus Wasserstoff und Kohlendioxid gewonnen werden. „Es dürfen auch völlig neue Ansätze dabei sein, die wir noch nicht auf dem Schirm haben“, sagt Gilles Simon, der Motorenchef der  FIA. Pro Saison benötigt die Formel 1 für Rennen, Testfahrten und Prüfstandsläufe rund eine Million Liter Kraftstoff. „Das hört sich viel an, ist aber tatsächlich eine sehr kleine Menge. Diese zu produzieren wäre kein Problem.“ Derzeit kostet ein Liter Formel-1-Kraftstoff rund 200 Dollar. Der neue Sprit wird zumindest nicht teurer sein.

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