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Sport Motorsport
07/02/2020

Klien über Formel-1-Start: "Mir ist fast der Kopf abgefallen"

Der ehemalige Formel-1-Fahrer erklärt, welche Herausforderung nach der langen Pause am Freitag in Spielberg auf die Piloten zukommt.

von Florian Plavec

Mehr als vier Monate liegen die Testfahrten in Barcelona bereits zurück. Am Freitag werden die Stars der Szene auf dem Red Bull Ring erstmals wieder in ihre Autos steigen. Christian Klien weiß noch wie es sich anfühlt, einen Formel-1-Boliden zu steuern. Er fuhr von 2004 bis 2006 für Jaguar bzw. Red Bull Racing und war im Jahr 2010 der letzte Österreicher, der (im HRT) einen Grand-Prix absolvierte.

Derzeit bereitet sich der 37-jährige Vorarlberger auf die Saison in der GT-Open-Serie vor, die im August beginnt. Zuvor wird er am Wochenende die Rahmenrennen für den ORF aus dem Studio in Wien kommentieren. Denn eine Akkreditierung gab es wegen der Corona-Maßnahmen auch für Klien keine.

KURIER: Wenn ein Fußballer ein paar Wochen nicht spielt, spricht man von fehlender Matchpraxis. Wie ist das bei einem Formel-1-Fahrer?

Christian Klien: Es ist tatsächlich ungewöhnlich, dass nach den Wintertests so lange nicht gefahren wird. Die Teams durften die aktuellen Autos seitdem nur einen Tag lang bewegen, am offiziellen Film-Tag. Da sind sie die Piloten ein paar Runden gefahren, das hilft natürlich. Aber es ist bei einem Rennfahrer so, dass er sich ins Auto setzt und es fühlt sich sofort total normal an. Der Rost fällt extrem schnell ab.

Warum geht das so schnell?

Jeder dieser Piloten sitzt von klein auf im Rennauto. Wie es sich anfühlt, ein Auto am Limit zu bewegen, diese ganzen Abläufe, ... das ist total verinnerlicht. Ich war selbst verblüfft, als ich zuletzt bei den Tests auf dem Nürburgring war. Ich dachte, jetzt braucht es vielleicht einen halben Tag, bis ich wieder mit hundert Prozent an die Sache herangehen kann. Aber nach den ersten Runden war es so, als ob es keine Pause gegeben hätte.

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Manche Fahrer haben zu Hause am Simulator geübt.

Ja. Sogar Sebastian Vettel hat sich einen Simulator für zu Hause zugelegt. Das hilft vor allem, den Geist fit zu halten. Denn ein großer Teil des Rennfahrens ist eine mentale Angelegenheit. Man muss den Fokus eine lange Zeit aufrechterhalten. Dafür eignet sich das Trockentraining gut. Man kann dort verschiedene Abläufe üben, Starts, Boxenstopps oder die Qualifikation, wo der Druck auf einer Runde lastet. Aber es gibt keinen Simulator auf der Welt, der echtes Fahrgefühl vermittelt und die enorme Geschwindigkeit, die man im Renncockpit miterlebt.

Und es fehlt die körperliche Belastung.

Genau. Das wird in Spielberg die Herausforderung sein. Der Mittelteil des Red Bull Rings hat schnelle Kurven mit extremen Fliehkräften. Die Nackenmuskulatur ist aber sehr schwer zu trainieren, denn das sind ganz feine Muskelstränge. Bei mir war es immer so: Wenn ich nach zwei Monaten zu den Wintertests wieder ins Auto gestiegen bin, ist mir fast der Kopf abgefallen.

Wie behelfen sich die Fahrer?

Man kann sich zwischen Helm und Cockpitwand etwas hinkleben, um den Kopf anzulehnen. Grundsätzlich hat man aber in Social Media gesehen, dass die Fahrer so viel trainiert haben, wie nie zuvor. Denn jetzt hatten sie wirklich genug Zeit für die Aufbauarbeit.

Es wird also nicht mehr Fahrfehler geben?

Es spielt sich nur im Zehntelsekundenbereich ab, wenn einer nicht den Scheitelpunkt einer Kurve trifft. Es ist aber möglich, dass sich gegen Ende des Rennens Fehler einschleichen, wenn die konditionelle Komponente dazu kommt.

Manche Fahrer haben in Formel-3-Autos trainiert. Bringt das was?

Das ist im Vergleich zur Formel 1 ein Spielzeug. Formel-3-Autos haben zirka 250 PS. Das ist im Vergleich zur Formel 1 nichts. Ich spreche aus Erfahrung, ich bin von der Formel 3 direkt in die Formel 1 gesprungen und das waren Welten. Da gehen dir die Augen auf. Am Anfang konnte ich nicht mehr als acht Runden am Stück fahren, weil ich so fertig war. Aber für die aktuellen Fahrer geht es eher darum, ein Gefühl für das Rennfahren zu bekommen.

Im Sommer gibt es Rennen im Wochenrhythmus. Was bedeutet das für die Fahrer?

Als Fahrer hat man nach dem Rennen und den Interviews trotzdem frei. Jede Woche ein Rennen zu fahren, ist kein Problem. Stressig wird es für alle anderen Mitarbeiter. Die haben ein hartes Programm.

Was ist von dieser Saison zu erwarten?

Sie wird außergewöhnlich. Schauen wir einmal, wie viele Rennen es wirklich geben wird. Aber es wird eine kurze Saison, in der man sich kaum Fehler erlauben darf. Es kommt extrem auf die Konstanz an, dass man von jedem Rennen gute Punkte mitnimmt. Wer die wenigsten Fehler macht, hat am Ende die größten Chancen.

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