Sport | Motorsport
23.04.2012

Die Welt des Bernie Ecclestone

Trotz anhaltender Proteste hat Ecclestone die Formel 1 nach Bahrain gelenkt. Ein Psychogramm des 81 Jahre alten Engländers.

Vor Bernie Ecclestone sind alle gleich. Rennfahrer, Politiker, Reporter und Könige. Wer dem 81 Jahre alten Boss der Formel 1 auf Augenhöhe begegnen will, der muss in die Knie gehen. Das liegt längst nicht nur an der Statur des 1,60 Meter kleinen Engländers.

Die Art und Weise wie Ecclestone die Mächtigen und Reichen seit Jahrzehnten vor sich hertreibt und die Rennserie zur teuersten des Planeten geformt hat, sucht Ihresgleichen in der Welt des Sports.

Erst in den letzten Tagen und Wochen hat Ecclestone seine – zum Teil fragwürdigen – Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Bis auf wenige Ausnahmen, wie etwa den Bezahl-TV-Sender Sky, hat der Formel-1-Zirkus seine Zelte in Bahrain aufgeschlagen.

In dem krisengeschüttelten Wüstenstaat, in dem die mehrheitlich schiitische Bevölkerung gegen die Unterdrückung der sunnitischen Herrscherfamilie protestiert, wird am Sonntag der vierte Lauf der Formel-1-WM über die Bühne gehen (Start: 14 Uhr MESZ).

Erst am Mittwoch kam es in der Hauptstadt Manama erneut zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Darin verwickelt waren auch vier Mechaniker des Formel-1-Rennstalls Force India, ein Mitarbeiter trat danach die Heimreise an.

Keine Option

Eine Absage steht dennoch nicht zur Debatte. "Würde ich das Rennen absagen, würde ich vertragsbrüchig", lautet Ecclestones knapper Kommentar. Bei einem erneuten Ausfall des Grand Prix würde Ecclestones Imperium nicht nur um die Antrittsgage von rund 30 Millionen Euro kommen, der Formel-1-Gesellschaft drohe zudem eine millionenschwere Klage des Ausrichters. Eine Option, die in der Welt von Bernie Ecclestone keinen Platz hat.

Zumindest die Scheu vor der Konfrontation kann man dem viertreichsten Briten (rund fünf Milliarden Euro) nicht vorwerfen. Der schrullig anmutende Geschäftsmann wird auch im Fahrerlager in Bahrain aus seiner verdunkelten Mercedes-Limousine steigen, verfolgt von einer Schar aus Journalisten ein paar kurze wie knackige Statements zur aktuellen Lage in die Mikrofone stammeln und eiligen Schrittes in seinem mobilen Büro verschwinden.

Zeit ist Geld. Der Spruch darf auch als Ecclestones Lebensmotto verstanden werden. Ein für fünfzehn Minuten anberaumtes Gespräch dauert im Normalfall zehn; kaum ein Tag soll vergehen, an dem der 81-Jährige nicht arbeitet, sagen seine Angestellten, die Ecclestone nur Mister E. nennen. Auch nach über fünfzig Jahren in der Formel 1 hat der einstige Gebrauchtwagen-Händler am liebsten alles selbst im Blick.

"Delegieren ist die Kunst, das Zweitbeste zu akzeptieren", sagt er. Einen knackigen Sager trägt Ecclestone immer auf den Lippen. Ob unappetitlich ("Adolf Hitler? Er hat Dinge erledigt") oder typisch britisch: Auf die Frage, wie viele Leute bei seinem damaligen Team Brabham arbeiten, antwortete er: "Etwa die Hälfte."

Finanzen

Weit wortkarger gibt sich Ecclestone, wenn es um das Geschäft geht. Über das Innenleben seiner weitverzweigten Gesellschaft ist so gut wie nichts bekannt. Biografen hält er auf Distanz, seine Autobiografie erscheine einen Tag nach seinem Tod, "die ersten Exemplare gehen an das Finanzamt."

Im Zuge des Verkaufs der Formel-1-Rechte im Jahr 2007 drohte Ecclestones Privatstiftung in Liechtenstein von der britischen Finanz durchleuchtet zu werden. 2,5 Milliarden Euro seien dabei auf dem Spiel gestanden, gab Ecclestone vor Monaten in einem Gerichtsverfahren zu Protokoll: "Es wäre ein Desaster für mich gewesen. Nicht einmal meine Armbanduhr wäre mir geblieben."

Auch diese Affäre überstand Ecclestone ohne finanziellen Schaden, sie verstärkte noch das Bild des gewieften Managers, der immer am Rande der Legalität wirtschaftet. Dazu passt der Klingelton seines Handys: die Titelmelodie des Western-Films The Good, the Bad and the Ugly – deutscher Titel: Zwei glorreiche Halunken

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