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02.04.2018

Die Königsklasse arbeitet an ihrem Überholproblem

Der Grand Prix von Australien hat unterstrichen - Überholmanöver sind auch 2018 eine Seltenheit.

Die Formel 1 hat ein Überholproblem: Beim ersten Rennen der neuen Saison in Australien bekamen die Fans nur eine Handvoll Überholmanöver zu sehen, selbst Valtteri Bottas im überlegenen Mercedes hatte große Schwierigkeiten, sich an den Mittelfeld-Boliden vorbeizuarbeiten. Und sein Teamkollege Lewis Hamilton fand gut 30 Runden lang keinen Weg vorbei an Sebastian Vettel, obwohl der Ferrari nicht mit dem Silberpfeil mithalten konnte.

Mittlerweile ist auch den Entscheidungsträgern im Grand-Prix-Zirkus bewusst geworden, dass die Königsklasse vor einem Problem steht. Denn im Vergleich zu anderen Rennserien, wie MotoGP oder Formel E, lassen die Rennen der Formel 1 durchaus an Spannung zu wünschen übrig. Das führt dazu, dass mittlerweile auch die - eigentlich bei den Fans gut angekommene - aktuelle Generation von Boliden in Frage gestellt wird.

Mit der Saison 2017 wurden die Formel-1-Renner breiter, der aerodynamische Anpressdruck wuchs aufgrund der neuen Flügeldimensionen beträchtlich und die Kurvengeschwindigkeit gleich mit. Den Nachteil der spektakulär aussehenden Rennwagen ahnten Fahrer und Fans gleichermaßen voraus: Das Überholen wurde im Vergleich zu früher noch schwieriger, weil die komplexe Aerodynamik empfindlich auf Luftverwirbelungen reagiert, wie sie bei dichtem Hinterherfahren entstehen.

"Es gibt eine Balance

Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo ortet noch ein ganz anderes, simples Problem. "Die breiten Autos mit den breiten Reifen nehmen ganz schön viel Platz auf der Strecke ein", meint der Australier. "Ich denke, die schmäleren Autos waren großartig. Du konntest hinterherfahren, du konntest vorbeikommen. Was das Überholen angeht, war 2014 gut, denke ich."

Für ihn geht es daher um die Grundphilosophie, der die Formel 1 in den künftigen Jahren folgen soll. "Wollen wir Autos sehen, die schnellere Zeiten fahren, aber am Sonntag nicht racen können? Oder wollen wir langsamere Autos, aber dafür Racing? Klar, es muss immer noch schnell sein, aber es gibt eine Balance."

Auf der Suche nach dieser Balance ist mittlerweile auch F1-Eigentümer Liberty Media. Im Auftrag der Amerikaner kümmert sich der frühere Ferrari- und Mercedes-Rennchef Ross Brawn um die Entwicklung des technischen Reglements für den Zeitraum ab 2021. Dann sollen umfassende Regeländerungen greifen.

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Auf dem Weg dorthin sollen schon in den noch ausstehenden zwei Saisonen erste Maßnahmen gesetzt werden. "Der Frontflügel ist sicher ein Bereich, der sensibel ist. Aber es ist nicht der einzige Bereich. Da sind die ganzen Flügel und Leitbleche hinter den Vorderrädern, und es gibt Bereiche am Heck, die auch sehr empfindlich sind." Ein Ansatz wird daher sein, die Aero-Elemente in diesen Bereichen zu reduzieren, um die Empfindlichkeit zu senken.

"Wir sehen uns das ganze Paket an, und ich denke nicht, dass wir ein Stück abschneiden sollten, ohne zu wissen, was das für Folgen hat." Stattdessen suche man einen ganzheitlichen Lösungsansatz. "Wir versuchen, das Ganze strukturiert anzugehen. Und das wird die Lösung sein, die wir für 2021 umsetzen werden.