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Sport | Motorsport
07/01/2019

Die Formel 1 in Spielberg: Kurven, Könner und Kritik

Der GP von Österreich zeigte am vergangenen Wochenende viele Gesichter. Am Ende überwogen die schöneren.

Der Grand Prix von Österreich in Spielberg. Das war nicht nur ein rasantes Rundendrehen, sondern ein großes Fest. Mit vielen Gewinnern, aber auch Verlierern.

Laudas Andenken

Geschmackvoll und nicht übertrieben, zurückhaltend und doch sichtbar. Mit der Ausstellung zweier Rennautos, einer Fotogalerie und anderen Aktionen wurde dem verstorbenen Österreicher ebenso gedacht wie mit einer Choreografie mit roten Kappen. Und am Sonntag bekam Niki Lauda auch „seine“ Kurve wieder zurück.

Max Verstappen

Was für ein Rennen! Der Niederländer bewies mit einer Meisterleistung, weshalb er als einer der besten Fahrer dieses Jahrzehnts gilt. Nach verpatztem Start pflügte er sensationell durchs Feld und war Hauptakteur in einem spannenden Grand Prix.

Formula 1 World Championship 2018

+ Verkehrskonzept

Natürlich: Wenn 90.000 Menschen mit 14.400 PKW fast zeitgleich ein Gelände über zwei Autobahnauffahrten verlassen, muss es zu Staus kommen. Großteils haben die Organisatoren die Verkehrssituation aber gut in Griff gehabt.

Oranje!

Mehr als 20.000 Fans reisten wegen Max Verstappen an. Sie bevölkerten die Campingplätze rund um die Strecke und färbten die Tribünen orange. Stets (feucht-)fröhlich, fanatisch, aber nie aggressiv. Sie wurden belohnt. Das friedliche Miteinander aller Fans in Spielberg sollte so manch anderer Sportveranstaltung Vorbild sein.

+ Wanda

Eigentlich ist die Wiener Band die Antithese zur glänzenden Formel 1. Räudig, schmuddelig und alles andere als glamourös. Von den meisten unerkannt konnten Sänger Marco Michael Wanda und Kollegen am Nachmittag im Fahrerlager im Schatten der Trucks hocken und motiviert Bier trinken. Samstagabend aber kämpfte Wanda beim Gratis-Konzert vor einem skeptischen und müden Publikum um jeden Fan – und gewann. Amore!

- Hitze

Blauer Himmel, gut und schön. Aber das war zu viel des Guten. Bis zu 33 Grad zeigte das Thermometer während des Rennens am Sonntag. Auf den Tribünen saßen die Menschen in der prallen Sonne. Andere suchten etwas Abkühlung und legten sich in den Wald. Für nächstes Jahr wünschen wir uns ein paar Wolken und Regentropfen. Das könnte zudem das Rennen noch spannender machen.

- Strecke

Der Red-Bull-Ring ist zweifellos attraktiver als die Strecke in Le Castellet und liegt wunderschön eingebettet in der Landschaft. Doch irgendetwas fehlt. So hat der Kurs nur zehn Kurven, so wenig wie kein anderer im Rennkalender. Sebastian Vettel: „Die Strecke könnte etwas länger sein.“ Der Vorteil der kurzen Strecke ist aber, dass die Zuschauer die Autos 71 Mal vorbeifahren sehen und nicht nur 44 Mal wie etwa im belgischen Spa.

- Regelhüter

So ein tolles Rennen – und dann wissen die Fans mehr als drei Stunden nicht, wer gewonnen hat, weil Verstappen und Leclerc zu den Stewards zitiert wurden. Sicherheit und Fairness, das ist die eine Seite des Rennsports. Andererseits scheint es, dass die Regelhüter der Formel 1 in zuletzt vie zu oft eingriffen. Ein Chaos gab es auch am Samstag: Lewis Hamilton fuhr auf Startplatz 2. Zwei Stunden später wurde der Brite bestraft und auf Rang 5 zurückversetzt. Letztlich startete er von Platz 4 – es schien, als würde sich nicht einmal mehr die FIA auskennen.

- Robert Kubica

Im 1006. Rennen der Formel 1 kamen erst zum 9. Mal alle Autos ins Ziel. Auf den letzten Platz im Fahrerfeld hat Robert Kubica ein Abonnement. Der Pole hatte drei Runden Rückstand und ist mit seinem lädierten Arm nicht mehr fit genug für die schnellste Rennserie.