Leclerc und Verstappen.

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Sport | Motorsport
07/01/2019

Spielberg-Krimi: "Spätes Ende ist des Sports nicht würdig"

Der Sieg von Verstappen war erst drei Stunden nach Rennende fixiert. Die Reaktionen der internationalen Presse.

Nach drei Tagen aufregendem Racing hat der Formel-1-Grand-Prix von Österreich mit einem kleinen Wermutstropfen geendet. Erst dreieinhalb Stunden nach Rennschluss wurde am Sonntag Max Verstappen als Sieger bestätigt, womit es wie im Vorjahr einen Heimsieg für Red Bull gab. Für Ferrari ist das beanstandete Überholmanöver Verstappens gegen Charles Leclerc ein Vergehen, Einspruch gibt es aber keinen. Internationale Medien kommentierten das Rennen wie folgt:

Großbritannien

  • The Guardian:

"Die beiden jungen Aufsteiger der Formel 1 (Anm.: Max Verstappen und Charles Leclerc), beide 21 Jahre alt, hatten das, was ein weiterer banaler Sieg von der Spitze hätte sein können, zu einer aufregenden Fahrt erhoben. Die Formel 1 brauchte einen Motivationsschub, und die Jungen haben genau das geliefert. In ihrem Windschatten wurde die ältere Garde zu Nebendarstellern."

  • The Independent:

"Mit dem Sieg des Großen Preises von Österreich hat Max Verstappen eines der bemerkenswertesten Comebacks der jüngsten Formel-1-Geschichte hingelegt. Angefeuert von seiner großen niederländischen Fangemeinde hat der Red-Bull-Fahrer in einem drückend heißen Spielberg Charles Leclerc den ersten Sieg seiner Karriere verwehrt, indem er zwei Runden vor dem Ende an dem jungen Ferrari-Fahrer vorbeizog."

Deutschland

  • Bild-Zeitung:

"Wenn Sie beim Formel-1-Rennen in Österreich den Fahrer im silbernen Rennanzug oben auf dem Podium nicht gefunden haben, sind Sie nicht etwa farbenblind - es hat 2019 zum ersten Mal kein Mercedes-Pilot gewonnen. Max Verstappen (21) ist beim Heimrennen von Red Bull in Spielberg nicht zu stoppen. Der Holländer startet schlecht und fällt auf Platz sieben zurück, kämpft sich dann in einem Höllenritt bei über 30 Grad durchs halbe Feld zum Sieg."

  • Süddeutsche:

"Viele schnelle Geraden, wenig Kurven, dazu Temperaturen, bei denen sich Elefanten in der afrikanischen Steppe ins Wasserloch stürzen. Und die Scuderia hatte ihre Frontflügel so modifiziert, dass sie endlich mehr Abtrieb in den Kurven gefunden hatte. Nach acht Mercedes-Siegen in acht Rennen wirkte die frische Landluft in der Steiermark, wo mitunter ein würzig-strenger Geruch von den Kuhweiden rüberweht, auf die ganze Formel 1 nicht nur belebend, sondern fast schon wiederbelebend."

Italien

  • La Repubblica:

"Es ist ein wilder und schöner Kampf zwischen den beiden Jungen, beide 21 Jahre alt, der neuen Generation der Formel 1, auf dem Red Bull Ring. So wild und schön gar, dass das Überholmanöver des Holländers gegenüber dem Monegassen, in der 69. von 71 Runden untersucht wurde: die beiden Fahrer wurden von den Richtern gerufen, und nach langem Warten wurde die Reihenfolge ihrer Ankunft bestätigt."

Spanien

  • Marca:

"Es ist das dritte Mal in diesem Jahr, dass Ferrari das schnellste Fahrzeug auf dem Platz hat und es letztlich nicht schafft, seinen ersten Sieg für 2019 einzufahren. War in Bahrain der Motor schuld und in Kanada eine Zeitstrafe für Vettel, so war es in Österreich ein blitzschneller Max Verstappen, der Charles Leclerc drei Runden vor Ende den Schneid abkaufte."

  • Mundo Deportivo:

"Gefühl. Leidenschaft. Überholmanöver. Touchierungen. Kontroverse... Formel 1! Der Große Preis von Österreich an diesem Sonntag war ein Beispiel in Reinform dafür, wie alle Rennen sein sollten, und wie viel man tun kann, um die Zuschauer des Sports in Spannung zu versetzen. (....) Und wenn es einen gibt, der diesen Kampfgeist mit Perfektion umsetzt, abliefert, sich reinhängt und stets ein Spektakel darbietet, dann ist es Max Verstappen, der an diesem Sonntag mit einer denkwürdigen Vorstellung triumphierte, nach einer beachtlichen Aufholjagd mit finalem Duell mit Leclerc."

Austrian Grand Prix

Schweiz

  • Tagesanzeiger:

"Dieses späte Ende ist weder des Sports noch dieses GP von Österreich würdig, der geradezu atemberaubend verlaufen ist. Es wirkt an diesem Tag in der Steiermark, als hätte das Gejammere der letzten Tage die Renngeister geweckt. Die Formel 1 ist langweilig. Am Boden. Tot. Was war nicht alles zu hören. Dann wird die Totgeglaubte am Sonntag mit aller Kraft und eineinhalb Stunden lang wachgerüttelt. Spannung, Drama, packender Kampf um den Sieg - plötzlich sind alle Zutaten da. Und Mercedes, diese lähmende Übermacht, spielt erst noch eine Nebenrolle."