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Sport Motorsport
06/30/2019

Finaldrama in Spielberg: "Diese Max-Show war unglaublich"

Der Red-Bull-Pilot bricht in Österreich die Dominanz von Mercedes. Nach einem harten Kampf mit Leclerc.

von Florian Plavec

Viel spektakulärer kann ein Formel-1-Rennen kaum sein. Bei 33 Grad im Schatten waren die 20.000 orange gekleideten Fans aus den Niederlanden auf den Tribünen nicht mehr zu halten. Zwei Runden vor dem Ende setzte sich ein entfesselt fahrender Max Verstappen mit einem sensationellen Manöver gegen Ferrari-Star Charles Leclerc durch und holte wie im Vorjahr den Sieg beim Heimrennen von Red Bull. Für den 21-Jährigen war es der sechste Sieg seiner Formel-1-Karriere. Dabei hatte das Rennen für ihn ganz schlecht begonnen.

Schlechter Start

„Nach diesem Start habe ich gedacht, dass alles aus ist“, sagte Verstappen. Denn als die roten Lichter ausgingen, kam er ganz schlecht weg, fiel auf wenigen hundert Metern bis zur Niki-Lauda-Kurve auf Rang acht zurück. Doch was danach folgte, war eine Meisterleistung, wie man sie in der Formel 1 schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat.

Insgesamt 203.000 Zuschauer kamen am gesamten Rennwochenende an die Strecke. So viele, wie seit der Rückkehr der Formel 1 nach Spielberg 2014 nicht mehr. Und nach dem wohl fadesten Rennen der Formel-1-Geschichte vor einer Woche gab es diesmal ein Spektakel zu sehen. Mit Kämpfen Mann-gegen-Mann, vielen Überholmanövern und noch mehr Spannung.

Eindrücke aus Spielberg

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Eindrücke aus Spielberg

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Eindrücke aus Spielberg

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Eindrücke aus Spielberg

Eindrücke aus Spielberg

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Verstappen kämpfte sich Platz um Platz nach vorne, überholte Vettel, dann Bottas und krönte seine Leistung mit dem Manöver gegen Leclerc. Schade nur, dass die Aktion nachher bei den Stewards landete und lange nicht klar war, ob Verstappen tatsächlich gewonnen hat. Erst um 19.50 Uhr war klar: Der Niederländer behält den Sieg.

„Nach dem Boxenstopp habe ich gesehen, dass ich mithalten kann. Das Auto hat super funktioniert. Ich bin extrem froh für das Team und für Honda.“ Für den japanischen Motorhersteller war es der erste Sieg seit Jenson Button 2006. „Die Partnerschaft mit Honda läuft in den letzten Wochen hervorragend.“

Ungewohnt euphorisch jubelte Helmut Marko über den Heimsieg. „Als beim Start der Motor zusammengefallen ist, habe ich gedacht, es ist vorbei“, sagte der Motorsportberater von Red Bull. „Nach dem Boxenstopp ist eine Max-Show gekommen, das war unglaublich. Eine Demonstration fahrerisch, vom Chassis und vom Motor. Die Überholmanöver von Max kommen aus dem Nichts und der Gegner weiß nicht, wie ihm geschieht. Das war ein richtiges Rennen, jede Runde am absoluten Limit. Herrlich!“ Zur Untersuchung sagte er: „Wenn solche Aktionen bestraft werden, müssen wir mit dem Sport aufhören.“

Nichts wurde es mit dem ersten Ferrari-Sieg in Österreich seit Michael Schumacher 2003 und dem ersten Sieg überhaupt für Charles Leclerc. Der Zweitplatzierte war sichtlich unglücklich, sprach aber trotzdem von einem „guten Rennen“. Bei der Pressekonferenz war er kurz angebunden: „Er hat mich von der Strecke gedrückt. Da habe ich nicht zurückschlagen können.“ Fair fügte er aber hinzu: „Auch ohne dieser Aktion wäre das Rennen so ausgegangen.“

Valtteri Bottas holte nach einer unspektakulären Leistung für Mercedes den dritten Platz. „Das war okay“, sagte der Finne, der im Zweikampf mit Verstappen nicht das letzte Risiko einging. „Die Hitze war problematisch für unseren Motor. Ich musste darauf achten, dass das Auto nicht überhitzt.“ Und er fügte hinzu: „Gut, dass ich ein paar Punkte gegenüber Lewis aufgeholt habe.“

Fehlerhafte Stars

Insgesamt neun Weltmeistertitel haben Lewis Hamilton und Sebastian Vettel gemeinsam gewonnen. Doch gestern lief es für beide nicht perfekt. Vettel, von Rang neun gestartet, erwischte zwar einen perfekten Start, doch sein Team patzte beim Boxenstopp. Als sich der Deutsche neue Reifen holen wollte, waren noch keine Reifen da ... Das Ferrari-Team erklärte den Fauxpas mit einem nicht funktionierenden Boxenfunk, weshalb die Mechaniker noch nicht bereit waren. Er wurde Vierter.

Hamilton wiederum fuhr zu hart über die Randsteine und beschädigte sich den Frontflügel so stark, dass er getauscht werden musste. Der Stopp dauerte 11 Sekunden. In der Formel 1 eine Ewigkeit. Für den WM-Führenden blieb Rang fünf.