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22.11.2018

Das Ende einer Ära: Alonsos unvollendete Weltkarriere

Der spanische Doppelweltmeister fährt sein letztes Formel-1-Rennen. Was übrig bleibt? Siege und Missverständnisse.

Als Fernando Alonso sein erstes Formel-1-Rennen fuhr, war die Welt für viele Benzinbrüder noch in Ordnung. Die Fahrer hießen Eddie Irvine, Jean Alesi und Heinz-Harald Frentzen. Ein Verstappen drehte sich auch im Kreis, allerdings Jos, der Vater von Max Verstappen. Fünf Rennställe hatten ein Zigarettenunternehmen als Hauptsponsor und Abu Dhabi war nur deshalb relevant für die Königsklasse, weil es Erdöl für den Treibstoff lieferte.

Es war das Jahr 2001.

17 Jahre später veranstaltet die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate an diesem Sonntag zum fünften Mal nacheinander das Finale der Formel 1. Fernando Alonso steht auch am Start – zum 312. und letzten Mal.

Es passt ins Bild des 37 Jahre alten Spaniers, dass die von sensationellen Siegen und ebenso grandiosen Fehlern geprägte Karriere ausgerechnet in Abu Dhabi ihr Ende findet. Im Wüstenstaat musste Alonso seine wohl bitterste Niederlage hinnehmen. Im Premierenjahr bei Ferrari 2010 kostete ihn eine falsche Strategieentscheidung den dritten WM-Titel.

Größte Rennintelligenz

Davon sollte er sich bis heute nicht mehr wirklich erholen. Alonsos Statistik nach mehr als 300.000 Kilometern in einem Formel-1-Boliden liest sich wie ein Missverständnis. Der von vielen zum besten Rennfahrer seiner Generation erklärte Doppelweltmeister (2005, 2006) bringt es zwar auf 97 Podestplätze und 32 Siege, allerdings ist der jüngste davon fünf Jahre alt. „Er hat die größte Rennintelligenz“, sagt selbst Nico Rosberg, der Weltmeister von 2016.

Nicht nur einmal lieferte Alonso im chancenlosen McLaren auch in der jüngeren Vergangenheit die besten Leistungen im gesamten Starterfeld ab, siebente Plätze feierten seine Bewunderer wie Grand-Prix-Siege. „Ich war nie weg. Vielleicht ist das nicht so aufgefallen, weil wir nicht so oft im Bild waren. Ja, ich glaube, ich habe das gewisse Extra noch“, sagt er. Im Qualifying-Duell mit dem Teamkollegen Stoffel Vandoorne steht es vor dem Saisonfinale 19:0 für Alonso.

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Er könnte also gänzlich zufrieden sein mit sich und seinen Fähigkeiten, die ihm zuletzt eine jährliche Gage von rund 30 Millionen Euro gesichert haben. Kann er aber nicht wirklich sein. Weil zwei WM-Titel seiner Klasse einfach nicht gerecht werden; weil er als legitimer Nachfolger von Michael Schumacher auserkoren war, nachdem er zuvor dessen fünfjährige Dominanz beendet hatte; weil er mit seinen Machtspielchen und Intrigen bei seinen Teams (McLaren, Ferrari) stets Chaos und Antriebslosigkeit hinterließ.

Keine Reue

„Ich bereue keine meiner Entscheidungen“, sagte der stolze Asturier in diesem Jahr, „100 von 100 Menschen hätten sich für Ferrari entschieden, dann für McLaren. Wer genau hinschaut, sieht auch, dass die Teams, wenn ich sie verlassen habe, nicht besser geworden sind.“

Am Ende fiel er durch bitteren Zynismus auf – und gefiel. Als der verhasste Honda-Motor streikte, setzte er sich in einen Campingstuhl an den Streckenrand und ließ sich sonnen. Das Bild ging um die Welt, war amüsant und im gleichen Moment traurig für die Ansprüche eines Doppelweltmeisters.

Die Flucht aus der Formel 1 ist er früh angetreten. Er fuhr 2017 die 500 Meilen von Indianapolis (was er 2019 auch tun wird), heuer startete er bei den 24 Stunden von Le Mans. Und gewann. Er brauche neue Herausforderungen, sagt Alonso. Streng genommen gibt er auf.