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Sport Motorsport
07/01/2022

Bernie Ecclestone: Putin-Freund, Multimilliardär, Zampano & Jungpapa

Der 91-jährige Brite führte die Formel 1 lange als Alleinherrscher. Zu seiner Erfolgsstory gehören auch verbale Aussetzer und ein seltsames Politikverständnis.

von Christoph Geiler

Wer es wie Bernie Ecclestone gewohnt ist, immer das zu bekommen, was er will, der schert sich einen Dreck um Konventionen und allgemeine Spielregeln. Weil er nach seinen eigenen Regeln spielt. Und die besagen: Wer zahlt, schafft an. Und es regiert das Gesetz des Stärkeren.

Mit diesem Motto ist der mittlerweile 91-jährige Engländer in seinem Leben – im wahrsten Sinne des Wortes - gut gefahren. Bernie Ecclestone schaffte es so vom Schulabbrecher zum Multimilliardär, der heute auf der Insel zu den 100 Topreichen gehört.

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Als er 1958 die erste Berührung mit der Formel 1 hatte, war er noch ein Pilot. Zwei Mal versuchte sich Ecclestone als Rennfahrer, doch hinter dem Lenkrad hatte er den Dreh nicht raus. Umso geschickter agierte der 1,60 Meter kleine Brite dann hingegen als Steuermann im Hintergrund.

Vom Teamchef und Manager arbeitete er sich hoch zum Zampano, der in der Formel 1 jahrzehntelang alle Fäden in der Hand hatte und bestimmte, wie und wo es lang geht. Ohne Kompromisse und nach dem Motto: Sein Wille geschehe.
 

Wer Bernie Ecclestone nicht zu Gesicht stand und sich nicht auf seine Bedingungen einlassen wollte, landete prompt in der Sackgasse.

Wer ihn hingegen hofierte – und das taten die meisten – der durfte im Zirkus mitspielen. Zu den Konditionen von Ecclestone, versteht sich von selbst.

Bauernschläue und Raffinesse werden dem rüstigen Engländer seit jeher nachgesagt. Seine Kritiker meinen vielmehr, er wäre gerissen und gnadenlos und habe es mit den Gesetzen nicht immer ganz genau genommen.

2014 musste sich Ecclestone in Deutschland vor Gericht verantworten. Dem Mister Formel 1 wurden Anstiftung zur Untreue und Bestechung in besonders schwerem Fall vorgeworfen. Ecclestone löste das Problem auf seine Art. Er zahlte 100 Millionen Euro und meinte danach: „Es ist erledigt und abgehakt, also ist alles in Ordnung. Ich bin zufrieden.“

Überhaupt seine Statements. Bernie Ecclestone schaffte es mit großer Regelmäßigkeit und noch größerer Treffsicherheit einen Blödsinn zu verzapfen und Sachen von sich zu geben, die einen nur kopfschüttelnd zurücklassen.

Die jüngste Lobeshymne auf Wladimir Putin war nicht der erste verbale Kolbenreiber des langjährigen Formel-1-Boss. Er hatte zuvor auch schon über Adolf Hitler gesagt, dass dieser „die Menschen führen konnte und fähig war, Dinge zu erledigen.“

Ecclestone machte auch nie ein Hehl daraus, dass ihm autoritäre Staaten, die nach seinem Motto geführt werden – nämlich: die Formel 1- bin ich – lieber sind, als Demokratien. „Ich denke nicht, dass es irgendwo Platz für Demokratie gibt.“

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Die Helden der Formel-1, die Fahrer, betrachtete er wiederum nur als bessere Marionetten. „Die Fahrer sind Windbeutel. Sie können sagen, was sie wollen. Sie können nichts machen.“

Ecclestone stellte auch die wahnwitzige These auf, dass „in vielen Fällen schwarze Menschen rassistischer sind als weiße Menschen.“

FILE PHOTO: Abu Dhabi Grand Prix

Sein Privatleben hielt Bernie Ecclestone nie geheim. Er zeigte sich am liebsten an der Seite seiner Frauen, die ihn alle um mehrere Köpfe überragten. Der Engländer ist mittlerweile zum dritten Mal verheiratet, seine älteste Tochter kam 1955 auf die Welt. Auf den Tag genau vor zwei Jahren wurde er zum vierten Mal Vater, Ace ist sein erster Sohn. Mit Fabiana Flosi lebt Ecclestone in Brasilien.

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