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Sport
09/06/2020

Monza und Ferrari: Ein Mythos mit viel Makel

Die legendäre Strecke Monza - heuer ohne rennverrückte Fans, dafür miit zwei Ferraris in der Krise.

von Alexander Strecha

Es gibt Paarungen, die sind einfach unzertrennlich. Ein Gulasch und ein Bier, Tom und Jerry, Stan und Ollie, Brunner und Brunner – und Monza und seine Tifosi. Corona sprengte in diesem Jahr dieses Gespann, die Tribünen im Königlichen Park von Monza in der Nähe Mailands bleiben leer. Kein Jubel auf der Haupttribüne, keine Campingzelte im Park, keine Tifosi auf der Start-Ziel-Geraden, die zu Tausenden zur Siegerehrung pilgern und ihre Helden feiern.

Nur 250 Ärzte und Krankenschwestern sollen nach Angaben von Ferrari beim Heimspiel der Scuderia am Streckenrand dabei sein. Eine symbolische Ehrung für ihren Mut, ihr Pflichtgefühl und ihre Selbstlosigkeit beim Kampf gegen Covid-19 soll es sein.

Beim 1.000. Grand Prix für Ferrari in Mugello am 13. September sollen dann 3.000 Fans auf den Tribünen sitzen dürfen.

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Stätte der Triumphe

Ferrari verkörpert den Mythos unter den Teams, Monza gilt als Mythos unter den Rennstrecken. 1921 entwickelte Alfredo Rosselli einen Hochgeschwindigkeitskurs, der die Piloten durch ein Wechselbad zwischen Angst und Hochgefühl jagt.

Auch wenn die legendäre Steilkurvenpassage inzwischen Moos angesetzt hat, provoziert kaum eine Strecke mehr Adrenalinschübe mit den langen Geraden und den schnellen Kurven. Seit dem ersten Rennen im Jahr 1922 steht der Kurs im Park schlängelt, für Tragödien, Triumphe und Emotionen.

Geschichten zwischen Mythos, Märchen und Folklore produziert die Formel 1 nur in Monza. Wie zum Beispiel im September 1988, als Ferrari das Ende einer fürchterlichen Durststrecke ausgerechnet in Monza wie berauscht bejubeln durfte.

Gerhard Berger und Michele Alboreto sorgten für einen emotionalen Doppelerfolg, zwei Wochen nach dem Tod des legendären Firmengründers Enzo Ferrari. Die Italiener sahen darin freilich ein heiliges Geschenk.

Ort der Tragödien

Es sind aber auch die Tragödien, die Monza immer wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit rückten. Jochen Rindt verunglückte 1970 in der Parabolica-Kurve, Wolfgang Graf Berghe von Trips starb auf dieser Rennstrecke ebenso wie Ronnie Peterson (er erlag seinen Verletzungen im Krankenhaus) oder Alberto Ascari.

Am 22. Mai 1955 testete er einen Maserati-Sportwagen, doch er trug an diesem Tag nicht wie üblich seinen hellblauen Helm. Kein gutes Omen, denn in Monza war ihm Fortuna nicht mehr hold, Ascari verunglückte. Von einem Defekt an seinem Auto ist bis heute nichts bekannt, über die Gründe für den verheerenden Crash wird gerätselt.

Ferrari-Pleite

Ein Rätsel bleibt auch weiterhin die Krise von Ferrari, die auch in Monza tapfer anhält. Sebastian Vettel bog im Qualifying schon nach Q1 ab, der Vierfachweltmeister startet das Rennen am Sonntag von Rang 17 aus. Sein Teamkollege Charles Leclerc wurde nicht viel besserer 13.

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An der Spitze bot sich das gewohnte Bild, die Mercedes-Piloten machten sich die Poleposition abermals untereinander aus. Am Ende war wieder einmal Weltmeister Lewis Hamilton schneller als Valtteri Bottas und stellte mit 1:18,887 Minuten einen neuen Streckenrekord in Monza auf. Es war die insgesamt 94. Pole für den Briten.

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