Sport
13.08.2018

"Mini-Olympia" macht Hoffnung für die Zukunft

Die Multisport-EM in Berlin und Glasgow war durchaus ein Erfolg - Raum für Verbesserung gibt es aber genug.

Mit den ersten geballten Kontinentalmeisterschaften ist Europa anderen Erdteilen nachgezogen. Über elf Tage bis Sonntag ermittelten europäische Sport-Asse in insgesamt 187 Entscheidungen bzw. sieben Sportarten ihre Besten. Schauplätze waren Schottland mit dem Schwerpunkt in Glasgow sowie Berlin - zwei Städte mit einer Luftlinien-Entfernung von rund 1.200 Kilometern.

Schon allein daher kam eine gemeinsame Multisport-EM-Euphorie nicht immer auf. Jene 150.000 Besucher, die im Rahmen der Leichtathletik-EM in Berlin zu den Entscheidungen im Gehen und Marathon, sowie zu den Siegerehrungen auf die Europäische Meile an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gekommen waren, bekamen am meisten davon mit, dass Berlin Teil der Multisport-EM war. Auf Leinwänden wurden dort in den Leichtathletik-Pausen die Bewerbe aus Glasgow übertragen.

Im Olympiastadion gab es - bei deutschen Erfolgen - die eine oder andere Durchsage. 360.000 Zuschauer wurden in der Arena gezählt. Arne Hansen, der Präsident des Europäischen Leichtathletikverbandes (EAA), sprach von einem "starken Debüt" der "European Championships". Da wie auf der Insel gab es für Österreichs insgesamt 91 Aktive zwei Medaillen. In Berlin für Lukas Weißhaidinger (Diskus) und das Marathon-Team, in Schottland für Ruderin Magdalena Lobnig und Bahnradfahrer Stefan Matzner.

"Klein Olympia"

Um das gemeinsame Ganze zu betonen, gab es eine Medaillenwertung über alle Events in der Leichtathletik, Schwimmen, Rudern, Turnen, Radsport, Triathlon und Golf sowie für die siegreichen Russen eine Trophäe. Die "Nations Trophy" ist ein dreiarmiger Pokal im zeitgenössischen Design, aus Aluminium-Legierungen und mit modernsten Herstellungstechniken veredelt. An der Spitze der 10,5 Kilogramm schweren Trophäe befindet sich eine goldene Krone, die aus einem Aluminium-Block gefertigt ist.

Es war da wie dort von "Klein Olympia" die Rede, Olympia auf europäisch. Für diesen Vergleich fehlte es in und um Glasgow aber schon allein an der gemeinsamen Athleten-Unterkunft, wie es ein Olympisches Dorf ist. Die Athleten verschiedener Sportarten hatten quasi keinen Kontakt miteinander, es waren sechs Europameisterschaften nebeneinander statt miteinander. Und die Schauplätze waren bis zu 80 Autominuten von Glasgow entfernt, die Wassersprungbewerbe fanden in Edinburgh statt.

Bei den österreichischen Fachverbänden hatte es im Vorfeld leichte Versuche gegeben, bei der Multisport-EM zu kooperieren. Doch das gelang zuletzt deswegen nicht, da es keine übergeordnet zuständige Organisation gab. Bei Olympischen Bewerben ist das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) zuständig, bei den World Games hat sich zuletzt die Bundessport-Organisation (BSO) darum angenommen. So organisierten sich die rot-weiß-roten Verbände Reise und Sonstiges alles selbst.

TV-Schwerpunkt

Mit kulturellen Veranstaltungen, wie es sie auch bei Olympia gibt, wurde in der schottischen Metropole aber den Zuschauern ein Charakteristikum eines Großevents geboten. Auch die European Broadcasting Union (EBU) stieg groß ein, hatte nach eigenen Angaben sein bisher größtes Event zu stemmen und lieferte Übertragungen in großem Umfang. Auf Eurosport etwa war die Multisport-EM ständiger Hauptschwerpunkt. In Österreichs Fernsehen entschied man sich nur für Leichtathletik und Schwimmen.

Die Zuschauer vor Ort nahmen die Veranstaltung sehr gut an. Die Stadien, Hallen und Freiluft-Events waren meist gut besucht, die TV-Macher waren über die Einschaltziffern glücklich. Der Erfolg ist aufgrund der kurzen Vorlaufzeit durchaus gegeben. Wegen terminlicher Festlegungen und diverser Verträge konnten wohl nicht alle interessierten Verbände an der Event-Premiere teilnehmen. Bei der nächsten Multisport-EM im Jahr 2022 könnte es in der Entwicklung durchaus um zumindest einen Schritt weitergehen.