Sport
15.06.2017

Mayweather vs. McGregor: Geschichte eines Superfights

Am späten Mittwochabend wurde offiziell verkündet: Floyd Mayweather und Conor McGregor steigen gegeneinander in den Ring.

Am 26. August erhält die Kampfsport-Welt endlich den einen Kampf, auf den seit mittlerweile zwei Jahren gewartet wird. UFC-Champion Conor McGregor und der ungeschlagene, aus dem Ruhestand zurückkehrende Boxweltmeister Floyd Mayweather Junior, treten in Las Vegas in einem als "Kampf des Jahrhunderts" angepriesenen Duell zweier Sportarten gegeneinander an. Jeder von ihnen dürfte um die 100 Millionen US-Dollar verdienen. Es wird vermutlich das größte Pay-Per-View-Event der Sportgeschichte werden. Grund genug, sich die Geschichte dieses Superfights näher anzusehen.

Wenn es Conor McGregor an einem nicht mangelt, dann an Selbstvertrauen. Er ist der Shooting Star der Kampfsport-Szene, kämpfte sich mit seinem einzigartigen Stil innerhalb von nur dreieinhalb Jahren an die Spitze der weltgrößten MMA-Organisation Ultimate Fighting Championship. Seit November ist er der erste Kämpfer in der Geschichte der UFC, der zwei Titel zugleich hält. Zu Weltruhm stieg er mit seinem über Monate hinweg als "Kampf des Jahres" angepriesenen Titelduell gegen den davor sieben Jahre lang ungeschlagenen Champion Jose Aldo auf - den er nach 14 Sekunden eiskalt ausknockte.

Jetzt steht der wohl größte Kampf seiner Karriere bevor - vielleicht nicht im sportlichen, sehr wohl aber im wirtschaftlichen Sinne. Sein Gegner? Niemand geringerer als Floyd "Money" Mayweather, seines Zeichens der finanziell wohl erfolgreichste Boxer der Welt. Sein Kampfrekord spricht Bände: 49 Kämpfe, 49 Siege, 26 davon durch Knockout. Mayweather galt lange Jahre als der beste Boxer der Welt, seine Karriere gipfelte im Jahrhundertkampf gegen Manny Pacquiao am 2. Mai 2015. Ein halbes Jahr später beendete er sie nach einem Sieg gegen Andre Berto.

Zusammenprall zweier Egos

Eigentlich. Denn der Kampf gegen McGregor ist spektakulär genug, dass ein Mann, der nichts mehr zu beweisen hat, noch einmal die angestaubten Boxhandschuhe aus dem Regal hervorkramt und sich seinen 50. Profisieg holen will. Gegen einen Mann, der noch nie einen professionellen Boxkampf bestritten hat. Stellt sich die Frage - warum eigentlich?

Im Juli 2015 kam die Sprache erstmals auf einen möglichen Superfight zwischen McGregor und Mayweather. Der Ire, bekannt als "The Notorious", also "Der Berüchtigte, stand damals in der Vorbereitung auf seinen Interimstitelkampf gegen Chad Mendes (dessen Ringname übrigens wie der von Mayweather "Money" ist). In der Talkshow The Conan O'Brien Show kam die Sprache auf Mayweather. McGregor antwortete: "Wenn du mich fragst, ob ich gegen Floyd Mayweather kämpfen würde - ich meine, wer würde nicht gern für 180 Millionen Dollar durch den Ring tanzen?" Und nach einer kurzen Denkpause: "Wenn wir das tun würden, ich würde ihn zweifellos ebenfalls auseinandernehmen."

Im Dezember desselben Jahres meldete sich Mayweather erstmals zu Wort. "Ich kenne diesen McGregor-Typen nicht", sagte er. "Man sagt, er prahlt viel herum und die Leute mögen ihn dafür, aber wenn ich das machte, hieß es, ich sei großspurig und arrogant." Der Ire antwortete auf Facebook mit seiner gewohnten Selbstsicherheit. "Wenn du willst, organisieren wir einen Kampf, kein Problem. Mit 27 Jahren habe ich den Schlüssel zu diesem Spiel in der Hand. Dieses Spiel gehört jetzt mir."

Aus der Krise wird die Chance

Bis in den Sommer 2016 blieb es bei Sticheleien und Gerüchten. Dann erlitt McGregor seine erste UFC-Niederlage gegen Nate Diaz, und danach rankten sich Rücktrittsgerüchte um den Iren. Mitten in diese hinein kamen erneut die Gerüchte auf, "Money" und "The Notorious" sein damit beschäftigt, einen Kampf auf die Beine zu stellen. Diesmal hatte Mayweather sie selbst lanciert. Der Kampf schien greifbar.

McGregor hatte - vorerst - andere Pläne. Knapp fünf Monate nach der Niederlage revanchierte er sich gegen Diaz. Keine drei Monate später dann die Krönung: Der amtierende Federgewichtschampion McGregor besiegte den Leichtgewichtschampion Eddie Alvarez, vereinigte die beiden Titel und krönte sich als erster Kämpfer in der UFC-Geschichte zum gleichzeitigen Champ in zwei Gewichtsklassen. McGregor hatte die Spitze der MMA-Welt erreicht. Es sollte sein vorerst letzter Kampf in der UFC sein.

Im Jänner trat McGregors Chef, UFC-Boss Dana White, erstmals für einen Kampf zwischen den beiden Größen ein. Er machte Mayweather ein erstes Angebot - das dieser wenig überraschend ablehnte. Wenn er schon aus dem Ruhestand zurückkommen und gegen einen Nicht-Boxer kämpfen sollte, dann musste sich das auch lohnen - die 25 Millionen, die White ihm anbot, waren "Money" zu wenig.

Ring frei für den Superfight

Aber mittlerweile war klar: Es handelte sich längst um eine realistische Chance, dass der Kampf passieren würde. Es ging nicht mehr um das "Ob", sondern um das "Wann". Im März 2017 stellte Mayweather klar, dass er für einen Kampf gegen McGregor aus dem Ruhestand zurückkehren würde, und McGregor antwortete mit einem mehr als selbstbewussten Auftritt im Rahmen eines Boxkampfs. "Wenn ich da hineinsteige [in den Boxring], werde ich die ganze verdammte Welt schockieren. Glaubt mir das. Schaut mir in die Augen. Vertraut mir, ich werde Floyd stoppen."

Im Mai nahm der Kampf schließlich - nach fast zwei Jahren Hin und Her - Gestalt an. McGregor und White erklärten, dass ihre Seite der Abmachung erledigt sei und es nun nur noch an Mayweather hänge, den Vertrag zu unterzeichnen. "Es ist eine Ehre, diesen Rekorde brechenden Deal zu unterzeichnen", so McGregor. Es dauerte aber noch bis Juni, ehe Mayweather schließlich einwilligte.

Jetzt ist es soweit. Am 26. August steigen Mayweather und McGregor gegeneinander in den Ring. Es ist in jeder Hinsicht ein Duell der Superlative. 100 Millionen Dollar für jeden Kämpfer. Ausgetragen wird der Kampf vermutlich in der T-Mobile-Arena in Las Vegas. Die Einnahmen dürften astronomisch sein. Das bisher größte Pay-Per-View-Event der Sportgeschichte war Mayweathers Kampf gegen Pacquiao - der Superfight spielte um die 400 Millionen US-Dollar ein. Für den Mayweather-McGregor-Kampf wird mit einer halben Milliarde US-Dollar gerechnet.

Floyd Mayweather Jr. - Conor McGregor 26. August 2017 Las Vegas Gewichtsklasse Superweltergewicht - 69,85 Kilogramm
Floyd Mayweather Conor McGregor
Money/Pretty Boy Kampfname The Notorious
24. Februar 1977 Geboren 14. Juli 1988
173 cm Größe 175 cm
183 cm Reichweite 188 cm
Linksausleger Auslage Rechtsausleger
49-0 (Boxen) Kampfrekord 21-3 (MMA)
11. Oktober 1996 Profidebüt 26. August 2017