Malerisch: Der Augusta National Club präsentiert sich Jahr für Jahr in perfektem sowie schwierig zu bespielendem Zustand.

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Masters
04/10/2014

Die Hüter über das Golf-Paradies

Das Masters ist das perfekte Turnier in perfekter Umgebung. Der Aufwand für die Makellosigkeit ist enorm.

von Philipp Albrechtsberger

Es ist das wichtigste, faszinierendste und exklusivste Golf-Turnier des Jahres. Von heute, Donnerstag, bis Sonntag suchen die besten Golfspieler des Planeten beim Masters in Augusta ihren Meister. Altmeister Bernhard Langer, zweimaliger Sieger im Augusta National Club, sagt dennoch: "Die Stars sind nicht die Spieler, der Star ist der Platz."

Die Par-72-Anlage auf dem Areal einer früheren Baumschule im US-Bundesstaat Georgia ist berühmt wie berüchtigt: Berühmt für die penibel in Szene gesetzte Ästhetik, berüchtigt für den Schwierigkeitsgrad.

Keine Grüns, wie die Endspielzonen im Golf genannt werden, sind schneller und damit schwieriger zu kontrollieren, keine Spielbahnen sind enger und damit schwieriger zu erreichen. "Die Anlage präsentiert sich in perfektem Zustand", betont Langer, "und das Jahr für Jahr. Das gibt es sonst nirgends."

Beispielloser Aufwand

Beispiellos ist auch der Aufwand. In den Wochen rund um das Major-Turnier sind gut 170 Greenkeeper im Einsatz, jedes der 18 Grüns hat einen eigenen Zuständigen. Zum Vergleich: In Atzenbrugg (NÖ) im Diamond Country Club, wo im Juni mit den Lyoness Open Österreichs wichtigster Golf-Bewerb ausgetragen wird, sind es ebenfalls 18 Greenkeeper – allerdings für die gesamte Anlage.

"Augusta ist auch sehr viel Show", sagt Tim Manson. Der 25-Jährige ist einer von zwei Chef-Greenkeepern in Atzenbrugg, er kommt aus England, dem Mutterland des Golfsports sowie des gepflegten Rasens, weshalb er, angesprochen auf Augusta, ein wenig abschätzig meint: "Für uns Engländer kommt zuerst die Qualität des Platzes, danach die Ästhetik." Manson weiß, wovon er spricht. Er ist eher Wissenschaftler denn Gärtner, eher Architekt denn Landschaftsgestalter.

Beispiellose Ausbildung

Sechs Jahre dauerte seine Ausbildung am College, Fachrichtung "Rasen-Wissenschaft". Erst danach durfte er in England in einem Golf-Club hauptverantwortlich mähen, düngen und vertikutieren. Für einen Job in Augusta bringt Manson alle Voraussetzungen mit, aber auch Desinteresse: "So viel Verantwortung, so wenig Geld."

100 der 170 Greenkeeper beim Masters arbeiten nämlich kostenlos, die Wartelisten sind trotz höchster Anforderungen lang: "Augusta ist die ultimative Messlatte", sagt der deutsche Augusta-Greenkeeper Bernhard Voss. Einzelne Nadeln auf den Grüns werden per Hand aufgesammelt, die Wurzeln an den Bäumen gefroren, sollte die Blütezeit zu früh einsetzen, das Wasser in den Teichen wird gefärbt. Voss: "Unterm Strich muss man festhalten, dass auch dort nur mit Wasser gekocht wird. Nur eben mit sehr viel Wasser."

Nicht mehr kümmern muss sich das Augusta-Personal um den Eisenhower-Tree an Loch 17. Die Weihrauchkiefer, die den ehemaligen US-Präsidenten auf seinen Runden zig Fehlschläge kostete, fiel dem strengen Winter zum Opfer und musste abgeholzt werden.

Zweiter gewichtiger Abwesender ist Tiger Woods. Der Weltranglisten-Erste verpasst wegen einer Rücken-OP zum ersten Mal seit 1995 das Masters. "Golf ist einfach besser, wenn Tiger dabei ist", sagt Konkurrent Rory McIlroy. Woods wird wieder kommen. Der vierfache Masters-Sieger ist beständiger als so mancher Baum.

Kampf um das grüne Sakko

Das Masters ist traditionell das erste der vier Major-Turniere der Saison. Es findet seit 1934 im Augusta National Club statt. In dem exklusiven Privat-Club im US-Bundesstaat Georgia wurde erst 1990 der erste Afroamerikaner aufgenommen, 2012 die erste Frau. Der Par-72-Kurs erstreckt sich über 6798 Meter. Sky Sport überträgt live.

Der Gewinner erhält mehr als eine Million Dollar und ein grünes Sakko, das ihn zur lebenslangen Teilnahme berechtigt. Titelverteidiger ist der Australier Adam Scott, Rekordsieger ist Jack Nicklaus mit sechs Triumphen.

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