Ein Tänzchen in Ehren: Die Schweizerin Martina Hingis (r.) und die Inderin Sania Mirza siegten im Doppel.

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Martina Hingis
07/12/2015

Das späte Karriereglück eines Jungstars

19 Jahre nach ihrem ersten Sieg triumphierte Martina Hingis erneut in Wimbledon.

von Christoph Geiler

Eigentlich hätte Martina Hingis in Wimbledon ja in der Loge Platz nehmen sollen und nicht unten auf dem Center Court. Als Ehrengast oder als Betreuerin, immerhin hatte die ehemals beste Tennisspielerin der Welt (209 Wochen Nummer eins) schon vor geraumer Zeit den Ball ins Out geschossen und die Trainerlaufbahn eingeschlagen.

Aber wenn dann plötzlich der Coach schlagfertiger ist als der Schützling, dann müssen in der Karriere andere Saiten aufgezogen werden. "Wie ich die Russin Pawljutschenkowa trainiert habe, haben wir in Trainingsspielen so manches Doppel aus der Weltspitze besiegt", erinnert sich Hingis. "Und da dachte ich: ,Huch, du kannst es ja noch!‘ Und warum soll ich andere trainieren, wenn ich selber noch auf dem Platz stehen kann?"

Seither mischt Hingis bei ihrem zweiten Comeback im Doppel höchst erfolgreich die Tennisszene auf. Wimbledon war nun die Sternstunde in der dritten Karriere des Superstars aus der Schweiz. Mit ihrer Partnerin Sania Mirza aus Indien gewann Hingis das Doppelfinale gegen die Russinnen Jekaterina Makarowa und Jelena Wesnina mit 5:7, 7:6 (7:4), 7:5 und hält nun schon bei 17 Grand Slam-Titel.

Auf und Ab

Damit schließt sich für Martina Hingis der Kreis. Bereits in jungen Jahren hatte sie als Teenager in Wimbledon triumphiert. Einem Doppelsieg 1996 im zarten Alter von 15 Jahren folgte der Einzelerfolg 1997. "Das kommt mir heute vor wie aus einem anderen Leben", sagt Hingis.

Zwischen dem Jungstar Hingis und der Grande Dame Hingis liegen nicht nur zwei Jahrzehnte sondern auch einige unrühmliche Kapitel. Nach ihrem frühen Rücktritt mit 22 Jahren und dem ersten Comeback 2006 lieferte die Schweizerin einen positiven Kokain-Test ab und beendete 2007 notgedrungen erneut die Karriere. Es folgten Auftritte in den Klatschspalten, die in der Aufmacherstory gipfelten, dass Hingis ihren französischen Ex-Mann verprügelt hätte.

Inzwischen ist rund um Martina Hingis wieder Ruhe eingekehrt, zumindest abseits des Center Courts. Auf dem Platz sorgt die Schweizerin aber regelmäßig für Aufregung. 2014 stand sie bereits im Doppelfinale der US Open, zuletzt gewann sie das Mixed-Doppel bei den Australian Open.

Dass der einstige Jungstar zum alten Eisen gehört, widerlegte Hingis eindrucksvoll. Aber warum sollte sie auch zu alt sein? Serena Williams, die seit Jahren das Damen-Tennis dominiert und in Wimbledon das vierte Grand-Slam-Turnier in Folge gewinnen konnte, ist lediglich ein Jahr jünger als Martina Hingis, die im September 35 wird.

Die Schweizerin gefällt sich vielmehr in der Rolle der Grande Dame und kostet das Profi-Dasein aus. "Ich höre in meinen Körper hinein und entscheide selbst, wann ich wie viel trainiere", erzählt Hingis. "Das ist eine neue Erfahrung, ich genieße das. "

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