Leichtathletik-Ass Verena Preiner

© Stefan Mayerhofer

Sport
02/12/2020

Leichtathletin des Jahres: „Ein Stück Schokolade ist okay“

Verena Preiner im Interview über Verzicht, Disziplin und was WM-Bronze bei ihr ausgelöst hat.

von Philipp Albrechtsberger

Verena Preiner sorgte für eine der großen Sensationen im österreichischen Sportjahr 2019. Nach WM-Bronze zählt die 25-jährige Siebenkämpferin auch zu den Olympia-Hoffnungen. Am Montag wurde sie bei der Gala im Wiener Grand Hotel zur Leichtathletin des Jahres gekürt. „Ein bisschen Anerkennung tut schon gut“, sagt die Oberösterreicherin, während sie am Früchtetee nippt. Der große Luxus sei nach einem großen Wettkampf eine Pizza.

KURIER: In der Leichtathletik ist oft vom Verzicht die Rede. Fällt Ihnen das schwer?

Verena Preiner: Überhaupt nicht. Ich habe mich ja freiwillig und ganz bewusst für diesen Sport entschieden.

Wie strikt ist Ihr Ernährungsplan?

Es ist nicht so, dass mir mein Ernährungsberater jeden Tag exakt vorschreibt, was ich wann essen soll. Es ist eher ein generelles Konzept. Was gar nicht geht, sind zum Beispiel schlechte Fette wie Palmöl.

Ist Schokolade erlaubt?

Ein Stück ist okay, wenn der Gusto danach verlangt. Der Gusto wird ja nicht weniger, wenn ich das Stückchen nicht esse. Das darf ich mir schon gönnen. Am nächsten Tag hab’ ich dann einen guten Grund, um hart zu trainieren.

Fällt Ihnen der Gang durch das Süßigkeitenregal im Supermarkt manchmal schwer?

Ich bin daran gewöhnt. Es ist keine Qual, mich gesund zu ernähren.

Hat sich Ihre Popularität seit der WM-Medaille verändert?

Die Medienberichte sind mehr was für Eltern und Großeltern als für mich. In meiner Heimat Ebensee wird die Familie öfter angesprochen. Bei mir hält sich das in Grenzen.

Ihr Trainer Wolfgang Adler meint, WM-Bronze hat Sie selbstsicherer gemacht. Merken Sie das auch?

Klar löst eine WM-Medaille etwas aus. Man hat erstmals wirklich die Bestätigung bekommen, dass man am Tag X die Bestleistung abrufen kann. Mental bin ich sicher stärker geworden.

Die 25-Jährige stammt aus Ebensee (OÖ) und lebt mit ihrem Partner in Leonding. Ihren ersten großen Erfolg feierte die Mehrkämpferin 2017 bei der U-23-EM mit Silber. Im Herbst 2019 gelang ihr mit WM-Bronze der internationale Durchbruch.

6.591 Punkte gelangen Preiner im Siebenkampf in Ratingen 2019. Das bedeutete neuen österreichischen Rekord.

Wie oft denken Sie noch an den WM-Wettkampf in Doha?

Die ganzen Ehrungen erinnern mich immer wieder daran. Im Alltag ist es nicht mehr sehr präsent, außer wenn ich auf dem Sofa sitze. Die Medaille liegt direkt über dem Fernseher. Ich habe sie sogar noch in dem Etui gelassen, damit sie ja schön bleibt.

Sie haben letztes Jahr auch den Gesamtweltcup gewonnen und dafür 30.000 Dollar Preisgeld erhalten. Haben Sie sich etwas gegönnt?

Ein bisschen was fließt wieder in mein Training. Aber das Meiste habe ich beiseitegelegt und gespart.

Im Vorfeld der WM wurde publik, dass Ihnen Geld fehlte für ein Trainingslager und Sie deshalb ein Crowdfunding-Projekt starten mussten ...

Da will ich gleich etwas klarstellen: Letztes Jahr gab es das Problem, dass sich die Trainings- und Wettkampfplanung kurzfristig verschoben hat. Budgets werden aber zu Jahresbeginn erstellt und verteilt. In der Leichtathletik weiß man jedoch nie, wann man ein Limit für ein Großereignis erbringt und ob dann weitere Bewerbe oder Trainingslager nötig werden.

In Oberösterreich gibt es seit einiger Zeit eine neue Trainingshalle. Haben Sie mittlerweile alle Möglichkeiten, die es braucht, um mit der Weltspitze mithalten zu können?

Wir können die neue Halle immer nutzen und müssen nicht den Trainingsplan an die Infrastruktur anpassen, sondern an den Körper. Früher mussten wir manchmal kreativ sein, weil wir auch im Winter oft nur im Freien trainieren konnten. Bei minus 15 Grad war an ein Hochsprungtraining mit Spikes nicht zu denken. Stattdessen haben wir eben leichte Sprungübungen im Park gemacht.

Wie würden Sie einem Kind die Vorzüge der Leichtathletik erklären?

Die Leichtathletik ist eine gute Schule für jede andere Sportart. Das Körperbewusstsein wird gestärkt. Und du brauchst Disziplin, kannst dich aber dennoch austoben.

Auf WM-Gold haben Ihnen 400 Punkte gefehlt. Ist diese Lücke zu schließen?

Die Steigerung von 2018 auf 2019 waren 200 Punkte. Das ist im Mehrkampf schon sehr viel. Bis Olympia wird es daher schwierig, aber auf Dauer ist es schon möglich. Mit 25 komme ich ja erst in das beste Alter für eine Mehrkämpferin.

Welche Rolle spielt Erfahrung im Mehrkampf?

2017 bei meiner ersten WM in London hat mich die Größe und die Lautstärke im Stadion schon beeindruckt und vielleicht ein wenig beeinflusst. Das tut es jetzt nicht mehr.

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