Armand Duplantis hob den Stabhochsprung-Weltrekord um einen Zentimeter

© APA/AFP/LUKASZ SZELAG

Sport
02/10/2020

Nach Weltrekord: Der US-Überflieger, der Amerika trauern lässt

Armand Duplantis ist nach seinem Stabhochsprung-Rekord Hoffnungsträger der Leichtathletik. Den USA gab er einen Korb.

von Philipp Albrechtsberger

Die meisten Dreijährigen träumen von Märchenfiguren oder vom letzten Zoobesuch. Armand Duplantis ging in dem Alter nur eines durch den Kopf: der Weltrekord im Stabhochsprung. So erzählte es der 20-Jährige jedenfalls am Samstagabend im polnischen Torun.

An Gesprächspartnern mangelte es nicht. Duplantis hatte gerade bei der Hallenveranstaltung die sechs Jahre alte Bestmarke um einen Zentimeter auf 6,17 Meter angehoben. Es ist der erste Weltrekord in einem noch jungen Leichtathletik-Jahr, das seinen Höhepunkt im Sommer bei den Olympischen Spielen finden wird.

„Es ist ein wichtiges Jahr, und das ist einmal ein guter Start“, sagte Duplantis. Nach Tokio wird der Europameister und Vizeweltmeister nun als Topfavorit reisen. Für Olympia-Gold muss wohl die Freiluft-Bestmarke übersprungen werden. Die liegt bei 6,14 Metern, aufgestellt von Sergej Bubka im Jahr 1994.

Weltrekorde sind selten geworden in der Leichtathletik, wie der Blick in die Rekordbücher beweist. Vor allem in vielen Wurf- und Sprungdisziplinen datieren die Weltbestleistungen aus den 1980er-Jahren, in denen zahlreiche Sportsysteme Leistungen und Athleten systematisch optimierten – und manchmal auch manipulierten.

Erst vergangene Woche bekräftigte der ehemalige US-Leichtathletikstar und Vorsitzende der US-Anti-Doping-Agentur Edwin Moses in einem Interview mit dem Guardian: „Wir alle wussten damals, dass Doping an der Tagesordnung war. Es war eine dunkle Zeit in der Leichtathletik. Ich war schockiert, als ich bei den Olympischen Spielen 1976 die Athletinnen aus dem Ostblock sah.“

Betrogen wird auch heute noch oft im Leistungssport. Noch immer versuchen Athleten und deren Betreuer, dem engmaschigen Kontrollsystem ab und zu zu entwischen. Vor allem Überflieger und Wunderkinder wie Armand Duplantis, den allen Mondo, stehen unter besonderer Beobachtung.

Der Vater, selbst ein talentierter Stabhochspringer, baute dem Sohn eine Sprunganlage im Garten. Das Video, in dem der Sprössling die Drei-Meter-Marke knackt, ging im Internet um die Welt (siehe unten). Als er 17 war, widmete ihm die New York Times einen großen Artikel mit dem Titel: „Der Tiger Woods des Stabhochsprungs.“

Im Leichtathletik-Mekka Amerika ist der in Louisiana geborene und aufgewachsene Duplantis eine große Nummer. Allein: Seine Erfolge gehen auf das Konto der Schweden. Bereits in jungen Jahren hatte er sich dazu entschieden, für das Heimatland seiner Mutter, selbst eine ordentliche Siebenkämpferin, zu starten.

Schweden freut sich

Dafür gibt es keine patriotischen Gründe, sondern pragmatische. Schweden hat lockerere Qualifikationskriterien für Großereignisse. Im Kampf um ein Olympia-Ticket 2020, hätte Duplantis als US-Athlet im Juni 2019 unter die Top 3 bei den Trials kommen müssen. Das war dem Stabhochspringer zu riskant. Ein schlechter Tag oder ein technischer Fehler, und der Lebenstraum wäre für vier weitere Jahre verschoben gewesen. Ausnahmen kennt das amerikanische Ausscheidungssystem keine.

Als Schwede darf Armand Duplantis weiter träumen. Vielleicht auch vom Zoo, wie die Dreijährigen. Denn will er Olympia-Gold gewinnen, muss er in etwa eine ausgewachsene männliche Giraffe überspringen.

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