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Sport
09/21/2021

Kletter-Star Jakob Schubert: Die große Leere nach dem großen Erfolg

Nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei Olympia fiel der Tiroler in ein Loch. Trotzdem geht er bei der WM in Moskau auf Medaillenjagd.

von Christoph Geiler

Nach seinem Gipfelsturm bei den Olympischen Spielen in Tokio kam der Absturz und Jakob Schubert fiel in ein kleines Loch. Der Tiroler Kletterer hatte in den vergangenen eineinhalb Jahren so viel Energie und Zeit in sein großes Lebensziel investiert, dass er nach dem Gewinn der Bronzemedaille plötzlich nur mehr eine große Leere verspürte. „Man merkt, dass man eine lange Zeit alles aus seinem Körper herausgeholt hat“, erzählt der 30-Jährige. „Ich war nach den Spielen körperlich und mental sehr müde.“

Wochenlang hatte Jakob Schubert keine rechte Lust, seiner Leidenschaft nachzugehen. Er konnte sich nicht aufraffen, die Kletterhalle zu betreten, er sah keinen Sinn darin, in der Kraftkammer Kondition zu tanken, er tat sich schwer, neue Ziele zu definieren. „Der Körper hat mir recht deutlich signalisiert, dass er keinen Bock hat“, sagt Schubert.

Unter anderen Voraussetzungen hätte der Tiroler die Wettkampfsaison nach den Olympischen Spielen wohl vorzeitig beendet, doch diese intensive Saison wartet noch mit der Weltmeisterschaft in Moskau auf und dort muss sich Schubert als dreifacher Champion und aktueller Olympiamedaillengewinner blicken lassen.

Aha-Erlebnis

Deshalb kehrte der Innsbrucker nach der längeren Pause schließlich auch wieder auf die Kletterwand zurück und erlebte ein Aha-Erlebnis der ungewöhnlichen Art. „Die ersten Trainingseinheiten nach Japan waren sehr speziell“, gesteht er. „Es hat sich angefühlt, als wäre ich ein paar Jahre nicht an der Kletterwand gewesen.“

Aber irgendwann packte Schubert dann doch wieder der Ehrgeiz. Immerhin gilt es an diesem Dienstag, wenn in Moskau seine Paradedisziplin, der Lead-Bewerb, auf dem Programm steht, eine lange Erfolgsserie zu prolongieren. Der 30-jährige Tiroler kommt praktisch von jedem Großereignis mit einer Medaille nach Hause: Seit seiner WM-Premiere 2011 in Arco hat Jakob Schubert gleich acht Mal das Stockerl erklommen und ist damit einer der erfolgreichsten Kletterer überhaupt.

Ohne Druck

„Wenn ich zu einem Wettkampf fahre, dann will ich auch abliefern“, sagt Jakob Schubert. Auch wenn er offen zugibt, dass die Anspannung vor den Olympischen Spielen deutlich größer war als jetzt vor der Weltmeisterschaft.

Der Gewinn der ersehnten Bronzemedaille hat so viel Ballast abfallen lassen, dass es der ehrgeizige und erfolgshungrige Routinier nun in Moskau etwas lockerer angeht. „Mental ist es etwas anders. Ich verspüre nicht die Nervosität und den Druck wie in der Vergangenheit, weil die WM nicht das einzige Thema in meinem Kopf ist. Es macht es aber auch interessant, befreiter in so einen Wettkampf zu gehen.“

Neue Popularität

In den vergangenen Wochen erlebte Jakob Schubert auch die Nebeneffekte, die so eine Olympiamedaille mit sich bringen. Der spektakuläre Auftritt des Innsbrucker Kletterers in Tokio hat seinen Bekanntheitsgrad in die Höhe schnellen lassen. „Das hat offenbar jeder mitbekommen“, berichtet der Olympiadritte. „Ich werde seither regelmäßig darauf angesprochen, auf der Straße erkannt und um Fotos gebeten, vor allem von Kindern.“

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