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Sport
08/05/2021

Kletter-Star Jakob Schubert: Der Mann für die magischen Momente

Der Innsbrucker hatte seine Nerven und die Wand im Griff und holte auf den letzten Drücker die Bronzemedaille.

von Christoph Geiler

Der Weg nach unten war für Jakob Schubert dann fast beschwerlicher als der kräftezehrende Aufstieg bis an die Spitze der steilen Kletterwand. Als er zehn Meter über dem Boden  am Seil zappelte, fragend nach unten zu seinen Trainern und Richtung Anzeigetafel blickte und für einige Augenblicke in der Luft hing, weil er absolut keine Ahnung hatte, wie es um ihn geschehen war.

Würde sein Kraftakt im Lead-Bewerb für den Gipfelsturm und die ersehnte Medaille reichen? Oder würde auch er, wie zuvor schon alle anderen Favoriten, am harten Boden der Realität landen? „Keiner hat gewusst, ob sich die Medaille ausgeht“, erzählte der Innsbrucker Kletterer.

Dann, nach Sekunden des Hoffen und Bangens, die Jakob Schubert wie eine halbe Ewigkeit vorkommen mussten, war es endlich amtlich: Der 30-Jährige hatte sich tatsächlich im letzten Abdruck noch die Bronzemedaille geschnappt, die eigentlich bereits außer Reichweite schien. „Das bedeutet mir alles. Ich habe geglaubt, dass es selbst mit Platz eins im Lead nicht reichen würde. Es war ein Fight bis zum Schluss“, sagte Schubert.

KARRIERE
Der Innsbrucker (*31. Dezember 1990) ist einer der erfolgreichsten Kletterer der Historie und gewann im vergangenen Jahrzehnt alles, was es in diesem Sport zu gewinnen gibt.

Drei WM-Goldmedaillen hat der 30-jährige HSZ-Sportler bereits erkraxelt. 2012 wurde er Weltmeister im Lead, 2018 holte er sich das Double im Lead und in der Kombination. Drei Mal gewann Schubert den Lead-Weltcup, vier Mal beendete er den Kombinations-Weltcup als Nummer eins, in seiner Karriere feierte er 21 Weltcupsiege.
In seiner Freizeit zieht es  den Tiroler in die Berge. Auf dem Fels hat Schubert schon mehrere Erstbegehungen durchgeführt.

Im Sportklettern sind nicht nur Fingerfertigkeit und Kraft gefragt, es geht auch um Kalkül. Bei der Olympia-Premiere in Tokio wurde der beste Allrounder gesucht, deshalb mussten sich die Kletterer in den drei völlig konträren Disziplinen Speed, Bouldern und Lead beweisen. Die jeweiligen Einzelergebnisse wurden multipliziert.

Auf den ersten Blick schien Jakob Schuberts Lage vor dem Schlussbewerb aussichtslos. Nach den Rängen 7 (Speed) und 5 (Bouldern) lag der Tiroler nur an siebenter Stelle, Gold und Silber waren für ihn zu diesem Zeitpunkt schon außer Griffweite. Nur die Mini-Chance auf Bronze lebte noch, aber dafür musste er den Lead-Bewerb gewinnen. „Mir war klar, dass ich im Lead alles herausholen muss“, sagte Jakob Schubert.

Gesagt, getan, geklettert – in seiner Paradedisziplin, in der er 2012 und 2018 WM-Gold gewonnen hatte, spielte der Routinier all seine Klasse aus. Als allerletzter Kletterer war er an die Wand gekommen, Jakob Schubert musste bis zum Top, also bis zum höchsten Punkt kraxeln, um sich Bronze zu sichern und er tat das im Stile eines Großen. Zug um Zug, Tritt für Tritt hantelte sich der Innsbrucker nach oben und hievte sich bei der Olympia-Premiere noch auf das Stockerl. „Der Leadbewerb hat mir wieder einmal eine Medaille beschert. Es ist einfach großartig.“

Und einmal mehr zeigte sich die Nervenstärke des Tirolers, der die Gabe hat, bei Großereignissen stets zur Hochform aufzulaufen. Nicht umsonst hat Jakob Schubert bei Weltmeisterschaften bereits acht Medaillen erklettert, darunter zwei Goldene bei den Titelkämpfen 2018 in Innsbruck, bei denen alle Augen auf ihn gerichtet waren. „Der Druck war damals brutal, diese Bronzemedaille hat jetzt für mich aber auch einen unglaublichen Stellenwert.“

Vor allem weil der Österreicher zwischenzeitlich bereits mit dem Kletter-Gott haderte und dachte, dass sich in Tokio alles gegen ihn verschworen hätte. „Es ist so viel gegen mich gelaufen. Irgendwie konnte ich den ganzen Frust auf die Wand bringen.“

Wie schwer diese Bronzemedaille in Tokio zu erringen war, zeigt schon, dass es Jakob Schubert als einziger der Favoriten auf das Podest geschafft hatte. Die Olympia-Premiere der Kletterer endete überraschend mit einem Sieg des erst 18-jährigen Spaniers Alberto Ginés López.

Bei den Spielen 2024 in Paris werden die Kletter-Karten dann übrigens wieder neu gemischt. Dann gibt’s Goldmedaillen im Speed sowie in der Kombination aus Bouldern und Lead – den beiden Lieblingsbewerben von Jakob Schubert, der bereits anklingen hat lassen, die Karriere bis 2024 fortzusetzen.

 

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